Hitler lebt! Oder: Die Dönermorde


Die Braune Soße blubbert und wabert nach wie vor unter der Oberfläche der gesellschaftlich heilen Welt. Oder: „Lebt denn der alte Holzmichel noch? Ja, er lebt noch ...“ Ich erinnere mich, wie eine Gruppe junger Polizisten, die einen Betriebsausflug unternahmen, - dieses Lied immer wieder anstimmten. Es war 2004, die Deutschen flogen bei der Fußballeuropameisterschaft schon in der Vorrunde raus. Ich befand mich auf einer Fahrradreise die Weser runter Richtung Jadebusen. Die Polizisten machten "Rast im Knast". Sie saßen dort am Abend in Sträflingsklamotten vor einer Videoleinwand, um Fußball zu gucken. Ich übernachtete in einem anderen Hotel, denn die Polizisten hatten ja den "Knast" belegt, und stieß zu ihnen, um den Tag mit Bier und lockerer Unterhaltung abzuschließen.

Aber ich schweife ab. Es geht um die Braune Soße, die in diesen Tagen wiedermal durch scheußliche Untaten von sich reden macht. Eine jahrelange Mordserie und Terroranschläge gehen auf das Konto von Rechtsradikalen. Kommissar Zufall musste es ans Licht bringen, da die Ermittlungsbehörden über Jahre hinweg mit Blindheit geschlagen waren. Oder schauten sie bewusst nicht richtig hin? Hinzu kommt die merkwürdige Verknüpfung mit den Verfassungsschützern und ihren V-Leuten in der rechten Szene. Gruselig sich vorzustellen, was nun noch alles in diesem Zusammenhang aufgedeckt wird. Ich habe den Eindruck, dass in einigen gesellschaftlichen Kreisen rechte Gesinnungen besonders gut gepflegt werden. Die Polizei täte gut daran, ihre Reihen dahingehend zu durchforsten. Auch die Armee scheint ein guter Brutkasten für Neonazis zu sein. Ebenso der Verfassungsschutz. Man darf sich fragen, warum dies so ist. Vielleicht liegt es am Berufsbild …
Nicht neu ist, dass in der deutschen Bevölkerung schon immer eine latente Fremdenfeindlichkeit herrscht. Die Sarrazin-Debatte zeigte dies vor nicht allzu langer Zeit. Ich fand es damals erschreckend, wie viel Beifall Sarrazin mit seinen Thesen erhielt. Wenn rechtes Gedankengut hoffähig wird, sinkt gleichzeitig die Hemmschwelle für rechte Gewalt. Die Quittung folgt auf dem Fuße. Extremisten fühlen sich ermutigt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an den grauenhaften Terrorakt in Norwegen. Nein, Rechtsradikalismus ist kein ausschließlich deutsches Problem. Die Braune Soße gibt es weltweit. Der Faschismus ist eine Idee, welche in den Köpfen vieler Menschen weiterlebt und Angst und Schrecken verbreitet. Die Demagogen machen sich die Hände nicht schmutzig. Verirrte Seelen und Dummköpfe werden belabert, infiltriert und in den Kampf für die Sache geschickt.

„Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ stimmte einer der Polizisten im gestreiften Sträflingsanzug zum tausendsten Mal an, und seine Kollegen und Kolleginnen grölten: „Ja er lebt noch, er lebt noch!“ Und ich dachte bei mir: Die haben auch keinen leichten Job und müssen ihren Frust mal raus lassen ...

tom-ate - 15. Nov. 11, 16:22

Wer schützt uns vorm Verfassungsschutz?

Hinzu kommt die merkwürdige Verknüpfung mit den Verfassungsschützern und ihren V-Leuten in der rechten Szene. Das ist nicht nur merkwürdig, wie Günther Lachmann in der Welt Online richtig kommentiert. Dieser bereits offensichtliche Skandal gehört restlos aufgeklärt. Restlos. Ein frommer Wunsch? Ich hoffe doch nicht.

bonanzaMARGOT - 15. Nov. 11, 16:34

ich könnte mir vorstellen, dass es nicht leicht wird.
das problem bei solchen institutionen ist: wer überwacht sie: und wer überwacht die überwacher etc.?
als otto normal bürger hat man doch keine ahnung, um was für einen sumpf es sich dabei handelt. man könnte fast von einer "staats-mafia" reden.
die cia der usa ist ein klassisches beispiel ... es ist immer die frage, wie ideologisch abgefuckt die akteure in solchen geheimdiensten sind.
Lange-Weile - 17. Nov. 11, 00:04

woher kommen die Monster`?

