Sekt oder Selters (II)


Die Erde nicht als Mittelpunkt des Universums zu sehen, war das Eine. Dass die Menschen davon abrücken, sich als Krönung der Schöpfung aufzufassen, erscheint dagegen beinahe unmöglich. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr.

Mit dem Nutzen der menschlichen Intelligenz verhält es sich ähnlich wie mit Medikamenten und ihren Nebenwirkungen. Die Nebenwirkungen können unter Umständen verheerender sein als der Nutzen des Medikaments.

Wir bräuchten eine Intelligenz, welche über unsere Intelligenz wacht. Eines Tages die KI?
Und hoffen, dass die KI weiser als der Mensch sein wird.

Ich stelle mir eine zukünftige Welt vor, in der die Menschen mittels sanfter Gewalt gezwungen werden, friedlich zusammenzuleben. Alle Güter wären gerecht verteilt, so dass niemand mehr Hunger leiden müsste und jeder ein Dach über dem Kopf hätte. Die Herausforderungen der Menschen beständen nicht mehr in der gegenseitigen Ausbeutung und im Streben nach Macht und Reichtum, sondern in der Erforschung des Weltalls und des Lebens, des Daseins an sich.
Selbstverständlich würde man sich dabei als Teil der Schöpfung empfinden und nicht mehr als deren Krönung.

Es liegt in der Natur einer Utopie, dass sie naiv erscheint.
Die Utopie einer besseren Welt ist ein Menschheitstraum. Und ich meine, nicht der schlechteste.

Wir brauchen nicht den Umweg über Gott.

Die Menschheit befindet sich am Scheideweg: Sekt oder Selters. Heilvolle Weiterentwicklung oder Untergang.

NBerlin - 09. Apr. 17, 11:40

Ja von Medikamenten und deren Nebenwirkungen kann ich ein Lied singen. Was bringt es keine Krankheitssymptome mehr zu haben, wenn man gleichzeitig zum emotionslosen Roboter wird und wie scheintod durchs Leben schreitet?

Richtig wir sind nicht die Krönung, sondern nur ein Teil der Schöpfung und Bibel-Zitate, dass sich der Mensch den Rest der Welt zum Untertan machen soll halte ich für eine falsche Übersetzung.

bonanzaMARGOT - 09. Apr. 17, 11:49

ja. du musstest durch deine erkrankung diese erfahrung machen. vielleicht ging es nicht anders. keine ahnung.
wichtig ist..., dass dein leben wieder ins rollen kommt, möglichst ohne durch medikamente unterdrückte emotionen, aber auch ohne das zurückgleiten ins alte krankheitsbild.
dafür wünsche ich dir von herzen alles gute!!
rosenherz - 09. Apr. 17, 17:56

Der Mensch als Krone der Schöpfung bezieht sich darauf, dass er weder ortsgebunden ist wie die Pflanzenwelt, noch an seine Instinkte und Begierden gebunden, wie die Tiere. Der Mensch in seiner Daseinsform stellt die höchste Form der Autonomie dar. Und er ist mit der Fähigkeit des Denkens und der Willenskraft ausgestattet, was weder dem Tier noch der Pflanze möglich ist.
Die Krone der Schöpfung heißt nicht, das Recht auf unbegrenzte Ausbeutung und Zerstörung des Planeten und seiner Mitgeschöpfe.

bonanzaMARGOT - 09. Apr. 17, 19:55

jedes verdammte lebewesen könnte mindestens ebenso viele gründe anführen, warum gerade es die krönung der schöpfung sei (und nicht der mensch).
iGing - 10. Apr. 17, 09:44

