Ankunft


Ich gebe zu, dass ich ab und zu den weiblichen Part in meinem Leben vermisse. Besonders bei solchen Reisen. Es ist einfach schöner, diesen Scheiß gemeinsam zu erleben. Und zur Not kann man sich nachts auf einem fremden, knarrenden Hotelzimmerbett die Seele aus dem Leib ficken; oder sich streiten und wieder versöhnen, zum Beispiel bei zwei Halben Bier und einer Portion Weißwürste.
Schon reichlich erschöpft erreichte ich die Pension am Hauptbahnhof. An der Rezeption saß die Sorte fette Frau, die gemütlich und gleichzeitig temperamentvoll ist, sozusagen das pralle Leben. Das Zimmer war zum Schlafen ausreichend, hatte ein Waschbecken und einen Fernseher. Dusche und Toilette auf dem Flur. Es war später Nachmittag. Ich legte nur mein Zeug ab und zog los. Ich tauchte ein in den irren Menschenstrom der Großstadt. Der Tag war grau, und die ganze Szenerie hämmerte lärmend und mit tausenden visuellen Eindrücken auf mich ein. Auf dem Weg zwischen Stachus und Marienplatz lud mich die Augustiner Bierhalle zur ersten Rast ein. Also: weg von der Allerweltsfußgängerzone hinein in die gemütliche Bierseligkeit. An das helle Geschnatter der vielen Menschen gewöhnte ich mich nach einer Weile. Mit zwei Halben und einem Zanderfilet mit Butterkartoffeln zelebrierte ich meine Ankunft in München – sofern man das für sich alleine sagen kann. Als ich wieder auf die Straße trat, begrüßte mich die illuminierte Stadt. Ich orientierte mich an den zwei Türmen der Frauenkirche, die an ihren Enden wie Möpse aussehen. Jedenfalls stellte ich diesen Vergleich an. Schnell fühlte ich mich wieder als Ameise, und die Stadt, die um mich tobte, war ein gigantischer Ameisenhügel, über den ich mich wunderte, der mich neugierig machte aber zugleich ermüdete und anwiderte. Es wimmelte von Menschen - jung und alt, reich und arm, jeglicher Nationalität, hastend und schleichend … Wie ich es Anfangs sagte, all dies wäre zu Zweit leichter zu verdauen gewesen. Ich kam an diesem Abend nicht mehr weit. Ich hatte teuflische Schmerzen beim Gehen in der Hüfte, rechtsseitig, die in den Oberschenkel ausstrahlten. Seit Monaten kommen und gehen diese Schmerzen wie ein Phantom. Auch in diesem Fall fehlt mir wahrscheinlich der Arschtritt der besseren Hälfte, die mich schon längst zum Orthopäden gescheucht hätte. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass ich mich als Single nicht ständig rechtfertigen muss. Falls die Schmerzen überhand nehmen, werde ich schon zum Arzt gehen. Fuck! Ich humpelte also zur nächsten U-Bahnstation und fuhr zurück zum Hauptbahnhof. Bereits kurz nach 20 Uhr streckte ich mich auf dem Bett meines Zimmers aus und schaltete das TV ein. Auf irgendeinem Kanal lief was über Ufos und Aliens.

KarenS - 12. Okt. 13, 15:17

Stimmt...

ich finde auch, dass vor allem kleine Reisen zu Zweit mehr Spaß machen. Muss nicht immer ein Partner oder eine Partnerin sein.

Gute Besserung und ein schönes WE wünsche ich dir.

bonanzaMARGOT - 12. Okt. 13, 15:29

warum vor allem kurzreisen? nein, das muss nicht unbedingt ein partner sein. aber es sollte jemand sein, der sich mit einem verbunden fühlt. wie auch immer.

danke für die guten wünsche. du meinst die hüftschmerzen ... leider brachte ich auch noch eine fette erkältung von münchen mit nach hause.

dir auch ein schönes we.
KarenS - 12. Okt. 13, 17:35

ich weiß auch nicht, warum mir diese kurzreisen in den sinn kamen. fast alles macht zu zweit mehr spaß...aber eben nur fast.

die fette erkältung kannst ja weg "spülen" *ggg
bonanzaMARGOT - 12. Okt. 13, 17:41

wegspülen. klar. das mache ich sowieso mit allem.
alles wird in den see der vergangenheit gespült. tag für tag. aber ich fahre schon mal gern auf den see hinaus. und werfe meine angel aus.
bonanzaMARGOT - 12. Okt. 13, 17:44

apropos

auf reisen habe ich mich mit den meisten meiner ex-freundinnen zerstritten.
KarenS - 12. Okt. 13, 17:46

hm, vielleicht lag es an der ständigen nähe? auf reisen meine ich.

bonanzaMARGOT - 12. Okt. 13, 17:53

keine einfache frage. die aufdringliche nähe, vor allem beim zelten, ist naheliegend. auch ist man viel mehr voneinander abhängig als im alltag, wo man einfach nach hause fahren kann - vorausgesetzt man wohnt nicht zusammen.
ich bin einfach ein mensch, der zwischendurch rückzugsmöglichkeiten braucht.
ein kurzurlaub ist da schon eher ohne auseinandersetzung denkbar. die zwei oder drei tage lassen sich auch bei dicker luft mal aushalten. und mit etwas glück hat man ja vorher schönen versöhnungssex ...

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