Der Morgen in der Max Bar


Die Pensionswirtin kam ins Plaudern, als ich die Rechnung beglich. Sie schwärmte ganz allgemein von der Region, dem milden Klima, den schönen Plätzen, der mediterranen Atmosphäre und dem exquisiten Kuchen einer befreundeten Spanierin, die ganz in der Nähe ein Café hatte. Sah ich so aus, als wäre ich ein Kuchenliebhaber? Ich bedankte mich artig für den Tipp und schritt hinaus in den Morgen. Mich fröstelte. Das Wetter hatte nichts mehr von der Milde des Vortags. Der Himmel lag grau und schwer über der Stadt und den angrenzenden Bergen. Angestrengt spähte ich nach einem geöffneten Lokal. Früher Vormittag und Ostersonntag – da ist selbst in Berlin nicht der Bär los. Doch ich hatte Glück. Unweit fand ich eine Bar, in der ein paar Übernächtigte beim Bier saßen. Sehr gut, das Problem wäre also gelöst. Ich bestellte mir erstmal einen Kaffee und schaute durch die große Fensterfront hinaus auf den Marktplatz, wo noch wenig Betrieb herrschte. Ab und zu trudelten ein paar Gäste ein, meist Einheimische aus der hiesigen Kneipen- und Künstlerszene, die hier ihren Morgenkaffee tranken und ein Schwätzchen hielten. Ich war inzwischen beim Bier angelangt und versunken in der Betrachtung meiner Umgebung. Einer der Künstler kam mir bekannt vor. Aber klar, das war der Typ, von dem ich ein Bild habe, das ich erst vor kurzem wieder aufhing! Wie kam ich eigentlich dazu? Ich erinnerte mich an seine verwinkelte Altstadtwohnung, das Atelier sowie den anschließenden Spaziergang, wobei er mir Stadtgeschichten erzählte. Ich langweilte mich ziemlich. Lang lang ist`s her. Inzwischen dürfte ich so alt sein wie er damals. Plötzlich kam es mir wieder: Er hatte sich für einen meiner Prosatexte interessiert und schenkte mir im Gegenzuge das Bild. Kein schlechter Deal für mich. Offensichtlich schmeichelte er mir, und neben seinem Interesse als Künstler gab es noch eine Ambition anderer Art.
Der Künstler ging, und wir grüßten uns beiläufig. Hatte auch er mich wiedererkannt?
Es wurde Zeit, mich aus meiner beinah meditativen Versenkung in der Max Bar zu lösen. Schließlich hatte ich noch etwas vor…





ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Boma...
dich hat es deshalb so heftig getroffen, weil du quasi...
christa mavropoulou - 18. Jun, 10:44
Deutschland - Mexiko...
War wohl nix. Und Löw meinte nach dem Spiel zu...
bonanzaMARGOT - 18. Jun. 18, 06:22
fürs saufen und...
fürs saufen und grölen braucht man nicht...
bonanzaMARGOT - 18. Jun, 04:33
Sowas mache ich auch...
Sowas mache ich auch nicht, einzige Ausnahme sind Popstars...
NBerlin - 17. Jun, 17:07
das zeitalter der aufklärung...
das zeitalter der aufklärung benötigt dringend...
bonanzaMARGOT - 17. Jun, 14:33
ich bin kein großer...
ich bin kein großer jubelierer. aber natürlich...
bonanzaMARGOT - 17. Jun, 13:41

Archiv

April 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 2 
 6 
 9 
10
12
13
16
17
19
20
23
 
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Über dem Paradies ist immer Nacht.
Über dem Paradies ist immer Nacht.
bonanzaMARGOT - 10. Mai. 18, 12:18
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
bonanzaMARGOT - 07. Apr. 18, 16:26
Auch Intelligenz kann weh tun.
Auch Intelligenz kann weh tun.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 17:09
Das Elend in der Welt ist die Macht.
Das Elend in der Welt ist die Macht.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 06:41

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3930 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 18. Jun, 10:44