Von gestohlenen Tagen

Nach vier Nächten bin ich platt. Das Halskratzen ist wieder da. Ich wache mitten in einem herrlichen Sonnentag auf. Es ist Herbstanfang.
Wenn man doch die Schönheiten des Lebens immer aufnehmen könnte. Manchmal ist es, als wären in einem alle Türen verschlossen, und man bewohnt nur ein ganz kleines Zimmer. Die Welt ist ausgesperrt.
Ich will mich aufraffen, um vielleicht noch ein paar Lebensgeister aus diesem Tag zu schöpfen. Die Zeit verrinnt wie Sand in einer Sanduhr. Kann sie nicht ein paar Momente innehalten - damit ich in Ruhe Kaffee trinken und duschen kann und dennoch etwas von dem Tag habe? Ich habe nichts dagegen, wenn die Zeit während der Nachtwachen verfliegt, aber sie soll mir nicht die Tage stehlen.
Die Zeit ist ein flinker Dieb, während ich mich heute müde und langsam bewege. Ich schaue mich einmal um, und eine Stunde ist vorrüber. Am schlimmsten ist es an den Tagen nach den Nachtwachenblöcken. Sie vergehen beinahe ausdruckslos - wie ein flüchtiger Luftzug.
Nun muß ich aber in die Gänge kommen, sonst wird das wirklich nichts mehr mit einem Bier in der Sonne.
brigitte.m - 23. Sep. 07, 18:19

och

bon habe heute die vierte und durfte heute zwei stunden dran hängen, wei die kollegin verpennt hat - wollte schon immer sehen wie frühschicht ist. - nein ich war ziemlich platt, eben habe ich einen anruf bekommen, ob ich nicht eher kommen kann - kollegen krank.

also der tag wenn ich aus der nachtschicht gehe ist immer hin, ich fahre nach dem dienst nach hause, frühstücke dann und dann gehe ich um ca 11.30 uhr ins bett und schlafe durch bis zum anderen morgen

schöne freie tage
brigitte

bonanzaMARGOT - 24. Sep. 07, 11:08

Das mit dem Einspringen ist übel

In keinem anderen Beruf erlebte ich einen solchen Druck, pünktlich bzw. überhaupt zur Arbeit zu kommen.
Ich habe das Glück, dass wir uns in der Regel schon an das Arbeitszeitgesetz halten. Ausserdem bin ich schwer erreichbar.
Ich habe Kolleginnen, die sich von der Chefin eher bitten lassen als andere, wenn es ums Einspringen geht.
Man darf sich nicht ausnutzen lassen. Natürlich springe ich auch ab und zu ein, aber aus dem Frei lasse ich mich höchst ungern holen.

Herzlichen Gruß
Felix
schreiben wie atmen - 23. Sep. 07, 18:51

Wünsch dir viel Sonne...

Hoffentlich hast Du die Kurve noch gekriegt und warst ein bissl draußen.
Das Phänomen mit der eilenden Zeit ist anscheinend nachtdienstunabhängig. Mir zerrinnen auch die Tage zwischen den Fingern. Ich empfinde das so, seit ich etwa 40 Jahre alt bin. Zuvor waren meiner Erinnerung nach Tage einfach Tage, sie hatten ihre ganz normale Zeit. Seitdem wird alles wie auf einer schrägen Ebene immer schneller. Kürzlich hatte ich mir mal über diese schräge Ebene ausführlicher Gedanken gemacht - je nun, die Zeit die noch zum Leben bleibt wird weniger, die Kraft die man benötigt um all die Alltäglichkeiten zu bewältigen scheint immer mehr zu wereden, während die Kraft die man tatsächlich zur Verfügung hat nach und nach abnimmt. Ich bin noch dabei zu lernen, wie ich damit am besten umgehe.

bonanzaMARGOT - 24. Sep. 07, 11:28

Angela, ich kam noch auf meine Kosten

Ich radelte zur Gartenwirtschaft, setzte mich beim Bier in die Sonne und las in "Schöne neue Welt".
Hinterher ging ich noch in den "Deutschen Hof", um schließlich mit zwei halben Hähnchen in der Packtasche den Heimweg anzutreten.

