Frevel


Es gibt Tage, an denen mir nichts einfallen will. Alles wurde gesagt. Die Erde dreht sich um ihre Achse. Tag für Tag. Menschen werden geboren, Menschen sterben. Die Nachrichtensprecher reden in Endlosschleifen. Die Welt ist ein Wartesaal. Ich warte auf den Frühling, auf Wärme, auf bessere Zeiten. Die Bewohner des Altenheims warten auf das Essen, auf das Ende der Nacht, auf ihren nächsten Stuhlgang … Wir warten auf den Feierabend. Vielleicht warten wir auf Sex oder auf einen TV-Film am Abend. Oder wir warten auf den Pizza-Service. Derweil geht alles seinen Gang. Es wird geredet und geschwiegen, umarmt und weggestoßen. Menschen warten auf Nachrichten. Menschen warten vergeblich. Die Worte und Gesten wiederholen sich. Doch die Sehnsucht bleibt. Die Sehnsucht lässt mich immer weitermachen.
Der Verstand kotzt auf Worte wie Sehnsucht. Und Liebe. Der Verstand spielt in einer anderen Liga. Dieser Ballast Leben macht ihn mürbe. Die Leidenschaft versiegt. Wozu das alles?
Ich durchsuche meine Erinnerungen nach glücklichen Tagen. Es gab sie. Nur scheinen sie unendlich weit weg. Wie unwirklich. Aber es muss sie gegeben haben.





Treppe zum Altenheim

lost.in.thought - 05. Jan. 13, 17:11

Ja. Es gab sie.

bonanzaMARGOT - 05. Jan. 13, 17:26

wundersam.
Lange-Weile - 05. Jan. 13, 19:02

der Trott in der Betrachtung oder umgekehrt

Hallo Bo.,

du beschreibst den Trott, in dem wir Menschen leben, ein Trott. der sich im Kreise dreht und jedesmal, wenn der Mensch an den selben Punkt angekommen ist, ist wieder ein Stückchen älter geworden. Darim liegt wohl der auch der Unteschied in der Spirale..in der wir uns, solange wir leben, winden.

Mit dem älter werden, ändert sich die Betrachtung auf das schon einmal gesehene.

"Du msst mehr in die Tiefe gehen" sagte man mir. Und ich sage es mir auch, wenn alles zu einem großen Batzen zusammenschmelzen will....die Gesichter, die Menschen, die Gefühle, die Probleme, die Freuden, ja, auch die Liebe, die Jahre, die Jahreszieten ..es scheint, als hätte es alles schon mal gegeben und ich durchlaufe die Zonen wieder und wieder. Nur ich entscheide, ob die Wiederholungen öberflächlich bleiben oder tiefgründiger erlebt werden.

Achja..ist ja wieder paradox..obwohl es im Alter mit dem Mesnschen abwärts geht, steigt mit bei euch zum Alternsheim auf ;-)

LG LaWe

bonanzaMARGOT - 06. Jan. 13, 16:09

vor lauter tiefgründigkeit ist mir schon ganz schwindelig, lawe.
ich glaube eher, dass ich die dinge oft zu tiefgründig wahrnehme.

vieles in der natur existiert in spiralen. ich mag das bild der spirale. es übt auf mich eine spirituelle kraft und faszination aus.
der alltagstrott ist keine spirale - er ist ein sumpf. möglich, dass ich selbst daran schuld bin, wenn ich`s so empfinde. meine kraft reicht nicht aus, um mich dem sog besser zu entziehen. vielleicht sollte ich manches einfach humoriger sehen.
vielleicht sollte ich nicht so viel grübeln.
Lange-Weile - 06. Jan. 13, 23:27

worauf ist der Blick gerichtet?