Gut, dann lass jedes andere Lebewesen seine Gründe anführen - jedes darf sich mit Recht als Krone der Schöpfung fühlen!
Und was bedeutet das dann? Worauf kann sich (auch) jedes andere Lebewesen berufen, um sich als Krone der Schöpfung zu rechtfertigen? Das einzige, was diesen Platz rechtfertigt, ist die Tatsache, ob dieses Lebewesen seiner Bestimmung gerecht wird.
Nun scheint jedes (andere) Lebewesen (als der Mensch) seinen Platz im Ganzen fraglos einzunehmen und zu erfüllen, nur die Menschen rätseln herum, was sie hier sollen.
Vielleicht hat aber jedes Lebewesen seine eigenen Gründe, warum es sich als Krone der Schöpfung sieht. Und was ist dieser Grund dann beim Menschen?
Ich denke, beim Menschen kann es nur daran liegen, dass er in sich eine außerordentliche Qualität wahrnimmt, von der er unterstellt, dass nur er sie hat und andere Lebewesen nicht. [Aber es ist eigentlich egal, ob andere Lebewesen sie haben oder nicht, das müssen die unter sich ausmachen.]
Für den einzelnen Menschen ist nur wichtig, dass er das entdeckt und kennenlernt, das es ihm ermöglicht, "menschlich" zu sein und diese Qualität auch in anderen zu sehen.
Das Empfinden von Menschlichkeit und ein entsprechendes Verhalten sind keineswegs selbstverständlich, obwohl es doch zum Wesen des Menschen gehört/gehören muss, wie die Bezeichnung "menschlich" ja schon sagt.
Menschlichkeit zu empfinden und zu zeigen! Wer das nicht kennt, lebt am Menschsein vorbei. Mit oder ohne Krone - es geht darum, etwas zu sehen und zu sein, das alle Menschen eint und von jedem Einzelnen empfunden werden kann.
david ramirer - 10. Apr. 17, 09:55

wenn man von einer "schöpfung" ausgeht, dann kann man sich ruhig auch eine "krone" aufsetzen... aber schon der erste begriff ist ja eine fragwürdige idee. nur ein wort unter so vielen anderen, das im grunde nichts bedeutet.
bonanzaMARGOT - 11. Apr. 17, 05:29

@ iging

ein schönes plädoyer für die (mehr) menschlichkeit. ich will nicht widersprechen, weil in bezug auf die menschlichkeit viel luft nach oben ist.
dass sich der mensch als das herausragende lebewesen auf der erde (oder gar im gesamten universum) sieht, halte ich für vermessen. ich würde sogar von größenwahn sprechen. die grundhaltung des menschen wird dadurch deutlich, der wirklich (wie es in der bibel geschrieben steht) glaubt, sich die erde untertan machen zu können, statt sich in ökologischem sinne in die ordnung der natur einzufügen, d.h. die mitgeschöpfe (lebewesen und pflanzen) zu achten und demenstprechend zu behandeln. leider mauserte er sich jedoch zum könig der ausbeuter. "krönung der schöpfung" kann ich daher nur mit einem ironischen lächeln quittieren..., denn noch nie (so weit ich weiß) gab es ein lebewesen, das wie der mensch in erdgeschichtlich nur sehr sehr kurzer zeitspanne durch sein wirken die gesamte biosphäre bedrohte.
der mensch ist die "krönung"! allerdings die krönung an unvernunft und irrsinn!

dass er mitunter auch gute seiten zeigt, ist im einzelfall tröstlich, aber es ändert nichts an der gesamtlage.
bonanzaMARGOT - 11. Apr. 17, 05:35

@ david

ich verstehe nicht ganz, was du mit nichts meinst. die "schöpfung" sei nichts?
vielleicht steckt in dem begriff zu viel pathos... mag sein. wegen mir könnte man auch einfach vom "dasein" reden. und dieses dasein empfinde ich als ein wunder, welches viele viele fragen offen lässt.
nihilismus ist in meinen augen eine sackgasse..., obwohl ich manchmal auch in dieser stimmung bin, alles für total sinnlos zu halten.
bonanzaMARGOT - 11. Apr. 17, 07:25

@ iging,
kann du das, was du als bestimmung eines lebewesens ansiehst, bitte näher erläutern?
david ramirer - 11. Apr. 17, 09:09

ich meinte, dass an der "schöpfung" eben auch ein "schöpfer" dranhängt... und an den glaube ich eben einfach nicht.