Ich bin immer noch k.o..

Angela, du bist vierzig, also noch ein junger Hüpfer. Mit vierzig da riß ich noch Bäume aus!
Dass die Zeit im Alter schneller zu laufen scheint, liegt daran, dass die innere Uhr langsamer tickt - man packt nicht mehr so viel in einen Tag, das Blut fließt langsamer durch die Adern - in der Jugend flitzt man dagegen von einer Verabredung zur nächsten, die Tage reihen sich wie dicht gepackte Pakete auf einem Förderband aneinander.
Heute lasse ich es langsamer angehen, während die Welt draußen wütet und immer temporeicher wird; ich habe nicht mehr das Gefühl etwas zu verpassen, wenn ich mich nicht in dieses irre Karussell setze.
Aber natürlich wird ab der Lebensmitte jeder Tag weniger. Wenn man schon so viele Tage auf dem Buckel hat, zählt einer halt nicht mehr so viel.

Schön, diese Freiheit ... ich blicke gerade aus dem Fenster. Es ist wieder ein Sonnentag.

Felix
schreiben wie atmen - 24. Sep. 07, 17:15

Ach Felix...

schön wäre es, oder auch nicht.
Neinnein, ich schrieb "seit ich vierzig Jahre alt bin..", das ist nun schon eine Weile her. Locker mal zehn Jahre! Tja, die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit... .
Kann also jedes einzelne Wort von dir bestens (das ist Elativ!!) aus eigener Erfahrung nachvollziehen.
Ich spiele gerade mit dem Gedanken ein zweites Blog zu eröffnen das den reizvollen Titel "Alte Säcke unter sich - was Leute um die 50 zu sagen haben" tragen soll.
Ich geb Dir dann Bescheid, wenn es so weit ist und erhoffe Deine wohlwollende Beteiligung.
Jedenfalls bin ich froh, dass Du Deinen Sonnentag genossen hast.

Sei lieb gegrüßt von

Angela
schreiben wie atmen - 24. Sep. 07, 22:20

Voila

www.AlteSaeckeuntersich.twoday.net
bonanzaMARGOT - 25. Sep. 07, 10:48

Elativ

Was es alles gibt.

40 wäre auch etwas früh für die Menopause gewesen.

Würdest du dich als alten Sack bezeichnen, Angela?

Gleich mal nach den alten Säcken gucken gehen.
brigitte.m - 23. Sep. 07, 19:48

weißt du wer das mal

in einem vorwort ihres buches schrieb?

"schreiben ist wie atmen" gisela steineckert, eine berliner autorin

lg brigitte

schreiben wie atmen - 23. Sep. 07, 20:39

Nein, wußte ich nicht.

Danke Dir für den Hinweis. Es ist wirklich so für mich. Schreiben ist wie atmen, es hält mich am Leben, es ist notwendig und manchmal gar nicht so einfach - die Bronchitis und der Husten des Schreibens sind Zeiten in denen das Wort einen verschmäht, in denen jeder Satz sich x-mal bitten lässt.
Aber meistens ist mir das Schreiben ein Elixier, das mich mit den restlichen Misshelligkeiten zurechtkommen lässt.

Herzliche Grüße

Angela
schreiben wie atmen - 23. Sep. 07, 20:40

Werde mich mal nach diesem Buch umsehen...
brigitte.m - 23. Sep. 07, 21:52

oh sie hat viele geschrieben.

www.gisela-steineckert.de

lg brigitte

ich weiß nicht in welchem buch, müßte ich nachsehen.
bonanzaMARGOT - 24. Sep. 07, 14:08

Mes dames

Wenn schreiben wie atmen wäre, dann wäre ich längst erstickt.
Allegorisch geht es aber in Ordnung, da das Schreiben oft wie ein Luftholen aus der Geistwelt ist.

ein literarisches Tagebuch

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