Der Lauf der Zeit


Nun erhielt Klaus endlich sein Iphone 4. Die monatelange Wartezeit hatte er einer Verkäuferin im T-Punkt zu verdanken, die den Auftrag verschlampte. Aber ob er mit dem Smartphone glücklich wird? Denn die nächste Schwierigkeit ist: Klaus hat zuhause keinen Computer, mit dem er das Iphone synchronisieren kann. Für viele Applikationen muß er regelmäßig die Software erneuern. Und ich hatte ihn auch noch ermuntert, sich auf das Abenteuer Iphone und Telekom einzulassen. Vorallem war‘s aber sein Dickkopf, der meinem in keinster Weise nachsteht. Hoffentlich hat er genügend Geduld und Nerven, sich auf die Technik einzulassen.
„Bin ich schon zu alt dafür?“ fragte er mich am Telefon.
Einer der Telekommitarbeiter hatte sowas anklingen lassen, als er mit Klaus‘s Ahnungslosigkeit von der Materie konfrontiert wurde.
„I wo, du musst dir halt Zeit lassen. Es ist ein Spielzeug, dass du langsam für dich entdeckst“, meinte ich.
„Du hilfst mir doch ...“
„Klar - so gut ich kann.“ Dass er keinen Computer hat, ist allerdings ein echtes Manquo, dachte ich bei mir, und fügte hinzu:
„Wenn ich das packte, kriegst du‘s auch hin.“
„Es ist eine Diskriminierung. Leute ohne Computer sind heutezutage in vieler Hinsicht benachteiligt. Das darf doch nicht sein!“ schimpfte er noch.
„Der Lauf der Zeit, Klaus.“
...


Die Technik überrumpelt uns. Und sie beeinflusst uns mehr, als uns bewusst ist - als wir es wahrhaben wollen. Wir sind längst Maschinenwesen, die ohne die technischen Prothesen gar nicht mehr überlebensfähig wären. Die Telekommitarbeiter gingen einfach davon aus, dass Klaus einen Computer hat - wie Telefon/Handy, Fernsehen und Auto heute quasi für jeden Haushalt vorausgesetzt werden. Hat man eines oder gar mehrere dieser Wunderdinge (Gadgets) nicht, wird man mit großen Augen angeschaut. Besonders nette Mitmenschen strafen einen darum mit Verachtung. Denn noch mehr als die Zweckmäßigkeit bedeutet ihnen der Status, welcher durch den Besitz dieser Dinge suggeriert wird.
Ob Klaus und Iphone zusammengehen? Die nächsten Wochen werden es zeigen.

Anja-Pia - 23. Jan. 11, 16:42

Wenn Klausi das Iphone nur als Spielzeug nutzt, braucht er gar keinen Computer. Das hervorstechendste Merkmal ist wohl, dass auch Alte damit auf Anhieb zurecht kommen. Für alte Augen ist es aber auf die Dauer wahrscheinlich doch ein anstrengendes Spielzeug.

bonanzaMARGOT - 23. Jan. 11, 16:52

klaus holte sich das iphone, weil er es 1. bei mir sah (wenn auch ein altes 3g), und 2. weil er zusätzlich zu den normalen handyfunktionen vorallem den zugang ins internet und einige für ihn brauchbare applikationen nutzen will.
er muss zumindest jemanden kennen, der einen computer besitzt, um die software regelmäßig über itunes zu synchronisieren. oder er macht es in einem internet café.
mit "spielzeug" meinte ich nicht die spiele, die man herunterladen und spielen kann. die interessieren ihn nicht.
tom-ate - 23. Jan. 11, 20:00

Die Technik überrumpelt uns.

Und wenn wir nicht aufpassen, versklavt sie uns auch. Menschlein als Zahnrädchen einer Megamaschine...

bonanzaMARGOT - 24. Jan. 11, 16:45

in gewisser weise bereits realität.

ein literarisches Tagebuch

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