Ich bin mein eigener Sohn


Gregor Gysi, der inzwischen 64 Lenze zählt, sagte bei Markus Lanz, warum er schließlich mit Fünfzig erwachsen wurde: weil man dann endgültig nicht mehr die Vorteile der Jugend genießen würde aber auch noch nicht die Gunst des Alters … Zwischen Fünfzig und Sechzig wird es hart, meinte er – oder so ähnlich.
Selbst inzwischen knapp Fünfzig, glaube ich, dass er recht hat. Ich spüre diese Lebenshärte immer deutlicher. Bevor ich auf das letzte Lebensdrittel zusteuere, muss ich noch einige bittere Pillen schlucken:

- Wie gehe ich mit dem Alter und der Gebrechlichkeit meiner Eltern um? Ich habe Angst vor ihrem Ende. Ich habe Angst vor der Verantwortung.
- Will ich, - oder kann ich wirklich noch bis zur Rente in der Altenpflege arbeiten? Und was kann ich denn sonst arbeiten? Wie lange halte ich die Arbeit im Altenheim durch?
- Was ist mit meiner Gesundheit? Was ist mit dem Trinken? Kann ich immer so weitermachen? Ich fürchte mich vor den Konsequenzen …
- Eine Veränderung steht ins Haus. Ich folge der Liebe nach Kärnten – Risiko und zugleich Chance für eine Art Neuanfang. Mache ich dabei alles richtig? Ist es eine Flucht vor der Verantwortung gegenüber meinen Eltern, die ich eigentlich hier wahrnehmen sollte? Wie egoistisch darf ich sein?

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Anfang 2012 konnte ich mir nicht vorstellen, wie sich mein Leben innerhalb weniger Monate verändern würde – dass ich eine Frau aus Österreich kennen- und lieben lerne, dass wir Pläne für eine gemeinsame Zukunft schmieden. Sie liegt auf meinem Bett und liest, während ich diesen Beitrag schreibe. Es ist Wirklichkeit, kein Traum. Vor dem Bett liegt der Hund ihrer Eltern, den sie mit hat.
Es wurde düster, der Himmel entleert sich. Nix mit Sommerwetter. Heute Abend habe ich Nachtwache. Momentan schreibt mir die Chefin einen Dienstplan wie eine Berg- und Talbahn: zwei Nächte Dienst, zwei Tage frei, drei Nächte Dienst, zwei Tage frei, etc. Mit diesem Hick-Hack soll vermieden werden, dass ich zwischen den Dienstblöcken mehrere Tage frei habe. Denn die Chefs wollen, dass ich auch in meiner Freizeit verfügbar bin, um notfalls einspringen zu können, und nicht in Kärnten bei meiner Freundin sitze.
Wolken und blauer Himmel wechseln sich ab. Ich muss wissen, was ich will. Ich muss wissen, wohin ich will. Ich schicke einen Kuss durch das Zimmer zu meiner Freundin …, die guckt kurz vom Buch hoch und grinst.

derblade (Gast) - 21. Jul. 12, 15:12

Gregor Gysi würde ich mir nicht unbedingt zum Vorbild nehmen. ;-)

nachtrag (Gast) - 21. Jul. 12, 15:13

Und Dein Beruf ist überall gefragt, um die Existenz musst du dir also keine Sorgen machen.
bonanzaMARGOT - 21. Jul. 12, 18:17

gregor gysi ist nicht mein vorbild, aber er ist ein politiker, den ich mir ab und zu gern anhöre.
Vater Flug (Gast) - 21. Jul. 12, 15:36

Warum erzählen Sie uns das?

Shhhhh - 21. Jul. 12, 16:25

Völlig egal, meinetwegen. Was mir aber wirklich nicht in den Kopf will, weshalb deine Arbeitgeber von deiner Beziehung mit einer Kärntnerin wissen. Das geht die einerseits nichts an und andererseits finde ich es schon ein wenig dreist, dann solche Dienstpläne zu schreiben.
Von einem selber wollen sie größtmögliche Flexibilität insbesondere bei der Arbeitsplatzsuche (und sei der Job auch in Timbuktu ) aber wenn man plötzlich aus eigenem Antrieb ( Liebe ist ja nur mehr oder weniger eigener Antrieb ;) ) den Ort wechseln will, dann wundern sie sich und legen einem Steine in den Weg.
bonanzaMARGOT - 21. Jul. 12, 18:19

vater flug

warum erzählen wir uns überhaupt etwas? warum gibt es blogs? wozu kommunizieren? wozu der ganze müll, - der ganze zwischenmenschliche mist?
bonanzaMARGOT - 21. Jul. 12, 18:23

shhhhhh

warum mein arbeitgeber davon weiß?
ganz einfach: mit manchen kollegen und kolleginnen tausche ich ab und zu auch private dinge aus. so was kommt nun mal vor, wenn man lange zusammen arbeitet. alles andere ist dann der sogenannte buschfunk ...
zum lügen bin ich nicht geboren.
Gioia - 21. Jul. 12, 16:55

"Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt"...

Es kommt (fast) immer anders, als man denkt. Auf Alles hoffen und auf Nichts spekulieren...

mag paradox klingen. Ist es aber nicht:-)

Kurz vor dem Ableben meiner Mutter, mit dem keiner aus der Familie rechnete, versprach ich ihr, dass sie ihren Lebensabend bei mir verbringen kann. Sie war darüber sehr glücklich damals...

und ich heute.

HARFIM - 21. Jul. 12, 17:07

Gregor Gysi ist 64,

nicht, dass er schon wieder klagen muss, weil falsche Sachen über ihn im Internet stehen :-)
ansonsten finde ich, es ist eine sehr gute Idee mit Anfang 50 nach Kärnten zu ziehen...
bonanzaMARGOT - 21. Jul. 12, 18:12

danke für die info harfim, ich verbesserte sofort das alter von gysi von 70 auf 64. er sieht ja eigentlich auch noch nicht aus wie 70.

wohin auch immer umzuziehen - ob nach kärnten oder auf den mond - ich finde es gut, wenn man das einmal in seinem leben macht. solange man es noch machen kann.
bonanzaMARGOT - 21. Jul. 12, 18:16

hallo gioia, ich glaube, es gibt da kein patentrezept. es gibt keinen richtigen weg. es gibt nur einen weg - den, den du gehst. und diesen musst du für dich akzeptieren ...
und man darf hoffen, dass es nicht der schlechteste war - z.b. moralisch.
Gioia - 21. Jul. 12, 18:36

Ich vergaß...

dass ich es auch gut finde, einen Neuanfang zu wagen.

bonanzaMARGOT - 21. Jul. 12, 18:49

danke. etwas mut braucht es ...

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