...


Ich denke an Wellen, die am Strand auslaufen, an ihren Schaumkranz auf dem Sand. Am Horizont die schmale Rauchfahne eines Bananendampfers. Meine Eltern schauen mich an, während ich mich umziehe. An der Wand hängt ein Bild von ihnen, das sie mir nach ihrer Goldenen Hochzeit schenkten. Ich schaue zu ihnen rüber, als ich in die Hose schlüpfe. Ich kann gar nicht nicht hinschauen. Ich sollte das Altenheim zurückrufen. Vorhin klingelte das Telefon. Die Sonne blinzelte durch die Rollladenschlitze. Ich ließ es klingeln. Wann schlafen Nachtwachen? Diese Frage fiel mir spontan ein. Mein Herz klopfte. Ich wälzte mich im Bett hin und her. An Einschlafen war nicht mehr zu denken. Eine Stunde später klingelte das Telefon erneut. Es ist noch zu früh, dachte ich, und ließ es klingeln.
Ich laufe am Strand entlang, gerade so dicht am Wasser, dass die Ausläufer der größeren Wellen meine Füße umspülen. Gestern notierte ich: „Wir schlafen auch, wenn wir nicht schlafen. Darum erscheint uns das Leben oft wie ein Traum.“ Ich weiß, dass ich keine Ruhe bekomme, wenn ich das Altenheim nicht zurückrufe. Schattenarme umklammern mich. Die Nacht lässt mich nicht los. Die Alten lassen mich nicht los. Das Altenheim verfolgt mich. Konsterniert schaue ich auf den Bildschirm meines Computers.
...
Es gibt kein Aufwachen aus diesem Schlaf. Oder? Mir fallen die Alten ein, wie sie dem Tod entgegentreiben. Ich setze mich auf einen Stein und schaue aufs Meer. Der Bananendampfer verschwand hinterm Horizont und nahm meine Sehnsüchte mit. Jedenfalls einen guten Teil von ihnen. Dann greife ich zum Telefon und rufe das Altenheim an –

ein literarisches Tagebuch

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