Alles scheiße


Wenn ich Gaddhafis Sohn im Fernsehen sehe, die Hand hochgestreckt zum Victory-Zeichen, geht mir das Messer in der Tasche auf. Aber gut. Nicht meine Baustelle.
Es wäre zu schön, um wahr zu sein: Nach einem halben Jahr Krieg der gesamte Gaddhafi Clan in Haft und Libyen vom Moloch der Diktatur befreit.
Bei den mangelhaften Informationen, die uns erreichen, ist es verfrüht, irgendeine professionelle Einschätzung abzugeben. Im TV allerdings sind sie alle gut dabei - mit Blablabla.

Hier kam inzwischen wieder stückweise der Sommer an. Die einen stöhnen unter der Hitze, die anderen freuen sich. Ich bin dafür, dass uns der Sommer noch ein paar Tage erhalten bleibt. Wenn ich aus dem Nachtdienst komme, sauge ich die Sonnenstrahlen beinahe gierig in mich auf. Zu lange war es kalt und häßlich.

Eine Woche frei! Yeah! Auch der Freude muß mal Ausdruck verliehen werden - selbst wenn privat nicht alles rund läuft.

Gestern trat ich auf dem Stück Wiese vor meiner Wohnung in einen Scheißhaufen. Bedeutet das Glück oder Pech?
Eine ekelhafte Prozedur, die Profilsohlen der Schuhe wieder richtig sauber zu kriegen. Ich sah die Scheiße im hohen Gras nicht.
Es ist meistens so, dass man die Scheiße nicht kommen sieht. Egal, was es ist. Es gibt zu viele Baustellen. Man muß ständig mit allem rechnen. Und die Kunst ist, dabei nicht depressiv zu werden.
Tritt man in einen Scheißhaufen, ist eben nicht gleich alles scheiße.

Lange-Weile - 23. Aug. 11, 13:20

Die Zeit wird es zeigen

Hallo Bo.,

wie der Zufall es will, ich sah gestern früh auch Scheiße und sogar mehr als einen Haufen. In einer satt grünen Wiese mit hohem Gras lag haufenweise Hundekot auf dem Gelände verteilt. Bei meinem Bummel auf der grünen Wiese musste ich all diesen Scheißhaufen ausweichen, damit ich nicht so wie du, lange das Profil meiner Schuh reinigen musste. Zum Glück war das alles nur ein Traum. Aber trotzdem wollte ich wissen, was das für mich bedeutet. Und siehe da - nach der Traumdeutung sieht mein Leben in Zukunft ganz gut aus.

Vielleicht trifft das ja auch für deinen "Fehltritt" zu ;-).

Ja...die Nachrichten überschlagen sich über den Sturz von Gaddhafi...obwohl es sich machmal so anhört, als wäre er nur in die Enge getrieben.

Zufällig sah ich ein Interview vom März 2011 mit ihm. Das, was er zum besten gab, übersteigt an Engstirnigkeit, was ich bisher sah. Aber sein Blick war ja nur auf die Macht gerichtet und die sah er durch den verräterischen Westen gefährdet. Ansonsten gab es in seinen Augen keine Unruhen in eigenen Land. Zum Glück sind seiner Tage nun gezählt und ein weiterer Diktator wird die Segel streichen müssen.

Ein bisschen erinnern mich die Prozesse an den Zusammenbruch des sozialistischen Lagers vor 20 Jahren, wo es besonders grausam in Rumänien zuging.

Gruß LaWe und
sonnige freie Tage wünsche ich dir ;-)


bonanzaMARGOT - 23. Aug. 11, 13:27

mal schaun. ich hoffe, dass es nicht so grausam wird wie damals in rumänien.
das wären schlechte voraussetzungen für die einführung von demokratie, rechtstaatlichkeit und menschenrechte, was sie in libyen vorhaben.

ich trat real in die scheiße, lawe, und du träumtest davon. wahrscheinlich sind das zwei paar stiefel.

danke. immerhin sehe ich in den freien tagen keine altenheim-scheiße ...
Lange-Weile - 23. Aug. 11, 13:42

Rückblick

Hallo Bo.,

sie wollen Gaddhafi wohl lebend fangen, damit sie ihn richten können. Ein Tribunal der Menschlichkeit wäre sicher für das Volk und die junge Demokratie gut.

