Ein guter Tag zum Sterben


Ich kann mich gar nicht am Phänomen Schnee sattsehen. Obwohl nur wenige Zentimeter in der Nacht fielen. Es taut momentan schneller, als es schneit. Ein paar Milliarden Flocken werden in dem diesigen Himmel aber noch stecken. Nur das immergrüne Efeu, das um den Stamm des großen Baums vorm Haus wuchert, sticht farblich hervor. Der Augenschmaus ist an diesem Wetter allerdings das einzig Betörende.

"Stirb langsam 5 - Ein guter Tag zum Sterben" lief gestern in den Kinos an. Ich war überrascht, wie viele junge Frauen im Kino waren. Der Altersdurchschnitt dürfte bei Fünfundzwanzig gelegen haben. Selbst mit mir. Ich war in der Vorabendvorstellung. Ich aß salziges Popcorn. Mann, sah mein Platz hinterher aus! Im Dunkeln Popcorn essen, ohne zu schweinigeln, ist aber auch schwierig.
Die Handlung lässt sich schnell zusammenfassen: John McClane, der alternde, berühmt-berüchtigte Polizeidetektiv zusammen mit seinem Sohn, der für die CIA arbeitet, gegen einen russischen Terroristen mit seiner durchgeknallten Tochter. Action, die Leidensfähigkeit des Vater-Sohn-Gespanns, das sich erst zusammenraufen muss, und ein paar coole Sprüche machen den Film aus. Er spielt in Moskau und Tschernobyl. Mich hätte es nicht gewundert, wenn James Bond plötzlich aufgetaucht wäre. Oder sagen wir mal so: ich hätte es gar nicht gemerkt.
Ich staunte nicht schlecht, wie schnell die 98 Minuten vorbei waren. Vielleicht war was im Popcorn. Viel nahm ich nicht mit aus diesem Actionstreifen. War eh klar. Außer Bruce Willis` Grins-Gesicht, das immer noch einmalig ist. Und: Die Welt war mal wieder gerettet - was John McClane aber, meiner Meinung nach, schon besser machte.

Das Altenheim rief gerade an. Ich weiß dann schon, worum es geht. Ich soll einspringen. Ein Kollege fällt für längere Zeit aus. Es wäre unkollegial, Nein zu sagen.
Das weiße Winterkleid, das über allem liegt, löst sich langsam wieder auf.
Schöne Aussichten. Der Februar quält sich in die zweite Hälfte. Die Erkältung habe ich immer noch nicht ganz auskuriert. Heute wäre ein guter Tag zum Sterben, denke ich, dann würde ich mir das Einspringen und eine Menge anderen Mist ersparen.

Lange-Weile - 15. Feb. 13, 16:09

Indianerblut

Hallo Bo.,

obwohl es schon der 5. Film ist, ich habe noch nicht mal den ersten gesehen. So wirklich mag ich die "Ich allein rette die Welt"- Filme nicht und deshalb bemühte ich mich deshalb nie ins Kino...doch einmal tat ich es "Amarghetton" da hat Bruce Willis die Welt auch gerettet, sozusagen mit einem "Opferwurf" mit einer amerikanischen Flagge in der Hand....... oh nöööööööö...so ein Kitsch am Ende. Obwohl es harter Action ist, haben diese Art Filme etwas von Romunde Pilcher..immer die selten Geschichten, nur in einem neuen Gewand..hast du ein Film gesehen, hast du alle Filme gesehen ;-) ;-).

"Ein guter Tag zu sterben" ob die Indianer ihren Todestag wirklch so gespürt haben und sich darauf hin zum sterben zurück zogen? Wenn ja..dann alle Achtung. Das wäre etwas, was ich auch gern erlernen würde..vielleicht kann ich mir ein Leid ersparen..d.h. eine Ehrenrunde im Alters- und Pflegeheim zu drehen. Das hört sich jetzt etwas sarkastisch an..aber ich denke, wenn einige Insassen die Wahl hätten, würde manche sich auch für den Weg des Indianders entscheiden.

LG LaWe


bonanzaMARGOT - 15. Feb. 13, 16:20

solche filme sind wahrscheinlich eine testosteron-angelegenheit. drum wunderte ich mich auch über die vielen jungen frauen im kinosaal.
ob sie alle wegen bruce willis dort saßen?
ich meine, der könnte ihr vater sein.

du hast recht: inhaltlich war der film nur dämliche unterhaltung.
das wusste ich, bevor ich reinging.
aber ich mag es manchmal, wenn die guten so eindeutig über die bösen siegen. und am ende ist alles gut. und die helden liegen sich blutverschmiert in den armen ... seufz.
Lange-Weile - 15. Feb. 13, 16:50

Schleier weg

Hallo Bo.,

ok..der Fim soll Menschen emotional in Situationen bringen, in die sie sicher nie kommen werden und müssen. In Freidenszeiten gucken die Menschen Action-Filme...in Kriesgszeiten waren die Kitschfilme hoch in Kurs. Alles zu seiner Zeit und in dieser Hinsicht ist es ok mit dem Hollywood-Action-Kitsch.

Achja..ich sah vor kurzem eine Bericht über die deutschen TV-Krimis..anfangs liefen die Kriminalen umher und befragten die Leute und kombinierten klag und dann kam Schimanski..der sich nicht vor einer Prügelei mit den Bösewichten scheute...er war der "Ich trete die Tür ein" Typ. Damals fand ich es genial, weil viel Action und Schimanski hatte etwas von einem Prügel-Rüpel. "Das war purer Männerkitsch" sagte einer von den Kommentatoren und rieß damit den "Action-Schleier" gnadenlos von Schimanskis Leib ;-) Ähnlicher Männerkitsch sind die Action-Filme von heute ;-)

LaWe

bonanzaMARGOT - 15. Feb. 13, 17:21

Wo du recht hast, hast du recht. Und ich gucke mir den Scheiß auch noch an.
Aber auch Anspruchsvolleres: z. B. "Spongebob Schwammkopf".
bonanzaMARGOT - 16. Feb. 13, 12:23

ein guter tag zum sterben

wie das die indianer machten, weiß ich nicht.
auch im altenheim kann man in seltenen fällen beobachten, dass die alten einen bestimmten tag noch abwarten und dann sterben. kann natürlich auch zufall sein.

meine erfahrung über ein viertel jahrhundert mit dem tod und sterben sagt mir, dass das sterben sehr mannigfaltig ist.
hauptsächlich kommt es auf die schwere der erkrankungen und den überlebenswillen an. und natürlich auch auf die pflege ... und medizinische versorgung.

ich hoffe, dass ich spüren werde, wenn meine zeit gekommen ist. oder es soll durch einen unfall ganz schnell passieren.
die vorstellung, nach z.b. einem schweren schlaganfall halbseitengelähmt und ohne sprachvermögen aufzuwachen, ist schrecklich. aber es passiert.
auch die vorstellung, künstlich ernährt zu werden, finde ich schlimm.

ich kann menschen wie gunter sachs verstehen, die sich vorher das leben nahmen. wenn man weiß, wie sich eine demenz entwickelt, ist das eine nachvollziehbare konsequenz, falls man den mut dazu aufbringt.

das problem des sterbens von heutigen menschen ist die kultur, die mehr das menschenunwürdige überleben unterstützt als ein menschenwürdiges sterben.

tiere haben dieses problem nicht. und indianer lösten es in ihrer kultur anders ... wie auch immer.

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