Hallo Bo.,

Tiefgründigkeit ist es nicht allein, einer Sache auf den Grund zu gehen...sondern das Ergebnis sollte auch sein, ihren Sinn zu erkennen. Auch den Sinn des eigenen Handels.Nicht immer ist es so, wie es scheint...die Motive des eigenen Handels liegen für einen selber im dunkeln, weil sie einem viel zu banal oder trivial erscheinen.

Ich komme ja immer wieder darauf zurück...in die Tiefe gehen, heißt dmn (wahren) Wesen auf den Grund zu gehen. D.h. zu erkennen, was z.B: zwischen hell und dunkel liegt...was zwischen dem Tag und der Nacht liegt und was in eigenen Wesen verborgen liegt.

Wir Menschen werten gern..die Welt ist gut oder sie ist schlecht...aber die Wahrheit ist - sie ist, wie sie ist, weil sie alles in sich trägt..das Gute und das Böse, was von Menschen gemacht ist. Was die Hinwendung zum Guten betrifft, da stehen die Menschen, so wie sie sich heute zeigen. eher noch auf der bösen Seite. Auch wir glauben die Guten zu sein, unterstützen das Böse. Da gibt es viele Beispiele...wenn ich mir nur mein Verbraucherverhalten ansehe..egal, ob es dabei um Lebensmittel geht, oder um Textilien ...die Kette ist lang..sehr lang..in der wir uns als Verbraucher einreihen...die die Ausbeutung des Menschen - Tier - Natur - durch den Menschen unterstützen.

"Man sollte so leben, das man Ende seines Lebens die Welt ein wenig besser gemacht hat" Große Worte..aber schwer umzusetzen, wie sie nach Taten verlangen.

LG LaWe

bonanzaMARGOT - 07. Jan. 13, 07:10

die menschen werden in ein lebensmodell kulturell und religiös hineingeboren, und einige wenige suchen oder basteln sich ihr eigenes modell.
der lebenssinn kann sich je nach modell anders formulieren.
ich persönlich sehe keinen sinn - weder in religion, beruf oder familie. ich kann lediglich feststellen, was ich will, und was nicht.
aber auch das festzustellen, ist nicht immer einfach.
in der hauptsache werde ich von einem inneren überlebenstrieb am leben gehalten. dieser trieb dürfte normalerweise jedem lebewesen eigen sein.
hinzu kommt die sehnsucht nach freiheit und nach liebe. ich mag kreative und (relativ) freie geister. ich mag rebellische geister.
du hast recht: die welt ist weder gut noch schlecht. sie ist, wie sie ist. man muss nicht alles auf der welt mögen.
ich werte situativ. allgemeine wertungen versuche ich zu vermeiden. für mich ist fakt, dass der mensch die umwelt, in der er lebt, zerstört, und das finde ich schlecht. ausserdem finde ich ungerechtigkeiten schlecht sowie vorsätzliche verletzungen, beleidigungen und demütigungen.
zu dem fazit am ende meines lebens zu gelangen, die welt ein wenig besser gemacht zu haben, ist mir zu hoch gesteckt. ich bin froh, wenn ich sie durch mein dasein nicht wesentlich schlechter machte.
Freni (Gast) - 06. Jan. 13, 09:58

Sehnsucht ist eines der großartigsten und schönsten Gefühle. Sie hält die Leidenschaft am Leben.

Thea Dorn beschreibt die Sehnsucht auch sehr treffend, finde ich.

“Nie würde es die Sehnsucht ertragen, mit ansehen zu müssen, wie das Ersehnte, so innigst Ausgemalte in den Waschgängen des Alltags ausbleicht, fadenscheinig wird, zerfällt. Deshalb ist der Sehnsüchtige immer auf dem Sprung. Oder er setzt an zum letzten Finale. ............"

