Das Geheimnis des Nudelbauern (V)


V

"Die Geschichte des Nudelbauern (Teil 1)"


Für meinen Bericht entnahm ich Reginas Protokoll des Gespräches zwischen Kaiman Fallala und dem Nudelbauern folgende Sequenzen:

„Bruno*, vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft und Bewirtung.“
(*Der Nudelbauer wollte nicht, dass sein voller Name genannt wird.)
„Es ist mir eine Ehre, Mister Fallala, Sie und Ihre Leute in meinem bescheidenen Zuhause willkommen zu heißen.“
„Ich würde gern ohne Umschweife auf den Grund unseres Hierseins kommen.“
„Bitte, bitte!“
„Sie behaupten also im Ernst, dass auf einem Ihrer Felder Nudeln wachsen!?“
Der Nudelbauer räusperte sich verlegen.
„Ich weiß, dass es unglaublich klingt… Am besten erzähle ich die Geschichte von Anfang an.“
„Wir sind ganz Ohr, Bruno.“

„Es begab sich an einem Sonntagmorgen vor zehn Jahren, da erschien mir die Jungfrau Maria in meiner Kammer. Sie war weiß gewandet und von einem goldenen Lichtkranz umgeben. „Folge mir“, bedeutete sie mir, wobei sie die Lippen nicht bewegte, sondern mich nur anblickte. Niemals werde ich ihren gütigen Gesichtsausdruck vergessen. Er strahlte vollkommene Reinheit aus. Wie in Trance verließ ich meine Kammer und ging, wie ich war, im Schlafrock, hinaus in den kühlen Frühlingsmorgen. Es dämmerte und dicke Nebelschwaden hingen träge über den Wiesen und Feldern. Die Lichterscheinung der Jungfrau schwebte mir voran. Ich hatte kein Zeitgefühl, und obwohl ich das Gelände wie meine Westentasche kenne, kam mir an jenem Morgen alles fremd und unwirklich vor. Barfüßig ging ich über Äcker und Wiesen. Der Saum meines Schlafrockes wurde nass vom Tau. Schließlich stoppte die Lichterscheinung über einem kleinen Acker am Rande eines Olivenhains. Ich fand nichts Besonderes daran. Doch die Stimmer der Jungfrau sprach in meinem Kopf: „Bruno, dieser Boden ist heilige Erde. Du bist der Auserwählte - du wirst ernten, was auf ihr wächst. Es ist für den Heiligen Vater.“ Ich sah, wie die Jungfrau etwas in die Luft warf, woraufhin eine Art feiner Goldregen auf dem bezeichneten Acker niederging. „Merke dir gut die Stelle“, sagte die Stimme, „aber zeige sie niemandem!“ Ich rieb mir die Augen, weil ich nicht glauben konnte, dass dies tatsächlich geschah. Indes schwebte die Jungfrau über den Olivenhain davon und ließ mich verwundert und unterkühlt zurück.“
Der Nudelbauer nahm einen kräftigen Schluck Wein und fuhr sich mit seinem behaarten Handrücken über den Mund.
„Wussten Sie damals schon, um was es ging, ich meine, dass Sie Nudeln ernten würden?“
„Nein, nein, nein!! Ich zweifelte an meinem Verstand! Am liebsten hätte ich das Ganze vergessen. Ich redete mit niemandem darüber. Aber aus Neugierde begab ich mich regelmäßig an die Stelle, um nachzusehen…, und eines Tages sah ich es!“
„Was? Die Nudel?“
„Gewissermaßen.“

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