wenn man aber an den glaubt, dann ist diese "ordnung" mitgedacht: die schöpfung ist vom schöpfer geschaffen, und der ist dadurch natürlich "über" der schöpfung (auch wenn die religionen immer wieder betonen, dass diese trennung nicht so gemeint ist, er teil seiner schöpfung ist, usw. bla bla bla).
wenn nun der mensch von dieser "krone" spricht, dann spiegelt er diesen selbstausgedachten schöpfer in sich hinein, und das ist eine so leicht zu durchschauende hybris, dass es mir den magen umdreht.

das wort "dasein" gefällt mir besser, weil es eben keine derartigen ordnungen hat, zumindest nicht zwingenderweise, weil eben auch tiere, pflanzen, steine und planeten einfach "da" sind. ob es da etwas zu "werten" gibt, ist dann jedem selbst überlassen, und damit fühle ich mich wohler.
bonanzaMARGOT - 12. Apr. 17, 05:42

bei einer schöpfung muss man nicht zwingend an einen schöpfer denken.
der begriff "schöpfung" beschreibt meines erachtens ganz gut die kreation und dynamik der welt. schöpfung kann aus den vorhandenen elementen und kräften in selbstorganisation stattfinden. der mensch in seiner egozentrik kann sich das nur sehr schwer vorstellen, und darum verknüpft er einen schöpfer (bzw. einen oder mehrere götter) mit den mysterien der welt (der schöpfung). die kausalitäts-logik führt ihn zurück an einen anfang, der mit etwas ausgefüllt werden muss... hinzu kommt die moralische dimension menschlichen denkens von gut und böse (noch ein bisschen wahnsinn dazu, und fertig ist das potpourri einer theologie).
steppenhund - 10. Apr. 17, 14:39

die Krone der Schöpfung

Persönlich halte ich die Auffassung, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, für einen Irrtum. Und als solcher steht er für eine unheimlich Anmassung, derer sich der Mensch bedient.
Die Gefühlswelt des Menschen (global gesehen) scheint nicht verbesserbar zu sein. Eine Entwicklung lässt sich anhand der uns bekannten Kulturgüter (speziell Theater) nicht erkennen. Das macht aber nichts. Irgendwann werden uns unsere triebhaften, nicht steuerbaren Emotionen in einen Vernichtungskrieg führen. Danach startet die Natur einen neuen Evolutionsversuch. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.
Und so ideal ist die menschliche Physis ja auch nicht, wenn man bedenkt, dass einige Tiere und Bäume viel älter als wir werden können. Vielleicht könnten wir auch älter werden, wenn wir ein bisschen "intelligenter" wären. Das spielt es aber nicht.

bonanzaMARGOT - 11. Apr. 17, 05:45

im ersten teil deines kommentars stimme ich dir zu.
aber wenn du im zweiten teil von vernichtungskrieg sprichst, will ich kritisch anmerken, dass der mensch trotz seiner übeheblichkeit und ignoranz bzw. dummheit mit etwas glück eine chance auf ein überleben hat. und die hoffnung auf geistige weiterentwicklung sollte man sowieso nicht aufgeben... möglicherweise wird, wie ich es in meinem beitrag schreibe, die KI den menschen an intelligenz und weisheit überholen und ihn dann (sanft) in seine grenzen weisen.

einfach nur intelligenter sein nützt eben nichts, ist sogar bedrohlich, wenn es an der nötigen weisheit mangelt.
steppenhund - 11. Apr. 17, 13:52

Da habe ich nichts hinzuzufügen. Ich denke, dass ich schon erzählt habe, dass mein Buch eher den zweiten Teil deiner Antwort beschreibt. Aber wie Du dir leicht denken kannst, wird das bei den meisten Menschen ein ziemliches Unbehagen hervorrufen.
bonanzaMARGOT - 12. Apr. 17, 05:33

bin gespannt auf dein buch.
bonanzaMARGOT - 18. Apr. 17, 10:34

@iging

Mit der Löschung des Fadens hast du, finde ich, gewaltig überreagiert.

iGing - 18. Apr. 17, 14:34

Eigentlich wollte ich nur einen Teil löschen, aber das ging leider nicht.
bonanzaMARGOT - 18. Apr. 17, 15:09

Ich hätte lieber meinen Kommentar gelöscht... seufz.

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