C' est la vie


Der Sonntag ist der traurigste Tag der Woche, weil die Tür zur nächsten Arbeitswoche bereits einen Spalt offensteht. Ich will nicht hingucken, will mich ablenken…, was aber nur bedingt klappt.

O. geht (wiedermal) ins Museum, ins ägyptische, wo eine neue Ausstellung stattfindet, sagt sie.

Ich starre auf einen Fleck auf der weißen Wand. Die Spur eines Mordes per Fliegenklatsche.

Ich starre auf die Buchstaben, Wörter, Sätze…, während ich sie schreibe. Irgendwer (in meinem Kopf?) diktiert sie mir.

Die an den Straßenseiten geparkten Autos stehen Spalier - als Ausdruck dafür, wie viel Blech in unseren Köpfen ist. Ich denke: Wie schön wäre eine Welt mit viel weniger Autos. Ich werde mich nie an die Verunstaltung der Umwelt durch den Straßenverkehr gewöhnen.

Mein Blick rutscht über die Dinge um mich herum. Ich bin auf der Suche nach Impulsen.
Überall sehe ich Kunst… wie sich die Dinge zueinander willkürlich positionieren, ihre Gebrauchsspuren…
Ich gebe mir die Zeit, die Dinge auf mich wirken zu lassen. Der Künstler taucht in diese dingliche Atmosphäre ein. Mehr macht er gar nicht. Er übersetzt das Leben, die Welt, die er vor sich sieht…

Es geht dabei nicht ums Gefallen.

O. schreibt mir eine SMS aus der U-Bahn über eine Touristengruppe lautstarker, (eher unangenehm) lebhafter Italiener (bereits am Vormittag) … Ich antworte, dass man in einer idiotischen Welt auf Idioten gefasst sein sollte.

Es geht wirklich nicht ums Gefallen, auch wenn`s in den Medien und überall so rüberkommt.

Ich mag Sonntage nicht. Dabei wurde ich an einem geboren.

rosenherz - 09. Jul. 17, 11:52

Auch wenn du Sonntage nicht magst, werde ich mir einen schönen Sonntag machen.

bonanzaMARGOT - 09. Jul. 17, 12:22

das ist dir freilich unbenommen. und was willst du mir damit sagen?
rosenherz - 09. Jul. 17, 12:36

Was ich damit sagen will? Wir haben die freie Wahl, ob wir den Sonntag mögen oder nicht bzw. wie wir ihn (unabhängig von der Erwerbsarbeit) gestalten.
bonanzaMARGOT - 09. Jul. 17, 13:01

mir wäre es am liebsten, wenn es diese spießigen sonntage gar nicht mehr gäbe.
ich mag diese konventionelle uralte verschimmelte gliederung der woche nicht.
es gibt dinge, an die ich mich nicht gewöhnen kann oder will (wie z.b. der schmonsens ehe, weihnachten oder der autowahnsinn unserer gesellschaft... und vieles mehr).

wie immer drücke ich hier nur meine meinung aus und will damit niemanden demütigen, der anderer meinung ist. sowieso will ich niemanden davon abhalten, sein leben nach eigenem geschmack zu gestalten.
rosenherz - 09. Jul. 17, 22:15

Der arbeitsfreie Sonntag ist eine Errungenschaft der Arbeiterbewegung, die sich dieses Recht auf einen arbeitsfreien Tag mühsam erkämpft hat. Du bezeichnest den Sonntag als spießig, das sei dir belassen als dein persönlicher Standpunkt.
Doch längst nicht überall gilt das Recht auf den freien Sonntag in allen Ländern. Ich möchte weder in der Haut jener stecken, die 7 Tage die Woche in stickigen Fabrikshallen arbeiten müssen und noch dazu bis zu 15 Stunden pro Tag, wie das häufig in der Textilindustrie vorkommt, noch möchte ich den Sonntag als persönliche Zeitressource missen, in der ich mich erholen oder Kultur genießen kann .
bonanzaMARGOT - 10. Jul. 17, 05:11

wenn ich was gegen den sonntag habe, dann nicht als freien tag für den arbeitenden menschen.
ich habe was gegen diese altbackene gliederung der woche und gegen den sonntäglichen spießermief. warum müssen sich das alle menschen überstülpen lassen?
man könnte über bessere u. flexiblere wochen- bzw. monatsmodelle nachdenken. bloß weil irgendwer irgendwann was festlegte, muss dies doch nicht bis in alle ewigkeit so bleiben.
mac38 - 09. Jul. 17, 13:11

Warum gehst du nicht mit ins Museum?

