Worte


Ich bin manchmal sprachlos. Ich habe das Gefühl, dass es nichts mehr zu sagen gibt. Aber ich weiß auch, dass man oft noch viel deutlicher sagen muss, was man denkt. Zumindest zu gewissen Dingen. Leider verbraten die Massenmedien alles – hin zu einer Beliebigkeit. Die Aussagen verblassen. Inhalte verwässern. Worte unterliegen denselben Konsumgesetzen wie andere Produkte. Worte verkommen zu Fastfood. Einige werden kurz hoch gepusht. Das Kurzzeitgedächtnis für Worte ist gering. Sie werden verwurstet, je nachdem was Mode ist, was Zeitgeist ist. Es wird geschluckt und bei passender Gelegenheit wieder ausgespuckt. Wir leben in einer Welt der „Vermassung“. Wahrscheinlich ist eine moderne Wohlstandsgesellschaft, in der Milliarden Menschen leben, nicht anders vorstellbar. Mit den wachsenden Möglichkeiten geht automatisch ein Wertverlust einher. Oder der Wert wird an einen für den Normalsterblichen unbezahlbaren Rand gedrängt, so dass sich nur noch eine finanzkräftige Oberschicht nachhaltige Qualität leisten kann.
Ich wollte aber über die Worte und deren Wertzerfall reden. Worte haben ihren Wert an sich, was sie von Produkten unterscheidet. Ein gutes Wort sollte ein gutes Wort bleiben, egal wer es sagt. Worte gehören niemandem. Das sogenannte geistige Eigentum kann es zumindest in Bezug auf Worte nicht geben. Das ist genauso Quatsch, wie wenn man den Himmel oder die Weltmeere teilen wollte. Ich weiß, die Menschen machen genau das. Sie teilen irgendwie alles auf ... am Liebsten alle Atome, die es gibt, und noch die Lichtquanten dazu. Aber nicht alles ist zum Produkt zu machen; und solange dies der Mensch nicht begreift, ist die Welt unter seiner Herrschaft verloren.

Gute Speisen sind für den Geschmackssinn und den Magen – und gute Worte sind ein Labsal für den Geist. Beides, Essen und Worte, sind ein Geschenk des Lebens. Na, und die Liebe können wir auch dazu zählen. Und die Luft zum Atmen. Und die Erde, auf der wir unserer Wege gehen. Das alles sind Güter, die niemandem und zugleich uns allen gehören.

Lange-Weile - 20. Mai. 13, 16:54

verheizte Lust

Hallo Bo.,

ich glaube im Kapitalimus gibt es nichst, was man nicht zu verheizen sucht. Selbst Worte gehören dazu, wie z.B. Lust..fast jedes 3.Produkt versucht die Werbung damit in Verbindung zu bringen...vielleicht hast ja sogar Lust auf eine andere Krankenkasse. ;-)

Fast jeder wird Lust mit Erotik assoziieren und damit soll auch noch ein Gefühl erzeugt werden.

Ich finde es schon spannend, dass der Individualist sich letztendlich im Maimstream wieder findet.

So sind auch Worte in Mode gekommen, wie "Dicker" (oder Digger) . Na Dicker? heißt es dann. was immer das bedeuten mag,,mit Dick und Dünn hat das nichts zu tun.

Wir geben uns hier im Blog Müde, ein paar schöne Sätze zu formulieren und auch so etwas wie eine Stimmung in dem Beitrag unter zu bringen, doch der Trend ist das nicht mehr. Im Zeitalter von Twitter und SMS werden die Sätze immer kürzer und ebenso die Aufmerksamkeit lässt sich bei vielen nur nach auf die Länge eines Youtube-Clips halten..dasnn lässt sie auch schon nach.

Hier bei uns in Rostock ist auch Shitwetter...es wird nicht mehr hell und der Regen kommt intervall-mäßig vom Himmel. Den Bauern freut es, denn "Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheu´n und Fass" ;-)

LG LaWe


bonanzaMARGOT - 21. Mai. 13, 10:52

hallo lawe

solange du mich nicht "dicker" nennst ...
manchmal denke ich, dass die menschen schreibfauler gegenüber früher wurden. aber ich kann mich auch täuschen. es gibt schon noch einige, denen man den spaß am schreiben, den spaß an der sprache anmerkt, also ihren texten anmerkt. was anderes ist das inhaltliche: da scheint zu gelten: entweder elitär oder nichtssagend oder gekünstelt bzw. auf originalität getrimmt. auch gibt sich kaum jemand (außer dir) mühe um eine inhaltliche auseinandersetzung.
man schreibt "gefällt mir" oder "ist blöd" - und das war`s auch schon. wenn ich dann nachhake, kommt nur selten erhellendes hinzu.

