Gute Nacht Saigon


In der letzten Woche bemühte ich mal wieder den Lieferdienst für Lebensmittel. Nicht dass ich eine Lieferung unbedingt gebraucht hätte. Bier war noch genug da. Aber irgendwie war mir öde. Wenn ich sage, dass mir öde ist, meine ich nicht direkt langweilig. Es ist eher ein Gefühl von Öde – wie soll ich das beschreiben? Hm… Man kann sich das in etwa so vorstellen: Du fickst und fickst und fickst, aber kommst nie zum Orgasmus.
Die Bestellung von Lebensmitteln übers Internet hilft dabei im Großen und Ganzen gar nichts… Hm. Wahrscheinlich verstehen das nur Menschen, die das Gefühl der Öde original haben oder zumindest kennen. Jedenfalls erwartete am letzten Donnerstag eine Lieferung. Jemand klingelte endlich mal an meiner Tür, nicht aus Versehen, sondern weil er zu mir wollte! Nur zu mir zu mir zu mir! Wow!!
Ich wartete eine gute Stunde auf ihn. Es war später Nachmittag. Ich lag auf der Couch und zog mir eine Folge der Serie M.A.S.H rein. Köstlich! Ich vergaß den Lieferservice ganz.
Plötzlich war es soweit, und ich sprang wie von der Tarantel gestochen hoch. Alles hatte ich akribisch vorbereitet: Im Flur brannte Licht und das Portemonnaie lag im Schuhregal griffbereit. Ich will die Sache immer so schnell wie möglich abwickeln, weil ich weiß, wie sehr die Jungs in Eile sind.
Der Typ hatte es aber diesmal gar nicht so eilig. Nachdem ich die Rechnung (plus Trinkgeld) bezahlt hatte, fragte er mich, ob meine Miete sich auch schon erhöht hätte, er würde ganz in der Nähe wohnen. Nein, antwortete ich, – ich wusste, dass er auf die Gentrifizierung des Wohngebiets anspielte. Er nannte einige Horror-Mieten, von denen er gehört hatte. Nein, das könne ich mir auch nicht leisten, sagte ich. Warum er dann noch betonte, dass er Türke ist, weiß ich nicht. Hier ist schließlich jeder zweite oder dritte Türke. Ich lächelte freundlich und dachte: Baby, mach dich besser vom Acker, ein Türke fickt meine Ex… Natürlich bin ich weder nationalistisch noch rassistisch gesinnt, aber situationsbedingt ergeben sich bei mir gerade unangenehme Ressentiments.
Als ich die Tür hinter ihm schloss, kehrte ich zurück zu meiner Öde. Eines der Fertiggerichte in die Mikrowelle… und ein paar Minuten später futterte ich den Schweinefraß. Gute Nacht Saigon.
Okay, ich weiß, in M.A.S.H ging es um den Korea- und nicht um den Vietnamkrieg. Na und?

rosenherz - 04. Nov. 18, 08:20

Schweinefraß? Was nötigt dich dazu, dir solcherlei einzuverleiben?

bonanzaMARGOT - 04. Nov. 18, 09:03

bequemlichkeit.
bonanzaMARGOT - 04. Nov. 18, 13:10

nun antwortest du schon so lange auf meinen blogs und kennst mich offenbar immer noch nicht ein klitzekleines bisschen.
rosenherz - 05. Nov. 18, 08:16

Hast du nicht selbst vor Wochen geschrieben, ich würde niemals Rückschlüsse ziehen können, da ich dich ja nicht persönlich kenne?
- Das einzige, das ich kenne, sind Texte von dir und die Worte, die du hier beim Bloggen benutzt. Doch was sie bedeuten für dich? Was sie bedeuten für mich? Was sagen sie aus über dich als Mensch oder über dein literarisches Ich? Selbst so ein schlichtes Wort wie "Schweinefraß" oder "Couchtisch" ist bei jeder schreibenden Person mit einer individuellen Bedeutung aufgeladen. Worte vermitteln dem Lesenden Bilder. Aber Wirklichkeit?
bonanzaMARGOT - 06. Nov. 18, 05:15

sicher kann man sich als leser meiner blogs nur ein oberflächliches und/oder unvollständiges bild von meiner person machen. einige sachen kann man aber schon aus meinen aussagen ableiten..., z.b. dass ich ungern hausarbeit mache und nicht gern koche.

"schweinefraß" nahm in den letzten jahrzehnten unter menschen immens zu durch fastfood und andere essensaufbereitungen wie fertiggerichte. (ich will durch diesen ausdruck keineswegs die schweine beleidigen.)
oft fressen wir menschen trotz besseren wissens diesen schweinefraß aus bequemlichkeit oder zeitnot. auch lassen wir uns von der werbung manipulieren. hinzu kommen künstliche geschmacksverstärker in einem solchen fraß, welche unsere lust darauf steigern sollen.
mit der selbstdiziplin ist das so eine sache. ich lasse mich da leider auch manchmal zum schweinefraß verführen. als single ist man, glaube ich, besonders anfällig.

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