Büromania


Die Kapriolen des Wetters schlagen aufs Gemüt. Anfang Juli, jede Menge Regen und kühle Temperaturen. Fürs wohlverdiente Wochenende hätte ich mir ein wenig Sonne gewünscht, etwas Aufmunterung für meine büromüden Glieder. So fühlt sich also ein Bürojob an. Nach vier Monaten bin ich mehr als drin. Überdruss macht sich breit. Die Tumordokumentation ist oft eine zähe und unzufriedenstellende Angelegenheit. Ich brüte über den Fällen und kloppe sie ins Tumordokumentationssystem. An einem guten Tag komme ich auf Dreißig. Mehr schaffe ich (noch) nicht. Zurzeit arbeite ich kunterbunt alles an Papiermeldungen ab: Diagnosebögen, Therapiebögen, Todesmeldungen, Epikrisen, Histologien... alle Entitäten.
Nach acht Stunden vor den Computerbildschirmen habe ich Augenkrebs, und mein Kopf wünscht sich nur noch Entspannung.
Vom diesjährigen Sommer bekam ich bisher nicht viel mit. Die Arbeit bestimmt den Alltag. Für Unternehmungen nach Feierabend und an den Wochenenden fehlen mir meist Energie und Lust.
Ich befinde mich wieder mitten in der Tretmühle mit all ihren Mühseligkeiten. Zum einen froh, dass ich den Absprung aus der Altenpflege schaffte – habe ich nun einen Job, der mich auf andere Weise erschöpft. Zum einen stolz auf das, was ich in den letzten zwei Jahren leistete, um überhaupt an diesen Punkt zu kommen – hadere ich mit dem Weg, den ich einschlug. Ich weiß, ich könnte mehr als zufrieden sein – und bin`s verflucht noch eins nicht!
Wie bei einem Puzzle, das sich nach und nach zu einem verständlichen Bild zusammensetzt, verändert sich mit jedem neuen Tag ein klein wenig die Sicht auf die Menschen, Dinge und Orte im Leben. Und irgendwann fragt man sich: Wohin verschwand die Sonne? Wo blieben Glück und Ausgelassenheit? Was ist mit dieser Stadt und ihren Menschen passiert? War die Welt schon immer so verrückt? Wohin ging die Liebe? Was ist mit mir?

Meine Kollegin trinkt viel Tee. Auf den Etiketten ihrer Teebeutel stehen kluge Sprüche. Sie kam um den Schreibtisch herum und reichte mir eins der Etiketten. Ich las: „Deine Überzeugung ist deine Stärke“. „Hm-hm-hm“, brummte ich in meiner Manier und bedankte mich.
Ich bin froh über jeden zwischenmenschlichen Anker, jede nette Geste und jedes freundliche Gespräch, welche den Bürotag auflockern und gefühlt verkürzen.

SpeziellesKänguru - 01. Jul. 17, 09:59

die liebe ist doch da, sie geht nicht weg, trotz aller büros der welt.

bonanzaMARGOT - 01. Jul. 17, 10:11

ich weiß nicht. wahrscheinlich stehe ich im nebel.
SpeziellesKänguru - 01. Jul. 17, 10:17

tust du nicht, bist einfach müde und bei der umstellung.

bonanzaMARGOT - 01. Jul. 17, 10:30

tz tz
SpeziellesKänguru - 01. Jul. 17, 10:52

Kuss!


bonanzaMARGOT - 01. Jul. 17, 10:52

o gott!
rosenherz - 02. Jul. 17, 08:12

Gott?
bonanzaMARGOT - 02. Jul. 17, 09:03

ja, in der sprache taucht er manchmal auf.
iGing - 01. Jul. 17, 11:13

"Ich bin froh über jeden zwischenmenschlichen Anker, jede nette Geste und jedes freundliche Gespräch, welche den Bürotag auflockern und gefühlt verkürzen."