mich störte schon zu schulzeiten, dass literatur so wenig attraktiv dargestellt bzw. unterrichtet wird - das lag zum einen am lesestoff, an den pflichtlektüren, und zum anderen an den deutschlehrern, die (jedenfalls bei mir) keine lesebegeisterung wecken konnten. ich entdeckte das weite feld der literatur erst nach dem abi für mich, als ich lesen durfte, was ich wollte, und als dahinter kein muss stand.
gute literatur halte ich für zeitlos.
auch ich versuchte aus neugierde zu twittern, aber ich kapiere den geist nicht, der dahinter steckt; - anders ausgedrückt: es ist nicht mein ding, da wächst nicht wirklich was rüber ... (lach!) ich twittere also nicht einfach aufgrund einer anti-haltung nicht.
schreiben ist für mich neben dem spaß an den worten bzw. der sprache immer auch eine inhaltlich-geistige geschichte, eine gedankliche auseinandersetzung mit einem thema, einem erlebnis oder einer stimmung.
darum nenne ich dieses blog "literarisches tagebuch". mir wäre es zu wenig nur kochrezepte wiederzugeben oder aufzuzählen, was ich alles so mache.

na ja, jedem tierchen sein plaisierchen - wie ich oft sage.

also bei euch ist inzwischen auch shit-wetter ...
wenn es nur nicht ganz so wüst auf meiner radreise wird.

dir einen schönen wochenanfang!
Lange-Weile - 21. Mai. 13, 15:20

Zeitgeist

Hallo Bo.,

dem Zeitgeist gemäß würde ein "Like" schon reichen. Denn damit fühlte ich mich schon wahr genommen. "Like´s" sind ja schon zur Handelsware geworden - hihihihi...kaum zu glauben. Aber Promis kaufen sich diese "im Stillen applaudieren" Bekundungen.

Der Twitter macht mir auch Schwierigkeiten, weil man sich ja nur mal virtuell zu Wort meldet. Da bin ich auch nicht wirklich interessant. Anders bei großen Persönlichkeiten. Aber trotzdem habe ich wie du den Geist darin nicht wirklich erkannt.

Wir werden überflutet von Informationen, d.h. der Geist bekommt vorgekaute Nahrung in hohe Dichte, was die Vielfalt betrifft, eingetrichtert. Das ist ähnlich, wie in der Schule. Die Kinder bekommen immer mehr Wissen - mit Hilfe aller zeitgemäßen Medien - eingetrichtert und am Ende kommt da nicht wirklich viel raus. Beim Genius vielleicht, aber der Durchschnitt bleibt auf der unverdauten Wissensnahrung sitzen und kann nach 10 Jahren Schule den einfachen Dreisatz nicht mehr ;-)

Es zeigt sich immer wieder, das mehr Eintrichtern am Ende auch nicht mehr bringt.

Ich gehöre auch in der Familie zu denen, die sich schon immer gern austauschte und wenn es eine Gesprächsrunde gab, blieb ich an ihren Lippen und in der Runde kleben, bis der letzte ging. Das liegt wahrscheinlich auch in meiner Natur als Zwilling.

Wir hatten in unserer Familie einen Fernfahrer. Der war überall ein gern gesehener Gast, denn seine Erzählungen waren immer spannend und hatten einen hohen Unterhaltungsgrad für alle. Er besaß auch die hohe Kunst, unterhaltsam zu erzählen. Ein Buch hätte nicht besser sein können ;-)

Ich hoffe, dass sich das Blatt mal wieder wendet und die Menschen sich wieder mehr mit Themen auseinander setzen. Jedoch wird das ein lange Weg sein, solange, bis sie der Ablenkung durch die Medien widerstehen können.

LG LaWe

bonanzaMARGOT - 21. Mai. 13, 15:38

ich war nie konform. nicht mal in der grundschule, obwohl ich da noch bessere noten hatte.
ich war wahrscheinlich naiv. und bin es heute in gewisser weise immer noch. aber es ist eben meine sicht auf die welt.
ich stelle mir eine welt vor, die nicht nur "blablabla" macht, sondern aus ihren erkenntnissen lernt. und mit lernen meine ich da nicht das eingetrichterte wissen sondern das erkennen, welches eine konsequenz im handeln nach sich ziehen sollte.
ich will nicht behaupten, dass ich immer die richtigen konsequenzen für mein leben zog und ziehe. aber jedenfalls leugne ich nicht augenscheinliche wahrheiten. es ist schwer und schmerzhaft, sein leben und seine gewohnheiten zu ändern. ich scheiterte erst vor wenigen monaten mit einer liebe ... mal wieder.

ich will damit sagen, dass ich es mir nicht leicht mache.
es ist meine art, mit dem leben umzugehen.
und andere menschen praktizieren andere attitüden.

ich wünsche mir im idealfall menschen, die mich wenigstens teilweise verstehen ...

ein literarisches Tagebuch

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