Ohne Worte


Nichts hätte mehr einen Sinn, wenn alle Worte versickerten. Die Jahreszeiten würden fortbestehen, aber es gäbe keinen Widerhall. Die Sterne am Nachthimmel würden weiter funkeln – doch ohne dass ein Augenpaar ihr Licht einfinge. Und was wäre mit der Liebe? Was ist eine Liebe ohne Worte? Und ich meine nicht nur die gesprochenen und geschriebenen Worte. Mir scheint, die Welt besteht nur aus Worten. Seit ich lebe. Seit ich atme. Meine Existenz ist ein Wort.
Selbst Katzen sprechen. Und Steine sprechen. Ich höre sie, auch wenn ich sie nicht verstehe. Ich kann mich nicht mehr erinnern, welches Wort ich zuerst aussprach. Wahrscheinlich war es „Mama“.
Die Greisin im Altenheim sagte zu mir: „Wissen Sie, nach wem die Soldaten im Krieg riefen, bevor sie an ihren Verwundungen starben?“ „Ja“, sagte ich, „ich weiß, sie riefen nach der Mutter.“ Ich hatte es in vielen authentischen Kriegserzählungen gelesen. Die Greisin hatte es noch erlebt.
Eine andere, die ich abends ins Bett lege, sagte: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie eine gute Frau finden.“ Dabei erzähle ich nicht viel über mein Privatleben. Vielleicht sehe ich einsam aus (?) Nein, mir rutschte mal raus, dass ich Single bin. Ich lächelte verlegen und hoffte, dass sie nicht genauer nachfragt. Was sie auch nicht tat.
Es gab so viele unausgesprochene Worte. Sie wollten unausgesprochen bleiben. Trotzdem waren sie da. Wie Steine. Wie der Himmel. Wie die Liebe. Wie du.

ein literarisches Tagebuch

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