Mitgefangen, mitgehangen


Das Leben ist ein Labyrinth. Oder eine Art Spinnennetz. Vielleicht beides. Die Kreuzspinne baute ihr Netz vor meinem Fenster bereits wieder ab. Es gab dort wohl nichts für sie zu holen. Wir Menschen tun uns schwerer mit dem Auf- und Abbauen unseres Zuhauses. Wir scheinen manchmal regelrecht an einem Ort festzukleben – auch wenn es dort nichts mehr zu holen gibt. Na ja, Spinnen haben es aber auch einfacher. Sie kennen weder Grenzen noch Bürokratie. Sowieso haben sie keinen Arbeitgeber.
Es ist leicht dahingesagt: Wechsel doch den Arbeitsplatz, wenn es dir stinkt. Ziehe um! Wer hindert dich daran?
Ich denke, dass ein Ortswechsel keine Probleme löst, sondern erst mal nur neue schafft. Ohne eine große Motivation oder triftige Gründe ist es ziemlich blödsinnig, die Zelte Hals über Kopf abzubrechen. Man sollte wenigstens einigermaßen wissen, was man will.
Ich frage mich oft, warum alles so umständlich ist. Ich bin neidisch auf die Freiheit der Spinne. Sie kriegt weder Post vom Finanzamt noch von der GEZ. Dabei gebe ich mir schon Mühe, nicht zu viele Abhängigkeiten einzugehen.

Mitgefangen mitgehangen: Alle paar Jahre dürfen wir zwar durch ein Kreuzchen mitbestimmen, wer zukünftig die Politik macht; aber unsere Steuern müssen wir immer zahlen.
Der Staat kommt mir manchmal wie eine überdimensionale Spinne vor, in deren Netz ich gefangen bin – und ausgesaugt werde. Ja, ich weiß: Das Allgemeinwohl muss finanziert werden. Und das Netz ist doch nur dazu da, um mich aufzufangen, wenn es mir mal schlecht gehen sollte. Da kriege ich fast einen Lachkrampf ...
Schön und gut.
Wenn es dir hier nicht gefällt, kannst du gehen. Wenn du glaubst, dass es woanders besser ist, dann gehe doch dort hin!
Und an diesem Punkt wird das Netz zu einem Labyrinth. Alles ist total verwirrend. Ohne Jura und Steuerrecht studiert zu haben, blickt man kaum durch. Die Spinne Staat kann ihre Bürger aussaugen, solange sie ihnen erfolgreich einredet, dass es ihnen noch verhältnismäßig gut geht, - und solange alles für den Ottonormalbürger schön kompliziert und unübersichtlich bleibt.
Zu dem labyrinthischen Spinnennetz gehören Banken, Versicherungen und Industriemagnaten. Sie werden immer fetter, und wenn sie doch mal drohen abzustürzen, retten wir sie mit unserem sauer verdienten Geld.

Wie frei sind wir? Wie frei wollen wir sein?

Am nächsten Sonntag haben wir in Deutschland Bundestagswahlen.

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Dieser Rechtsruck auf...
Dieser Rechtsruck auf der Welt macht mir Angst und...
NBerlin - 15. Jul, 16:58
der faschismus wird wieder...
der faschismus wird wieder salonfähig..., inzwischen...
bonanzaMARGOT - 15. Jul, 16:29
Naja nachdem was ich...
Naja nachdem was ich auf Mallorca erlebte, sind die...
NBerlin - 15. Jul, 16:17
diese erfahrungen machte...
diese erfahrungen machte ich auch zwischendurch. aber...
bonanzaMARGOT - 15. Jul, 15:46
Oh da hast du ja viele...
Oh da hast du ja viele schöne Erinnerungen an...
NBerlin - 15. Jul, 15:41
ich war noch nie in kroatien,...
ich war noch nie in kroatien, aber egal, dort wohnen...
bonanzaMARGOT - 15. Jul, 15:14

Archiv

September 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 2 
 8 
13
22
 
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3958 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 17:21