Zeichen


Wenn man mich eines Tages hier rausträgt, hinterlasse ich wenigstens einen ordentlichen Eindruck. Ich will nicht tot in einer schmutzigen, zugemüllten Wohnung gefunden werden. Unangenehme Vorstellung. Nun ist mir schlecht vom Putzen. Für heute reicht`s. Ein scheiß Job. Ich denke an die vielen, für die Putzen den Brotverdienst bedeutet. Nicht Sport ist Mord, sondern Hausarbeit.
Ich reiße die Fenster auf und setze mich in den kühlen Luftzug. Dazu ein Drink, und mir geht`s langsam wieder besser. Von der Straße tönt die alltägliche Geschäftigkeit der Stadtbewohner zu mir herein. Ein schöner Novembertag grüßt.
Was bleibt mehr zu tun als die Instandhaltung und Verwaltung des Lebens? Die Freude auf das tägliche Feierabendbier, die Freude aufs Wochenende mit zweimal Ausschlafen und zwei Tagen, an denen ich nicht über den Tumorfällen brüten muss, die Freude auf den nächsten Urlaub und auf den nächsten Sommer… Ich blicke mich in meinen vier Wänden um. Mir gefällt, was ich sehe. Ich habe es mir schön gemacht. Ab und zu gönne ich mir eine kleine Freude in Form eines neuen Kleidungsstücks, eines Schmuckstücks oder eines Buches. Mir kam kürzlich ein Hörspiel von Günter Eich in den Sinn, welches ich vor vielen Jahren gehört und mich beeindruckt hatte. Keine Ahnung, warum ich mich daran erinnerte. Ein Akt der Langeweile oder ein Zeichen – wer weiß das schon? „Das Jahr Lazertis“ – leider fand ich keine Hörfassung im Internet. Bei der Recherche wurde mein Interesse am Autoren Günter Eich geweckt und ich beschloss, mir ein/zwei Bücher mit seinen Sachen zu bestellen. Ich bin gespannt.
Und was stellst du heute noch an, bro?
Gute Frage. Schätze, die übliche Runde. Vorerst noch `nen Drink. Ich warte auf ein Zeichen. Außerdem läuft die Waschmaschine noch.
Was für ein Zeichen?
Weiß nicht. Irgendein Impuls, eine Inspiration, ein glücklicher Zufall… etwas, das mich aus meiner Lethargie reißt.
Wird schon.
Klar.

rosenherz - 11. Nov. 18, 11:20

Ja dann, viel Glück beim Warten auf ein Zeichen! Niemand von uns Bloggern weiß, wie lange das dauern könnte, bis dich da was aus deiner Lethargie reißt. Womöglich kommt das Zeichen nie. Bleibst du dann für den Rest des Lebens an die Lethargie gekettet?

bonanzaMARGOT - 11. Nov. 18, 11:41

danke. glück kann man immer brauchen. das gilt für alle menschen, für die ganze welt.
ich habe schon viele phasen der lethargie hinter mir, mehr oder minder schwer. sowieso bin ich ein relativ schwermütiger mensch...
es geht bei den "zeichen" nicht um etwas, was mich als menschen grundlegend verändert, sondern um impulse, inspirationen, glückliche zufälle..., wie ich es schrieb.
wird schon.
bonanzaMARGOT - 11. Nov. 18, 11:49

gegenfrage:

selbstironie scheint dir ziemlich fremd zu sein?
rosenherz - 12. Nov. 18, 18:06

Tja, hast mich durchschaut. Was wäre denn das? Meinst du diese Eigenschaft: "Bei der Selbstironie macht man sich über sich selbst lustig, um die Wertschätzung anderer zu gewinnen"
bonanzaMARGOT - 13. Nov. 18, 05:32

keine ahnung, ob man mit selbstironie die wertschätzung durch andere steigern kann. darüber machte ich mir noch keine gedanken.
für mich heißt selbstironie, dass man sich selbst auf die schippe nehmen kann, sich nicht als perfekt ansieht, sich und sein leben nicht immer bierernst nimmt. ich meine, das alles ist schrecklich ernst genug - da schützt einem selbstironie vor der endgültigen verzweiflung und ohnmacht. zum gesunden humor gehört auch selbstironie. schwer für mich vorzustellen, dass ein mensch mit herz nicht auch mal über sich selbst lacht.
NBerlin - 11. Nov. 18, 12:22

Wünsche einen schönen Sonntag, beneide dich um die ausgelebte Lethargie. Mache schön langsam, heute verpasst du nichts.

bonanzaMARGOT - 11. Nov. 18, 12:29

sieht ganz so aus. ziemlich trist heute. werde wahrscheinlich gar nicht rausgehen, in der bude rumsitzen und mich ab und zu am sack kratzen...

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