Blues im Glas


Das Leben ist eine Kette. Ein Glied fügt sich zum anderen. Wir schlucken es. Den billigen und den teuren Fusel. Wir kultivieren selbst die verkorkstesten Geschichten. Die Gier treibt uns in den Wahnsinn. Langsam aber sicher. Der Teufel ist die Putzfrau unserer verlorenen Seelen. Jeder einzelne trägt den Mist aller in sich. Wir bezahlen den Gefängniswärter dafür, dass er die Türen auch gut abschließt. Die Freiheit wäre unser größter Albtraum. Eine perfekte Inszenierung das Ganze.
Ich habe das Herz eines bellenden, geifernden Hundes mit einem toten Schwanz. Die Farben des Tages verhöhnen mich. Und wieder macht es Klick – das nächste Kettenglied dockte an. Ein Sonntag in Berlin. Ich überlasse mich dem Blues im Glas. Nur einige Tausend Kilometer unter meinen Füßen schwitzt der metallische Erdkern mit unendlicher Hitze…
Stoisch hänge ich die Wäsche auf und blicke dabei in einen Ausschnitt blauen Himmels über der Stadt. Wir wissen einfach viel zu viel, denke ich und ärgere mich schließlich (wie jedes Mal) über die vielen fummeligen Unterwäschestücke meiner Partnerin.

diefrogg - 22. Jan. 17, 18:04

Schöner Text!

Köstlich sogar - möge der Erdkern die Unterwäsche Deiner Partnerin wärmen.

bonanzaMARGOT - 23. Jan. 17, 08:58

danke!
die wäsche steht vor der heizung - der erdkern muss sich nicht bemühen.
SpeziellesKänguru - 22. Jan. 17, 22:20

Ja, möge er das. HaHaHa.....

rosenherz - 23. Jan. 17, 13:32

"Wir wissen einfach viel zu viel, denke ich ..."

Dazu fällt mir ein Satz ein, der mir immer wieder unterkommt: Wissen bleibt nutzlos, wenn wir es nicht in Beziehung bringen zu unserem eigenen Leben. - Es wird totes Wissen, das die Psyche zumüllt.

bonanzaMARGOT - 23. Jan. 17, 13:56

es ist mehr als ein zumüllen... eher hintelässt einen das wissen ratlos und führt zu inneren widersprüchen, wenn man es ernsthaft in seinem denken aufnimmt.
bonanzaMARGOT - 23. Jan. 17, 13:59

zugemüllt werden wir mehr duch die wahnsinnige informationsflut, aus der wir erst das wissen generieren müssen.
rosenherz - 23. Jan. 17, 22:07

Vielleicht hätte ich besser "Wissensinhalte" schreiben sollen.
rosenherz - 23. Jan. 17, 22:12

Wenn mir mal wieder die Informationsflut zuviel geworden ist, hilft es mir sehr, Fernseher und Radio (tagelang oder wochenlang) ausgeschaltet zu lassen und die Zeitung(en) ungelesen. Und (möglichst viel) Zeit in der Natur draußen zu verbringen. Das ist, als würde ich durch die Begegnung mit der Pflanzenwelt das innere Chaos abstreifen.
In diesem Bereich weißt du auch selbst am besten, was dir da hilft oder gut tut.
bonanzaMARGOT - 24. Jan. 17, 08:52

man kommt leicht ins straucheln beim wort wissen. was ist wissen? es gibt so viele arten davon.
als kind wussten wir jedenfalls eindeutig weniger und hatten eine unbefangenere und naivere sicht auf die welt. ebenso war die menschheit in früheren zeiten unwissender, was die beschaffenheit der welt angeht. wir wußten noch nie so viel wie heute von mikro- und makrokosmos, der chemie, der medizin etc.
dieses mehr an wissen beeinflusst nicht gerade unwesentlich unsere weltsicht..., wenn wir es tiefer in unsere seelen eindringen lassen, wenn wir die bedeutung begreifen (nur annähernd begreifen).
vieles weiß man und macht sich die bedeutung dessen gar nicht bewusst, sondern sagt bei nachfragen lapidar: ist eben so.
stelle dir nur mal die erde mit ihrem heißen metallischen erdkern vor, auf deren oberfläche wir diesen ganzen quatsch veranstalten - als wären wir vom wahnsinn freigelassene krabbeltierchen. der mond blickt auf uns runter, kratzt sich an seiner dunklen seite: was geht da auf dem schwesterchen erde vor sich?!? was ist das für`ne verdammte seuche?
obwohl wir so viel wissen, wissen wir eigentlich gar nichts, denke ich... z.b. beim wäscheaufhängen...

ja, in die natur hinaus gehen, ist auch für meine seele sehr entspannend. ein stündchen reicht schon aus. ich mache das leider viel zu selten hier in berlin... und im winter. drum liebe ich das reisen mit fahrrad und zelt - einfach mal weg vom trubel und in eine andere selbstverständlichere welt eintauchen. dass wir menschen dies können, liegt freilich in der hauptsache daran, dass wir in der natur quasi keine feinde mehr haben. wir können als die herren im walde unsere spaziergänge machen.
rosenherz - 23. Jan. 17, 22:22

Die inzischen verstorbene Vera Birkenbiehl hat bei der Frage "Wie erkenne ich wichtiges Wissen?" mal empfohlen, sich vor dem Lesen, Fernsehen oder Radiohören drei (selbstgewählte) Fragen zu stellen, welche ich durch die Sendung (oder Zeitung) beantwortet haben möchte, und sich erst dann dem Medium zuzuwenden. Damit würde das Gehirn sich auf das fokussieren, was in Bezug zum Wesentlichen steht, das im eigenen Inneren bedeutsam ist.

bonanzaMARGOT - 24. Jan. 17, 08:57

hm. ist so ähnlich wie beim einkauf im supermarkt. man sollte sich vorher genau überlegen, was man wirklich braucht, das notieren und dann möglichst wenig vom plan abweichen.
wir menschen lassen uns allzu gern ablenken...

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