Hallo Bo.,
ganz schön gruselig, was alles so ans Tageslicht kommt. Ich kann nur schwer nachvollziehen, was für Monster in der Gesellschaft unerkannt aufwachsen können. Das Mördertrio ist mitte 30 und wenn sie aus Ostdeutschland kommen, sind sie noch von der DDR geprägt worden. Waren sie vielleicht sogar Pioniere oder FDLler?

Was muss in solchen Köpfen passieren und vor sich gehen, dass sie zu solchen Monstern der Gesellschaft mutieren?
Ich kann es gar nicht fassen, dass sie sogar unweit von meiner Haustür einen jungen Türken hingerichtet haben. Anfang 20 war er erst undhatte an dem Tag zufällig Vertretung gemacht.

Erst hat das Trio andere hingerichtet und damit auch ihr eigenes Leben verwirkt. Was bleibt ihnen - den Tätern - nach diesen Morden? Doch auch nur der Tod, was für 2 ja auch eingetreten ist. Und die 3. im Bunde, sie wird nie ein normales Leben mehr führen können. Dazu kommt, das die eigenen Familien - Eltern und Geschwister - nie wieder ein unbelastetes Leben führen können.

Was ich nicht verstehe, warum diese Menschen nicht so weit denken? Dachten sie nie so weit - über das, was danach kommt? Was sie aus ihren Leben

Dabei habe ich noch nicht mal Opfer und ihre Hinterbliebenden, die von der Willkür der Mörder so schwer getroffen wurden, erwähnt.

Ich bin sprachlos und wieder einmal komme ich mit der Frage: "Wo kommen die Monster her" nicht zurecht.

LG LaWe

bonanzaMARGOT - 17. Nov. 11, 13:18

keine monster

hi lawe, was die motive dieser leute angeht ..., nachzuvollziehen ist es schwer. da spielen viele faktoren eine rolle wie: biografie, psyche/charakter, menschliche beziehungen, frustration ...
was sie eint, ist ihr fanatismus in einer sache. es reicht ihnen nicht, ihre sache im demokratischen kontext zu vertreten, sondern sie greifen zu undemokratischen mitteln, also: gewalt, terror, mord ...
wobei man zwischen dem fußvolk und den ideologischen vordenkern, demagogen und animateuren unterscheiden muss. das besagte mörder-trio gehörte wohl eher zum fußvolk. ob sie die opfer selbst aussuchten, und wie autark sie handelten, wird noch zu ermitteln sein. ich glaube nicht, dass sie die einzigen rechten extremisten sind.
nun ist erstmal zu eruieren, warum sie jahrelang ungestört agieren konnten. offensichtlich kam ihnen zugute, dass in der vergangenheit der rechtsradikalismus allgemein verharmlost wurde. auch gibt es viele menschen in den unterschiedlichsten bevölkerungsgruppen, die mit solchen elementen sympathisieren.
das mörder-trio fühlte sich, denke ich, bestärkt in seinem menschenverachtenden tun. es sind eben keine monster - sondern irregeleitete junge menschen.
ein problem, das wir unabhängig von den neonazis sehen, ist die große gewaltbereitschaft gerade unter jungen männern. immer wieder hört man von regelrechten gewaltexzessen, die von jungen männern ausgingen.
wir müssen alle selbstkritisch darüber nachdenken, denn es ist auch das gesellschaftliche klima, welches die jungen menschen prägt und dann zu solchen greueltaten verleitet.
Lange-Weile - 18. Nov. 11, 15:24

Feindbild

Hallo Bo.,

meine Tochter erinnerte sich an die Mitgleider der RAF, die sich am Ende selber richteten, soweit sie nicht schon im Gefängnis waren und sich über Hungerstreik das Leben nahmen.