Den Satz könnte man an jede Bürotür hängen. Eine nette Geste könnte also auch von dir kommen und den Bürotag der Andern auflockern!

bonanzaMARGOT - 01. Jul. 17, 11:21

na klar. jeder mensch ist anders und zeigt seine anteilnahme, seinen humor etc. dementsprechend anders.
ich brauche für gewöhnlich etwas zeit, um aus mir rauszukommen... das ständige herumgequatsche um nichts und wiedernichts (in meiner umgebung) gehr mir auf den senkel.
ich gebe mir trotzdem mühe, kein griesgram zu sein. obwohl ich gewisser weise einer bin. mehr geht nicht.
steppenhund - 01. Jul. 17, 11:37

Brauche ich dir wohl nicht zu erzählen, aber ich tu es trotzdem. Acht Stunden vor dem Bildschirm ist durch entsprechende sieben zehnminütige Pausen zu unterbrechen.
Das ist bei uns sogar gesetzlich festgelegt. (Arbeitsrecht)
Ich habe das selbst zwar nicht beherzigt, aber meine Arbeit war einfach so spannend, dass ich mich nicht darum geschert habe. Wenn ich allerdings Müdigkeitserscheinungen verspürt habe, habe ich sofort immer aufgehört.
Ich habe es sogar begrüßt, dass rauchende Mitarbeiter von mir auf den Gang mussten. Dadurch haben sie diese Pausen automatisch eingehalten.
Aber eines ist sicher: wenn die Mitarbeiter freundlich sind, hilft einen das schon ganz schön weiter.

bonanzaMARGOT - 01. Jul. 17, 11:55

von diesen vorgeschriebenen pausen hörte ich freilich auch schon...
ich werde dran arbeiten. aber was mache ich dann in einer solchen pause? außerdem schaue ich doch nicht auf die uhr - aha, nun ist wieder eine pause fällig!
das ist in meinen augen alles humbug, entschuldige. lieber würde ich früher feierabend machen, selbstverständlich fürs selbe gehalt.

ja, die raucher machen regelmäßig ihre pausen... , und sie haben einen anlass. das war auch in der altenpflege so. wir sollten alle raucher werden.
steppenhund - 01. Jul. 17, 12:55

Nein, Du irrst dich da. Es ist kein Humbug! Die Belastung für die Augen ist eindeutig eine ziemlich starke. Es steht dir natürlich frei, entsprechende Warnungen zu ignorieren.
rosenherz - 02. Jul. 17, 08:31

Heißt es nicht in der Arbeitsmedizin, kleine regelmäßige Pausen dienen besser der Erholung, als eine längere Pause nach einem langen Arbeitseinsatz einzulegen?
bonanzaMARGOT - 02. Jul. 17, 08:46

die medizin sagt oft mal hü und mal hott.

mit humbug, steppenhund, zielte ich nicht auf die sinnhaftigkeit von pausen ab sondern auf ihre umsetzbarkeit unter gegebenen umständen.
ich finde, es ist schon viel zu viel geregelt.
diefrogg - 01. Jul. 17, 15:09

Hallo BoMa

Du hast auf meinem Blog nachgefragt, was ich denn so treibe - das ist inzwischen einen halben Monat her. In der Zeit war ich im Tessin. Wir sind eben erst zurückgekommen. Vielleicht werde ich ein paar unserer Abenteuer hier auf dem Blog festhalten.

Dir wünsche ich, dass es Dir gelingt, der Arbeit etwas Freude abzugewinnen (stelle ich mir schwierig vor, bei Tumordokumentationen, aber wahrscheinlich kann man darin wenigstens einen Sinn sehen.

Grüsse Dich herzlich!

bonanzaMARGOT - 02. Jul. 17, 08:59

schön, dass du dich meldest, diefrogg!

es ist wirchlich nicht einfach, an der tumordokumentation freude zu haben. jedenfalls ist sie für mich eine große wissensbereicherung - was ich alles über tumoren in den letzten monaten lernte, enorm! manche fälle sind zudem spannend... aber eben auch anstrengend in der recherche und in der eingabe ins dokumentationssystem. die arbeit erfordert sehr viel konzentration.
einen sinn macht die arbeit bestimmt, wenn die daten, die wir einpflegen, dann auch mal ausgewertet werden...

ich glaube ich bin urlaubsreif, muss aber noch fast zwei monate warten.

bestimmt bringst du schöne erlebnisse u. abenteuer mit aus dem tessin. ich bin gespannt auf deine berichte. leider nehmen die blogbeiträge immer weiter ab bei twoday... na ja, in der urlaubszeit war das ja schon immer so, dass weniger gebloggt wurde.

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