Harmonie 2012


Guten Morgen Erkältung. Ich wunderte mich schon, wo du diesen Winter bleibst. Danke für die beschissene Nacht, die Niesanfälle, die laufende Nase, den Husten und den dicken Kopf. Ja, ich weiß, den habe ich auch so. Jedenfalls hast du mir gerade noch gefehlt. Ach so, du wolltest nur eine physisch-psychische Harmonie herstellen. Ich würde sagen: das könnte dir fast gelungen sein. Der Seelen-Katarrh ist allerdings ausdauernder. Danke also für den zwischenzeitlich harmonischen Zustand. Haaaatschi!
Wer wünscht sich nicht Harmonie? Selbst ein Skeptiker und Hinterfrager wie ich sehnt sich (ab und zu) nach diesem heilvollen Zustand der Ausgeglichenheit. Dort stelle ich es mir warm, kuschelig und friedvoll vor. Wie im besten Falle an der Seite meiner Freundin. Nein, nicht bei jeder Frau empfinde ich diese Ruhe und das Gefühl, mich fallen lassen zu können … Als Kind vermisste ich es oft. Stattdessen entwickelte sich der Drang wegzulaufen. Kaum zu glauben, wie sich so was über Jahrzehnte konserviert. Ich versuchte im Allein-Sein Schutz zu finden. Von mir drohte keine Gefahr. Ich war mit mir eins. Nur in mir selbst fand ich Verständnis und Geborgenheit. Ein schöner Ort des Rückzugs in Kindertagen war der Wald. Später wurde es die Kneipe, oder ich saß mit einer Flasche Wein in der Tiefgarage. Der Katarrh der Seele hat eine lange Geschichte. Ich würde sagen, er ist chronisch. Mal bin ich mehr, und mal bin ich weniger gebeutelt.
Ich frage mich manchmal, wie ich es überhaupt so weit geschafft habe – weit nicht im Sinne von dingsbums, - sondern einfach überhaupt so alt geworden zu sein. Einige meiner langjährigen Kneipenkumpane blieben auf der Strecke. Sie brachten sich um, kriegten Krebs, kotzten Blut oder wurden totgeschlagen. Zumindest beinahe. Uns war damals nicht bewusst, wie dünn das Eis war, auf dem wir uns bewegten (bzw. es war uns egal). Die meisten aber kriegten die Kurve und wurden brave Familienväter.
Ich bin sozusagen einer der letzten Mohikaner. Es geht dabei schon lange nicht mehr um Stolz.
Haaaatschi!
Hallo!
Aufwachen aus der Vergangenheit!

Die Sonne steht tief. Wir haben bald (äh - morgen schon!) Wintersonnenwende. Die würde ich gern überleben. Die Welt geht noch nicht unter. Vielleicht kriegt sie einen Schnupfen. Das Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden.

ein literarisches Tagebuch

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