Gedankenkrebs


Endlich der versprochene Goldene Oktober! Die Sonne bringt die bereits herbstbunten Blätter zum flirren. Ich sitze am Schreibtisch und blinzele immer wieder nach draußen. So ein Wochenende ist viel zu kurz, denke ich, der Samstag gestern war für die Tonne. Ich fühle mich fett und bewegungsfaul. Mir fehlt es an Antrieb und Ideen. Nach fünf Tagen Dokumentation träume ich von Tumoren. Der Stahlschrank, in dem die Tumormeldungen lagern, platzt aus allen Nähten. Wir kommen in der Abarbeitung der Flut von Meldungen nicht nach. Die Registerleiterin steht unter Druck. Es stehen mehr Fragen als Antworten im Raum. In den Büroräumen betretene Stimmung. Mehr als dokumentieren können wir nicht. Und das ist schwer genug bei der komplexen Materie. Die Abbildungsmöglichkeiten des Dokumentationssystems sind beschränkt. An manchen Fällen könnte man verzweifeln. Ich fühle mich an meine Zeit in der Altenpflege erinnert: Was wissen die da oben von den Schwierigkeiten unserer Arbeit? Sie entwerfen auf dem Reißbrett, wie es laufen soll. Wenn es nicht nach ihren Vorstellungen klappt, suchen sie die Fehler nicht bei sich, also bei ihrer Planung, sondern zuerst bei den unteren Ebenen…
Scheiß Politik – überall! Aber okay, ich will mich trotzdem nicht beklagen. Dank der Tumordokumentation habe ich einen neuen Job. Vielleicht wird aus dem Projekt ja noch was.
Vielleicht wird aus diesem Sonntag noch was.

rosenherz - 15. Okt. 17, 20:09

Aus dem Sonntag wird das, was du draus machst. Ob du dir die herbstbunten Bäume durchs Fenster anguckst, oder die Wohnung verlässt und hinaus gehst in die Natur, du entscheidest.

bonanzaMARGOT - 16. Okt. 17, 05:19

na klar. wenn man seinen eigenen trübsal wegblasen kann. alles nicht so einfach.
jedenfalls war`s schön draußen.
rosenherz - 16. Okt. 17, 09:54

Wir können der Trübsal auch frönen. Ich halte nichts davon, sich selbst zu etwas zu zwingen.
bonanzaMARGOT - 17. Okt. 17, 05:35

das mache ich - da kannst du sicher sein!
ich bin vor lauter trübsal schon ganz fahl.
Treibgut - 19. Okt. 17, 01:38

Fahl

... hört sich nicht so wirklich nach einem verträglichen Job an.
bonanzaMARGOT - 19. Okt. 17, 05:43

ist nicht besonders prickelnd, den ganzen tag tumore zu dokumentieren, bis einem die augen aus dem kopf fallen. aber gut, ich versuche mich damit zu arrangieren, weil ich erstmal froh bin, überhaupt einen berufswechsel hingekriegt zu haben. eineinhalb jahre fortbildung habe ich investiert und einige nerven dafür geopfert. bestimmt gibt`s viel schlimmere jobs (z.b. altenpflege).

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Mittwochs-Worte
Wohl dir, wenn deine Toten ruhn Still unter grüner...
bonanzaMARGOT - 19. Sep. 18, 06:25
TV-Tipp
"Gruppenbild mit Dame", 22 Uhr, Arte
bonanzaMARGOT - 17. Sep. 18, 06:57
Wort zum Sonntag
Ich wusste nichts über den Teufel, ich wusste...
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 13:36
Gedanken zum Marathon
Heute ist ja Zombielauf! durchfährt es mich und...
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 10:00
TV-Tipp
"Die Körperfresser kommen", 22 Uhr 5, TELE 5
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 09:01
konkretes beispiel: ein...
konkretes beispiel: ein mann schlägt mich grundlos...
bonanzaMARGOT - 15. Sep, 12:57

Archiv

Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 5 
 6 
 9 
10
12
13
17
19
20
23
24
28
31
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Schimäre
Ich werde solange bluten bis ich von dir gereinigt...
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 13:54
Spuren
Ich habe es geschafft, alles hinter mich zu lassen Die...
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 12:33
Der Blues der letzten Stunde
Für was dieser Aufwand? Meinem Fortpflanzungsauftrag...
bonanzaMARGOT - 15. Sep. 18, 09:24
Spontan
Plötzlich bekam ich einen Anfall und putzte die...
bonanzaMARGOT - 07. Sep. 18, 10:34

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 4023 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Sep, 06:25