Rührei in der Mikrowelle


Man kann eine Menge machen im Leben, z.B. Rührei in der Mikrowelle. Da unser Büro unweit der Kaffeeküche liegt, kriege ich solcherlei Ereignisse am Rande mit. Der junge Kollege mit den strahlenden Augen erklärt das Rezept. Er ist ein großer schlaksiger Kerl, ein echter Sonnenschein mit tiefer sonorer Stimme. Regelmäßig veranlasst er die Hühner zu Lachtiraden. Alle mögen ihn. Er gehört zu den Menschen, denen man schwer was krummnehmen kann. Wenn er die nötige Kohle hätte, würde er ein Fitnessstudio aufmachen, erzählte er, das sei sein Traum. Wenigstens hat er einen Traum…, dachte ich bei mir, - beneidenswert. Was man nicht alles macht. Vor ein paar Jahren hatte ich null Ahnung von Tumordokumentation, und nun verbringe ich wöchentlich 40 Stunden damit. Hätte ich wie mein junger Kollege einen Traum, würde es mir vielleicht nicht so schwerfallen. Wirklich, ich kann mir keinen Traumjob vorstellen. Mein beruflicher Ehrgeiz hält sich somit stark in Grenzen. Immerhin mache ich mit der Tumordokumentation was halbwegs Sinnvolles. Oder? Meiner Kollegin und mir kommt es immer häufiger so vor, als ob wir ohne Sinn und Verstand die Daten ins Dokumentationssystem kloppen. Das zugrundeliegende Konzept erscheint mir verworren und unzureichend durchdacht. Politischer Aktionismus? Mehr Schein als Sein? Hat überhaupt jemand den Durchblick – Krankenkassen, Ärztekammer, Senat? Die Onkologischen Zentren? - Unglaublich, wie viele Organisationen und Parteien involviert sind. Man kann nur hoffen, dass in den Leitungsebenen sehr gescheite Köpfe sitzen. Unsere Arbeit wird schon von Nutzen sein, sonst würde doch nicht solch ein Aufwand betrieben werden…
Das Wochenende steht wie immer im Zeichen des Blues. Jetzt nicht mehr über den Job nachdenken. Morgen geht`s bereits wieder ran an die Buletten. Tausende Tumorfälle warten in den Stahlschränken.

Die Fußball WM lief an. Heute Deutschland gegen Mexiko. Der Fußball bedeutet etwas Ablenkung – von der Arbeit, vom Schwarzen Hund, von allem. Ich glaube, es geht nicht nur mir so. Die Kneipen und Pubs voller Leute. Und ich mittendrin. Mal sehen, - weil zu voll mag ich es nicht. Vielleicht besser im Biergarten. Dort bauten sie eine Leinwand auf. Das Wetter scheint auch zu passen. Nur kein Stress. Notfalls schaue ich mir das Drama zuhause auf der Couch an. Nach den jüngst abgelieferten Leistungen der Deutschen Mannschaft bei den zwei Testspielen, bin ich einigermaßen besorgt. Ein Tipp fällt mir schwer. Aber Löw wird schon wissen, was er tut. Oder? Wie stark ist Mexiko? Das Ballspiel hat dort eine lange Tradition… noch aus Zeiten der Mayas. Aber natürlich hat der moderne Fußball mit den damaligen Bräuchen gar nichts zu tun. Heute steht der Spaß im Vordergrund. Na ja, und das Geld. Bei solch internationalen Turnieren auch Völkerverständigung. Ein Spiel erobert für vier Wochen die Welt. Selbst der ein oder andere Fußballignorant wird von der Stimmung mitgerissen. Das rätselhafte Wesen Mensch findet sich affenmäßig zusammen, um auf einen Bildschirm zu glotzen, wo zwei Mannschaften auf einem Spielfeld 90 Minuten lang einem Ball nachjagen, welchen sie nach gewissen Regeln in den Kasten des Gegners befördern müssen. Oder so ähnlich. Was man nicht alles macht. Mehr oder weniger leidenschaftlich. Wie Rührei in der Mikrowelle…

NBerlin - 17. Jun. 18, 12:47

Ieeh, Rührei aus der Mikrowelle, wie pervers ist das denn? Wünsche dir viel Spaß bei dem Fußballspiel, ich bin kein Fan und werde versuchen dass zu ignorieren.

bonanzaMARGOT - 17. Jun. 18, 12:49

da momentan mein leben alles andere als spaßig ist, nehme ich fast jedes angebot an... danke.
dir viel spaß beim ignorieren. die nächsten wochen.
NBerlin - 17. Jun. 18, 13:16

Das wird eine schwierige Aufgabe mit dem ignorieren. Aber es freut mich, wenn du daran deinen Spaß hast.
bonanzaMARGOT - 17. Jun. 18, 13:23

spaß ist zu viel gesagt. aber es bietet ablenkung. schließlich bin ich auch nur ein affe in der horde - und brauche ab und zu gesellschaft. eigentlich mag ich meine mitmenschen. und wenn alle auf den ball gucken, muss ich nicht so sehr über sie nachdenken.
NBerlin - 17. Jun. 18, 13:35

Ja Teil einer jubelnden Menge zu sein, kann ein erhebendes Gefühl sein, da vergisst man die ganzen Unterschiede untereinander.
bonanzaMARGOT - 17. Jun. 18, 13:41

ich bin kein großer jubelierer. aber natürlich lasse ich mich ein wenig mitreißen - wie man es bei z.b. einem kinofilm auch tut. es gibt menschen, die heute (noch immer) am straßenrand stehen und jubeln, wenn eine königliche familie, ein staatsoberhaupt oder ein diktator vorbeifährt. das würde ich nie machen. (kotz-würg.) auch würde ich nie einem popstar zujubeln. von personenkult halte ich absolut nichts. aber bei der wm geht es vor allem um sport, leidenschaft und dramaturgie.
NBerlin - 17. Jun. 18, 17:07

Sowas mache ich auch nicht, einzige Ausnahme sind Popstars oder besser Musiker. Wenn mich Musik glücklich macht, dann gebe ich gern von dem Glück was zurück. Das ist dann aber jubeln für Musik und nicht für den Musiker als Person. Aha darum geht es bei der WM, mein Eindruck bisher war eher es geht um saufen und gröllen.
bonanzaMARGOT - 18. Jun. 18, 04:33

fürs saufen und grölen braucht man nicht extra `ne wm. natürlich gibt es diese erscheinungen immer und bei bei allen gelegenheiten.
bonanzaMARGOT - 17. Jun. 18, 14:28

das zeitalter der aufklärung benötigt dringend eine renaissance!

den sozialismus hätte es ohne aufklärung nie gegeben. sein versagen zeigt mir, dass die aufklärung des menschlichen geistes weder in der tiefe noch in der breite wirklich stattfand.

ein literarisches Tagebuch

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