bonanzaMARGOT - 06. Jan. 13, 16:24

hallo freni.
ohne die sehnsucht wäre ich nur eine denkmaschine. und: - wäre das denken ohne sehnsucht überhaupt noch sinnig?
das eigenständige denken begreife ich als das größte geschenk meines lebens. denken ist eben nicht gleich denken. selbst nachdenken dürfen und nicht nach konventionellen mustern denken. lebendiges denken und sehnsucht bedingen sich gegenseitig. die öde des alltagstrotts ist dagegen eine bremse für diese freiheit. er macht die menschen durchsichtig. es macht die menschen zu marionetten und zu opportunisten. aber vielleicht machen auch die marionetten und opportunisten den alltagstrott aus ...
(sehnsucht kann ganz schön einsam machen.)
Freni (Gast) - 07. Jan. 13, 08:33

Es gibt ja noch andere Gefühle als die Sehnsucht. Aber die Sehnsucht ist und bleibt das stärkste Gefühl. Die meisten Menschen können das Gefühl der Sehnsucht nicht aushalten. Entweder oder, lautet das Motto. Danach soll/muss man funktionieren, was natürlich ziemlich absurd ist, weil in dem Augenblick wo man sich gegen die Sehnsucht entscheidet, ein Gefühl vernichtet wird. Natürlich könnte man jetzt behaupten, die Sehnsucht wird nicht vernichtet sondern durch ein neu entstandenes Gefühl ersetzt, zum Beispiel durch die Liebe. Womit sich aber die Frage stellt: Wieviel Alltag verträgt die Liebe?

Ohne das Gefühl der Sehnsucht macht das Leben für mich keinen Sinn. Sehnsucht wonach auch immer. Vll nach dem Wunderland, so wie es Friedrich Schiller in seinem Gedicht "Sehnsucht" beschreibt.

Ach, aus dieses Thales Gründen,
Die der Kalte Nebel drückt,
Könnt' ich doch den Ausgang finden,
Ach, wie fühlt' ich mich beglückt!

Dort erblick' ich schön Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt' ich Schwingen hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög' ich hin.

Harmonien hör' ich klingen,
Töne süssliger Himmelsruh',
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,

Gold'ne Früchte seh' ich glühen,
Winkend zwischen dunkelm Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.

Ach wie schöne muß sich's ergehen
Dort im ew'gen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen,
O wie labend muß sie sein!

Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Daß die Seele mir ergraust.

Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.

Du mußt glauben, du mußt wagen,
Denn die Götter leih'n kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.

Ein schönes Gedicht, findest du nicht auch?

Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, Freiheit und Sehnsucht sind Gift für den Alltag. Ich tu' mein Bestes, du anscheinend auch ;)
Wenn man das Gefühl der Sehnsucht als neagtiv empfindet, kann es vermutlich einsamen machen.
bonanzaMARGOT - 08. Jan. 13, 12:03

schiller halt

die sehnsucht nach einem arkadien. für mich ist arkadien oder wunderland überall, wo freiheit herrscht.
ich versuche die freiheit wenigstens teilweise in meinem kopf, in meinem denken zu verwirklichen. ein land der freiheit wird wohl fiktion bleiben.
dann ist da auch die sehnsucht nach liebe - die leider ebenso schwer zu erfüllen ist. jedenfalls dauerhaft. kompromisse und alltag höhlen freiheit und liebe aus.
die einsamkeit des sehnsüchtigen ergibt sich aus der unlebbarkeit seiner sehnsüchte mit anderen.
Freni (Gast) - 08. Jan. 13, 12:46

Entschuldige, aber ich lebe in einem Land der Freiheit. Was du über die Freiheit denkst und fühlst können nur Menschen schreiben, die niemals in einem anderen Land gelebt haben. Ich fühle in Deutschland geistige und körperliche Freiheit. Und das ist ein sehr wunderbares Gefühl. Ich nutze jede Möglichkeit um diese Freiheit nicht nur zu fühlen, sondern auch zu leben. Das macht mich glücklich. Sehr sogar.
Liebe braucht Zeit, das solltest du nicht vergessen. Kompromisse und der Alltag sind Bewährungensproben für die Liebe. Um so länger die Phase des Verliebtseins anhält und damit meine ich jetzt nicht Wochen oder Monate, sondern Jahre, um so größer ist die Chance auf die Liebe des Lebens. Daran glaub' ich zumindest.
bonanzaMARGOT - 08. Jan. 13, 13:24