Alle Kontakte mit der Außenwelt liefern Inspiration, von nichts kommt nichts. ;)

bonanzaMARGOT - 09. Jul. 17, 13:15

eine abwägungssache

stimmt, was du sagst. aber ich habe keinen bock auf die verstaubte museumsatmosphäre und die menschen dort.
steppenhund - 09. Jul. 17, 19:23

Aber geh, so leblos sind doch die Museen heute nicht mehr.
Das war einmal.
steppenhund - 09. Jul. 17, 19:28

interessantes Erlebnis

Ich ging einmal in Wien in eine Sonderausstellung der Albertina mit Bildern von Van Gogh. Die Ausstellung wurde mit einem Bild von ihm beworben, dass ich schon oft gesehen hatte. Drei Boote am Ufer.
Als ich dieses Bild in der Ausstellung sah, (im Orginal) war ich von den Socken. Das Bild leuchtete als wäre es ein Dia. Die Farben waren so lebendig, dass ich glaubte, die Wärme der Sonne spüren zu können. Ich setzte mich hin und liess das Bild eine halbe Stunde lang auf mich einwirken.
Ich denke, dass Museen das vermitteln können, was andere Menschen bewegt hat, was sie beeindruckt hat, was sie vermitteln wollen. Mit "andere Menschen" meine ich nicht die anderen Besucher, sondern die Künstler selbst. Ist das nicht wunderbar, wenn man erkennt, dass jemand nicht nur ans saufen, fressen und vögeln denkt.
iGing - 09. Jul. 17, 21:06

@Steppenhund
Wunderbar, dass man so eine Erfahrung mitgeteilt bekommt! Wenn ich mal die Gelegenheit bekomme, eine van-Gogh-Ausstellung zu besuchen, werde ich sie ganz sicher wahrnehmen!

Obwohl ich mich von Museen eher fernhalte, konnte ich doch nicht umhin, mir das Picasso-Museum in Barcelona anzuschauen. Da gab es ein Bild, das kannte ich überhaupt nicht, aber das hat mich einfach fasziniert: Wenn man es aus der Nähe betrachtete, konnte man jeden einzelnen Pinselstrich, aber kaum das eigentliche (Gesamt-)Bild erkennen. Es war KEIN abstraktes Gemälde!
Auf einem Druck ist natürlich das Gesamtbild wiedergegeben, aber das Zusammenspiel von diesen einzelnen, fast unzusammenhängenden Pinselstrichen und dem Gesamteindruck hatte etwas Faszinierendes, und ich sah, dass ein solches Zusammenspiel nur auf dem Originalgemälde möglich ist.
Das hat mich sehr beeindruckt; und so etwas kann man tatsächlich nur im Museum erleben.
bonanzaMARGOT - 10. Jul. 17, 05:19

ich sage ja nichts gegen die in museen ausgestellten exponate. trotzdem halte ich es in solchen "hallen" nicht lange aus.
fata morgana - 09. Jul. 17, 15:20

...und wenn du ein stück mit dem rad fährst, irgendwo ins grün von berlin. mit einem buch, stift und papier oder einfach nur mit einer decke ?

bonanzaMARGOT - 10. Jul. 17, 05:17

eine schöner vorschlag, fata morgana.
wobei berlin ziemlich überlaufen ist. aber bestimmt lassen sich trotzdem schöne plätze finden, wenn man nur lange genug ausschau hält.
fata morgana - 10. Jul. 17, 07:43

vielleicht findest du ja irgendwo einen 'geheimplatz'. ein fleck erde, der dann nur dir gehört. ich hatte selber mal sowas, in einer schlimmen zeit...
einen guten start in deine neue woche :)
SpeziellesKänguru - 10. Jul. 17, 08:12

Hoffentlich ist es doch noch nicht soweit... Das heißt noch nicht so schlimm. Die Zeiten meine ich.
bonanzaMARGOT - 11. Jul. 17, 05:07

eine schlimme zeit nicht, aber in meinem empfinden keine sehr gute zeit.

plätze, wo ich gern allein verweilte, die ich immer wieder aufsuchte, wenn ich mit der welt haderte, hatte ich vor allem als kind und junger mann einige.
es ist gar nicht so einfach, solche positiv besetzte orte für sich zu finden... ich habe das gefühl, dass es mit den jahren schwieriger wurde.
SpeziellesKänguru - 11. Jul. 17, 09:46

Wie kann man sich auf Orte angewiesen fühlen, kann ich nicht nachvollziehen? Das ist der größte Unsinn, den man sich vormachen kann. Entschuldigung, wenn das etwas schroff klingt. Schreibe ja aus dem Krankenhausbett :))

Wenn man sich richtig unwohl oder unglücklich fühlt, setzt man sich doch mit Ursachen auseinander. Und handelt dann entsprechend. Das klingt vielleicht zu nüchtern und pragmatisch, aber so ist meine Lebenseinstellung. Jammern und den Kopf in den Sand stecken ist persönlich nicht mein Ding...

fata morgana - 11. Jul. 17, 20:54

wie du schreibst, es ist 'deine lebenseinstellung', andere menschen dürfen doch anders denken und empfinden...?
und das hat weder was mit "jammern" noch mit "kopf in den sand stecken" zu tun.
SpeziellesKänguru - 12. Jul. 17, 07:57

Ja, das ist MEINE Lebenseinstellung. Andere Menschen müssen sich nicht unbedingt pikiert fühlen, wenn die thematisiert wird.
SpeziellesKänguru - 11. Jul. 17, 10:58

Nochmal Pardon - wollte hier nicht klugscheißen.

bonanzaMARGOT - 11. Jul. 17, 12:26

Ich sehe hier keine Klugscheißer, aber auch niemanden, der den Kopf in den Sand steckt, weil ihm manche Plätze Trost spenden und ihn beruhigen oder erfreuen. Es gibt Menschen, die gehen dazu in die Kirche.... Ich erfahre eben lieber an anderen Orten mein Heil, oder wie man das nennen soll.

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