Erich Honecker wurde ja außer Landes geschafft, weil sie in Deutschland keine Lynchjustitz wollten und Ceaușescu wurde vom Militär hingerichtet, damit das Blutvergießen im eigenen Land aufhört.

Wenn ich so zurück schaue, kann ich sagen, dass wir DDRler damals am besten wegkamen. Eine Revolution nach Feierabend, bei der keine Toten zu beklagen haben. Das war sicher auch dem Ventil nach den Westen zu verdanken.

Trotzdem hatte ich damals zeitweise Angst um mein Leben, denn als rote Socke hätte ich auch Ziel eines Übergriffes sein können. Wenn man die Großen nicht kriegt, dann schnappt man sich eben die Kleinen.

Eine Szene liegt mir als Schrecken immer noch im Kopf. Auf einer Rednerbühne wurde ein Sarg gehoben und symbolisch die Partei begraben. Das war richtig schaurig für mich und ich war erstaut, wozu der Volkszorn in er Lage war.

Damals war das für mich ein böser Traum

Gruß LaWe

bonanzaMARGOT - 23. Aug. 11, 13:59

glaube ich dir. ich halte bei revolutionen den haß und die damit einhergehenden greueltaten an den anders denkenden (oder klassenfeinden) immer für falsch. es erinnert mich an lynch-justiz. rache und hass sollten anders abgearbeitet werden, wenn man nach einer besseren, menschlicheren gesellschaft strebt.
meist verdrängen die menschen bei solch scheußlichen gewaltakten lediglich ihre mitschuld, oder sie geilen sich an dem machtgefühl auf - was sie dann nicht besser als jene macht, die sie eigentlich im besten sinne ablösen wollen.

du hast den bösen traum gut überlebt - wie andere rote socken auch. von denen sind nicht alle so ehrlich und einsichtig wie du.
pondarosa (Gast) - 23. Aug. 11, 14:28

Das gute an deiner story ist daß du mich voll zum schmunzeln gebracht hast....es gibt eine, die dich liebt:
ICH!!!

bonanzaMARGOT - 23. Aug. 11, 14:31

ach! und wie komme ich zu dieser ehre??
ich kann mir nicht vorstellen, jemanden zu lieben, den ich nicht kenne.
wie kriegst du das hin?
Rudi (Gast) - 23. Aug. 11, 14:33

Ich find dich auch ziemlich lecker und geistreich
bonanzaMARGOT - 23. Aug. 11, 14:37

schön, rudi.
ich habe nichts gegen leicht ironische vorstöße (von unbekannt).
etwas mehr inhalt wäre mir allerdings lieber.
pondarosa (Gast) - 23. Aug. 11, 14:42

Das ist bei dir ganz schnell gegangen....wiel du eben so bist wie du bist!!!

bonanzaMARGOT - 23. Aug. 11, 14:43

woher willst du wissen, wie ich bin?
bloß wegen der schreibe? das ist `ne illusion.
pondarosa (Gast) - 23. Aug. 11, 14:47

Was du meinst sind träume, keine schäume!!!

bonanzaMARGOT - 23. Aug. 11, 14:57

Nie im Leben



Ihr seid, wie viele sind
ich bin, wie viele sind
doch ich erkenne es
das Schreiben macht mich sehend
unbedeutende Worte verzögern das Handeln
Alle Worte sind unbedeutend
wie die Menschen, die sie schreiben
- für die die Worte bedeutend sind
Rätselraten bleibt um den verschlüsselten Text
In der Zeit des Komplizierten
fehlt die Einfachheit
doch steckt im Kompliziertesten
nicht das Einfachste, nach dem wir verzweifelt suchen?
Und die Wege, die uns hinführen
enden nie ... nie-nie-nie-nie-nie-nie ...




(1981)
pondarosa (Gast) - 23. Aug. 11, 15:11

ALF: "Schon gut, ich werde in Ruhe abwarten, denn das einzige, was wir zu fürchten haben ist die Furcht an sich... Wer das gesagt hat, muss 'ne Menge Leibwächter gehabt haben."

bonanzaMARGOT - 23. Aug. 11, 15:15

alf war `ne nette plüsch-puppe mit frechen sprüchen.

sich vor der angst zu ängstigen bedeutet depression.
darin kenne ich mich halbwegs aus.

vielleicht habe ich ein paar schutzengel - an die ich nicht glaube, und die mir meinen unglauben nicht übel nehmen.

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