Das Trio - wenn man bedenkt, dass sie erst Anfang 20 waren - waren ja Menschen wie du und ich in dem Alter, die mit Hoffnungen und Erwartungen ins Leben gingen. Ihr gesunder Menschenverstand hätte ihnen doch sagen müssen, dass ihr eigenen Leben mit jeder mörderischen Tat sich analog dazu ebenfalls verwirkt und ihre Hoffnunge und Erwarten ans Leben damait ebenfalls sterben.

Wofür kämpften sie überhaupt? Was wollten sie denn überhaupt damit erreichen? Den Prozeß der Globalisierung aufhalten ? Oder schafften sie sich ein brauchbares Feindbild um über dieses Ventil der angestauten Aggression freien Lauf zu lassen?

Oder wollten sie schlicht und einfach einen viruellen EGOshooter ins reale Leben transportieren, was ja auch ohne echtes Feindbild nicht auskommt.

Sohnemann sagte mir, dass die Dönerbude damals verschwand, nach dem der junge Türke dort erschossen wurde. Sie lag etwas abseits, jedoch nahe genug an der Straße, die in wenigen Minuten zur Autobahn führt. Feinglinge waren sie auch noch.

Gruß LaWe
bonanzaMARGOT - 18. Nov. 11, 15:37

ideologie und gesunder menschenverstand beißen sich meist.
ich frage dich, warum hitler vor 60-80 jahren so viele anhänger hatte.
die hielten nicht alle aus angst zum nationalsozialismus.
bei stalin ist`s übrigens mehr oder weniger das gleiche gewesen.
gesunder menschenverstand?
wo willst du den finden, lawe?
im kapitalismus doch z.b. auch nicht.

ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie man dieses problem beherrschen könnte. das wichtigste ist, dass man das demokratische system und die freiheitliche verfassung sowie die menschenrechte weiter im bewusstsein jeder neuen menschengeneration festigt. es genügt nicht, dass die jungen leute da irgendwas in der schule drüber lernen ... und dazu geprüft werden. sie müssen kapieren, worum es geht.
ich glaube, dass dahingehend zu wenig in der erziehung und in der schule gemacht wird.
es wäre ja schön, wenn alle menschen es von selbst kapierten ...
Lange-Weile - 18. Nov. 11, 15:52

das Fremde in mir...

Hallo Bo.,

ich erinnere mich, dass ich vor einiger zeit in Buch über "Das Fremde in mir" las. Dabei machte der Verfasser eine Untersuchung über die Falschheit der Gefühl, von dem ein Kind umgeben ist.
Es gab zahlreiche Beispiele darin, dass die Kinder, die schon im Kleinkindalter intuitiv spüren, ob sie ehrlich geliebt werden, oder om man ihnen Gefühle vorspielt oder vorgaukelt.

Eine Mutter, die z.B. vorgibt, ihr Kind zu lieben, jedoch innerlich abwehrt, dasss spürt ein Kind schon im Babyalter.
Lehrer, die "nur" ihre Arbeit machen, jedoch den Kindern nicht wirklich zugewand sind.

Das Fremde in den Kindern entwickelt sich aus den falschen Gefühlen, die Erwachsene ihnen entgegen bringen und genau das Fremde bekämpfen sie später, wenn sie größer sind.

Dieser Lug- und Trug begleite die Kinder bis ins Erwachsenenalter und die Projektion des Fremden kann z.B. auf Ausländer gelenkt werden.

Aber das wäre nur ein Facette, die die Menschen negativ beeinflusst.

LG LaWe
bonanzaMARGOT - 18. Nov. 11, 16:16

demokratie=leben und leben lassen

möglich. mir sind leute wie die neonazis fremd - aber ich will sie nicht bekämpfen, außer ich müßte es, weil sie mich oder meine umgebung direkt bedrohen.
ich mag normalerweise den grundsatz: leben und leben lassen.
der hat eben aber dort seine grenzen, wo man seine mitmenschen nicht mehr so leben läßt, wie sie es aus religiösen, traditionellen, ideologischen oder persönlichen motiven wollen.
eigentlich sollte jeder erwachsene mensch früher oder später so viel vernunft besitzen, um diese relativ einfache prämisse zu akzeptieren. wie er aufgewachsen ist etc. sollte dabei keine allzu große rolle spielen.

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