ich streite nicht ab, dass es in deutschland (noch) viele freiheiten für die bürger gibt. also relativ zu diktatorischen staaten.
auch leben wir (noch) relativ wohlhabend in diesem land.
die freiheit, die ich mir ersehne, ist mehr eine freiheit von traditionen und konventionen. sie bedeutet eine friedliche form der anarchie.
die größte konvention weltumspannend ist die des geldes. sie unterminiert fast unser ganzes leben. der materialismus hat auch die religionen längst unterhöhlt. eigentlich schon immer. das ist keine neuzeitliche sache.
ein arkadien meiner vorstellung wäre unbedingt ein land ohne geld. es wäre ein land ohne konventionelle zwänge.
leben und leben lassen.
natürlich ist das eine illusion. eine gesellschaft braucht ein gewisses ordnungssystem. drum kann ich froh sein, dass ich in einem staat mit einer sehr fortschrittlichen verfassung lebe.
aber auch in diesem wunderland deutschland passieren viele ungerechtigkeiten. die politiker lügen das blaue vom himmel herunter. die geistigen heucheln, was das zeug hält. und otto normalbürger macht es nach. ich bin mit der kapitalistischen welt, die mich umgibt, nicht glücklich.
schön für dich, dass du die neugewonnene "freiheit" aufgrund deiner ddr-vergangenheit noch genießen kannst. irgendwann kriegst du vielleicht auch ihren mief in die nase ...

über die liebe mag ich keine altklugen statements abgeben.
da kann ich nur jedem viel glück wünschen.
Freni (Gast) - 08. Jan. 13, 14:31

Du lebst doch ein Leben ohne materielle Werte und Zwänge. Ich kenne nur wenige Menschen die diese bescheidene, ehrliche und offene Lebensweise so konsequent umsetzen wie du. Du machst einen tollen Job, betrügst keine Menschen sondern hilfst ihnen. Du verdienst dein Geld mit ehrlicher Arbeit. Mit einer Arbeit die gebraucht wird. Und nur das zählt.
Unehrlichen, geldgierigen und spießigen Menschen kannst du deine Lebensweise nicht aufdrücken. Deshalb wird deine Vorstellung von der Welt immer Wunschdenken bleiben.

Freiheit hat keinen Mief.
bonanzaMARGOT - 08. Jan. 13, 15:02

freiheit ist nicht gleich freiheit, freni.
es gibt viele formen der trügerischen freiheit - dazu zähle ich die freiheit in einer kapitalistischen gesellschaft.
auch der sozialismus schrieb sich die freiheit auf seine fahne. und auch diese freiheit war trügerisch. sie war worthülse.
und bei den religionen ist es nicht anders.
sie versprechen freiheit, aber letztlich führen sie zu unterdrückungssystemen.
viele revolutionen, die die freiheit als ziel hatten, endeten in einem neuen totalitarismus.
man muss schon genau erschnuppern, ob es um die "wahre" freiheit geht, oder um ein alibi für machtbesessene egomanen.

schade, dass du nicht verstehst, um welche freiheit es mir geht.

in meinem leben suchte ich eine nische, wo ich beruflich einigermaßen sinnvolles machen kann. die fand ich in der tat. allerdings unter teilweise sehr harten bedingungen. (und wieder liegt es am geld.)
die spießer und geldgierigen gibt es auch im sozialsystem.
Freni (Gast) - 08. Jan. 13, 15:15

Vll verstehe ich dich besser, als es dir lieb ist ;)
Bis dann!
bonanzaMARGOT - 08. Jan. 13, 15:17

typisch dahingeworfener frauen-brocken.
nein, das glaube ich nicht.

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