Alles wie gehabt


Neujahr 2013. Ich sitze im EC von Klagenfurt. Ein letztes Mal. Beziehungsshowdown zum Jahreswechsel. Ich blicke aus dem Zugfenster auf die verschneiten Alpen, in meiner Brust bohrt der Stachel Wehmut. Er leistet wie immer ganze Arbeit – lässt kaum einen klaren Gedanken zu. Das Liebesaus hatte sich angekündigt, und wir ließen es geschehen. Sollte wohl so sein. Besser ein klarer Schnitt. Was nicht ist, ist nicht. Wozu sich was vormachen. Wäre nur nicht dieser verdammte Liebesschmerz. Die räumliche Distanz wird es leichter machen. Ich bestelle mir im Zugrestaurant Grüner Veltiner, den ich mit Cola Zero mixe. Acht lange Stunden, bis ich in Heidelberg ankomme.

Heute, gut fünf Jahre später in Berlin. Ich blicke aus dem Fenster in einen eiskalten Sonntagvormittag. Die Autokarosserien reflektieren die Sonne. Ein Licht-und Schattenspiel auf dem Kopfsteinpflaster der Straße. Meine Gedanken fahren Karussell. Bin ich nicht langsam zu alt für diesen Liebesscheiß - wozu der ganze Aufriss? Aber der Stachel sitzt tief. Ich weiß, dass sich der Schmerz nicht einfach auflösen wird. Es ist erst der Anfang.
Ich mixe einen trockenen Müller-Thurgau mit Cola Zero. Dazu Bluesmusik aus dem Internetradio. Alles wie gehabt.

christa mavropoulou - 25. Feb. 18, 13:47

ja, irgendwann ist alles wie gehabt :-(

bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 13:58

illusionen aufbauen, um sie dann vor die hunde gehen zu sehen. speziell menschlich?
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 14:03

auf der anderen seite: wie viele flugversuche brauchte es, bis der mensch seine illusion, sich in die lüfte erheben zu können, verwirklichte? wie oft stürzte er dabei ab? und irgendwann klappte es dann doch - zumindest halbwegs.
fata morgana - 25. Feb. 18, 16:41

heute ist sonntag und da darf man sich was wünschen...
ein anderes wort für illusionen
bitte...
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 17:48

Ein anderes Wort für Illusionen...
Träume.

Mein Sonntagswunsch wäre, dass jeder Mensch, egal, wie stark bzw. schwach er ist, zu jeder Zeit eine Wohnung und genug zum Leben hätte.
Vielleicht wäre die Welt dann entspannter.
NBerlin - 25. Feb. 18, 14:56

Für Gefühle wird man nie zu alt und das ist gut so. Ich denke das hält uns am Leben, das Glück und das Leid. Nur wer gar nichts fühlt ist bereits tot.

bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 15:03

mir scheint, die (bereits) toten sind in der überzahl da draußen.
NBerlin - 25. Feb. 18, 15:19

Unter den Masken gibt es auch Gefühle.
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 15:35

Du hast recht. Ich habe nur auf die vielen scheiß Masken keine Lust. Manche werden ja schon mit Masken geboren. Auch ich passte mich an, verinnerlichte es aber nie.
Die Maskenmenschen kommen ja auch prima miteinander aus....
NBerlin - 25. Feb. 18, 16:02

Ich mag die Masken auch nicht, aber sie scheinen notwendig zu sein, zumindestens in Berlin. Zuviele oberflächliche Kontakte um jedes Mal man selber zu sein.
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 16:16

So meine ich das nicht.
Mir reicht es schon, wenn jeder bei etwas tieferen Kontakten sich selber ist.
Und dann Schock: die Maske ist der Mensch!
NBerlin - 25. Feb. 18, 16:27

Solche gibt es, ja, aber ich habe eigentlich ein gutes Gespür für Leute. Ich nehme den Leuten ihre Maske nicht übel, aber wenn es dabei bleibt dann gibt es halt keine Freundschaft.
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 16:46

Hm. So erklärt sich meine Einsamkeit...
Aber Papperlapapp, mit den Jahrzehnten stellte sich eine Gewöhnung ein. Ich darf nur nicht drüber nachdenken. Besser einen trinken gehen..., was aber auch schon mal einen besseren Effekt hatte.
NBerlin - 25. Feb. 18, 16:59

Es sind viel mehr Menschen einsam als du glaubst, besonders in Berlin, wo man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Prost! Der Alkohol soll ja bekanntlich gesellig machen und die Wahrheit sprechen.
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 17:10

Als Altenpfleger erlebte ich Einsamkeit in sehr extremen Formen lange vor Berlin.
Zur Einsamkeit gesellt sich hier nur verdichtend die Anonymität der Großstadt. Das empfinde ich nicht unbedingt negativ.
NBerlin - 25. Feb. 18, 17:17

Die Einsamkeit im Altenheim habe ich auch als extrem deprimierend erlebt. Da sind soviele Menschen zusammen und alle sind allein. Die Anonymität mag ich auch, solange ich eine handvoll lieber Menschen habe auf die ich mich verlassen kann.
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 17:50

Diese Handvoll lieber Menschen muss ich mir erst noch erarbeiten...
NBerlin - 25. Feb. 18, 18:56

Viel Glück dabei. Wie wäre es denn mit einer Fahrradgruppe für Ausflüge und mehr?
Aber Achtung die Berliner tauen nicht so schnell auf, da braucht es viel Geduld.
iGing - 25. Feb. 18, 20:42

Netter Vorschlag, liebe Nadine, aber das macht er bestimmt nicht ... dann hätte er ja auch ins Museum gehen können ... rate ich jetzt mal so, ohne mir genauere Kenntnisse der BoMa-ischen Persönlichkeit anmaßen zu wollen ...
bonanzaMARGOT - 26. Feb. 18, 04:55

stimmt, iging, mit vereinen und gruppen habe ich`s nicht so. da reicht mir der "hühnerstall" bei der tumordokumentation.
ich bevorzuge den einzelnen kontakt* zu einer frau oder einem mann, mit dem man das ein oder andere unternehmen kann, - auch mal zusammen in einer kneipe abhängen.

* von mir aus auch ein treffen zu dritt oder viert, aber da wird`s oft schon kompliziert.

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