Vortasten im Nebel des Selbst


Ich behaupte: die meisten Menschen gehen gedanklich nicht an ihre Grenzen. Lieber erklimmen sie Berge, stürzen sich mit dem Fallschirm in Schluchten oder lassen sich ins All katapultieren.
Ich las Autoren, die gedanklich an ihre Grenzen gingen. Nicht alle hielten es aus. Einige schossen sich in den Kopf – was als das Naheliegende erscheint.
Klar, wir Menschen sind unterschiedlich, und darum testet jeder andere Grenzen aus.
Mich interessiert schon immer die Eroberung des Geistes, weil ich glaube, dass ich nur darüber zu neuer Erkenntnis über mein Dasein in der Welt gelangen kann. Was bringt es mir, wenn ich auf dem Mount Everest stehe, und gar nicht kapiere, wo ich bin, und was mit mir geschieht? Was bringen mir körperliche Höchstleistungen, wenn dabei geistig nichts raus springt? Einfach des Spaßes wegen das Leben riskieren? Das ist nur töricht.
Ja, ich behaupte, dass viele Menschen gedanklich weitgehendst an der Oberfläche kleben. Die genauen Gründe dafür kenne ich nicht. Denn für mich war es ein Ur-Bedürfnis, immer tiefer zu schürfen bis zu meinen Grenzen, bis zur Verrücktheit. Und mit der Zeit verhält man sich bei solch inneren Exkursen immer gekonnter. Man schätzt Risiken ab und rüstet sich demgemäß aus. Das heißt, man geht am besten auf den eigenen Pfaden und lässt sich nicht von Scharlatanen und Dummschwätzern (religiöser oder ideologischer Ausrichtung) belabern. Natürlich bleibt immer ein Restrisiko. Die inneren Exkurse hin zu den Grenzen des bewusst Erfahrbaren sind darum besonders gefährlich, weil man sich im Nebel voran tasten muss. Es gibt genau genommen nur an der Oberfläche nebelfreie Zonen.
Vielleicht befassen sich deswegen viele Menschen nicht gern mit ihren eigenen geistigen Abgründen. Sie haben Angst vor den Monstern, die unter Umständen in ihnen wohnen. Oder sie haben Angst davor, nicht mehr zurückzufinden in ihr normales Leben. Allerdings, die Gefahr besteht, wenn man einfach so los tigert – ebenso wie man besser nicht ungeübt und unvorbereitet auf eine Bergtour geht.
Ich verstehe das schon: wir Menschen wollen lieber die Aussicht von einer Bergspitze genießen, als in den undurchdringlichen Nebel unseres Selbst hinabzusteigen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht die Aussicht auf einem Berg toll finde. Das letzte Mal in Kärnten. Es war wirklich fulminant!
Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Mir ist es auf Dauer zu wenig. Ich glaube, dass wir nichts in unserem Leben begreifen können, wenn wir nicht etwas mehr in uns gehen. Jegliche Kreativität hat ihre Wurzeln in uns. Kann sein, dass ich etwas zu weit gehe. Doch ich kann nicht anders. Ich bin getrieben von der Sehnsucht nach Freiheit. Und die finde ich letztendlich nur im Nebel meines Selbst. So paradox es klingt.
Man kann freilich auch auf Bergspitzen im Nebel stehen; und man kann auf Berge steigen und dabei auf der Suche nach den inneren Grenzen sein. Wie Reinhold Messner z.B.. Sicher gibt es noch viele andere, weniger populäre Globetrotter und Abenteurer. Denen zolle ich großen Respekt. Ihre Unruhe ist, glaube ich, der meinigen ähnlich.
Ich liebe es, mit dem Fahrrad alleine quer durch Deutschland zu fahren. Auch ich brauche diese äußeren Reize und die Herausforderung. Auch ich brauche ab und zu die körperliche Anstrengung. Wobei es oft eine psychische Überwindung darstellt, - nämlich bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben …
Hintergrund bildet dabei aber stets der Nebel meiner Identität, den ich erforschen will.
Ich kann es schwer in Worte fassen. Manche Gefühle sind derart außergewöhnlich, dass man sie schwer mit jemandem teilen kann.

Das Verpacken meiner geistigen Exkurse in Sprache bedeutet für mich etwas Halt. Auch wenn es nur unvollständig funktioniert. Darum schreibe ich.

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