Wo kommen die ganzen Seelen her?


Im Unterricht kamen wir auf den medizinischen Fortschritt zu sprechen, der uns Menschen nicht immer zum Segen gereicht. In der Klasse wurde munter diskutiert. „Ich wollte nicht ewig leben“, meinte eine Mitschülerin. Der Lehrer runzelte die Stirn und entgegnete: „Kommt auf die Qualität des Lebens an.“ Ich stimmte dem zu: „Wenn man die Altersmaläste im Griff hätte, warum nicht – ich habe mich inzwischen an mich gewöhnt und weiß, was ich an mir habe. Da ist es doch besser ewig zu leben als z.B. wiedergeboren zu werden… als was auch immer.“ Mein Einwurf ging im Durcheinander des allgemeinen Geredes unter. Die Klasse ist sehr lebhaft. Die Kommunikationstrainerin antwortete der Schulleiterin auf deren Frage, wie denn die neue Klasse so wäre: „Sehr kommunikativ.“ Die sieben Damen um mich herum sind wirklich nicht auf den Mund gefallen und recht mitteilungsbedürftig. Das ist mitunter anstrengend für mich (und sicher auch für die Dozenten, weil der Unterrichtsfluss oft unterbrochen wird), aber auf der anderen Seite ist immer was los, und es wird viel gelacht. Für mich überwiegt der positive Eindruck. Als Altenpfleger ist mir der Umgang mit (geschwätzigen) Damen nicht fremd. Zicken sind, hoffe ich, nicht unter meinen Klassenkameradinnen. Die erste Schulwoche verging flott. Als ich mich am Freitag auf den Heimweg ins Wochenende machte, fühlte ich mich regelrecht beschwingt. Die Sonne schien, und ich freute mich darauf, zweimal ausschlafen zu können.
Inzwischen hielt der Herbst Einzug in Berlin. Der Wind bläst kühl durch die Straßen. Dunkle Wolken treiben über den Himmel. Die feuchte Luft riecht nach Erde. Binnen einer Woche vollzog sich ein erheblicher Wandel – in der Natur und auch für mich.
...
Es ist komisch: manchmal habe ich das Gefühl, die gesamte Welt wäre beseelt und brüchig wie Glas. Ein falsches Wort, eine falsche Geste, und alles stürzt in sich zusammen. Wehmut und Traurigkeit nehmen von mir Besitz.

steppenhund - 06. Sep. 15, 12:45

Die Welt nicht

Die Erde!

Treffen sich zwei Planeten, einer davon ist die Erde. Der andere fragt: "Wie geht's?" De Erde antwortet: "Nicht so gut!" - "Was ist los?" -
Erde: "Ich habe Menschen!"
Antwortet der andere Planet: "Mach dir nichts daraus. Das geht vorüber!"

bonanzaMARGOT - 06. Sep. 15, 12:50

andererseits: vielleicht würde sich die erde ohne menschen langweilen.
ausserdem denkbar: der mensch ist die schlimmste intelligente lebensform im universum.
steppenhund - 06. Sep. 15, 13:12

Bei "schlimmste" stimme ich zu. Bei "intelligente" habe ich so meine Zweifel.
bonanzaMARGOT - 06. Sep. 15, 13:19

beim begriff intelligenz läuten sowieso alle meine alarmglocken. es gibt nur mehr oder weniger dumm.
KarenS - 06. Sep. 15, 12:59

Netter Text ...

nun ja, sind nicht alle Frauen, Männer und Kinder manchmal zickig?

Ich lese aus dem Text mehr Positives heraus, und das zählt. Selbst wenn sich die „Sache“ negativ entwickelt, dann wäre es ein „Wink des Schicksals“ … der dir eine andere Türe öffnet. Jetzt kannst du auf jeden Fall die Wochenenden (ausschlafen) genießen :-)

Ich denke, das wird schon! Einen wunderfeinen Sonntag wünsche ich noch.



STEPPENHUND - 06. SEP. 15, 13:12

Ich auch!

bonanzaMARGOT - 06. Sep. 15, 18:36

stimmt schon, ich kann ganz schön zickig sein - obwohl man mir das nicht ansieht oder von mir vermutet. es ist sehr schwer, sich dahingehend selbst einzuschätzen, also, in relation zu den anderen.
mit der fortbildung ließ es sich jedenfalls gut an...

danke, steppenhund, karens, euch einen schönen sonntagabend!
diefrogg - 06. Sep. 15, 13:41

Altersmaläste ...

Merkwürdiges Wort. Noch nie gelesen. Kein Google-Eintrag. Ich weiss ungefähr, was Du meinst damit. Aber genauer?

bonanzaMARGOT - 06. Sep. 15, 16:12

Maläste = Krankheiten, Beschwerden
Altersmaläste = Krankheiten, Beschwerden, welche vor allem im Alter auftreten.
diefrogg - 08. Sep. 15, 12:07

Oh, hübsches Wort!

Kommt wohl von "maladie". Danke für die Erklärung...
bonanzaMARGOT - 08. Sep. 15, 18:20

"mal" = schlecht
das kommt offensichtlich aus dem französischen.
aber für mich klingt es auch nach dem deutschen "last" (läste). wie sich das wort "maläste" wirklich herleiten läßt, weiß ich nicht. (quelle malheur!)
ich finde es oft schade, dass alte begriffe und redensarten im täglichen sprachgebrauch aussterben. warum mir dann trotzdem unwillkürlich solche wörter einfallen, wenn ich spreche und schreibe - null ahnung. vielleicht kommt es von meinen früheren leben... wer weiß das schon.
nein, das ist freilich quatsch. ich hatte in der schule französisch, und wahrscheinlich blieb doch was hängen. ausserdem lese ich überwiegend autoren, die sprachlich noch über einen anderen fundus verfügten.
Elke (Gast) - 06. Sep. 15, 18:56

Nur Mut ...

Du schriebst: "Es ist komisch: manchmal habe ich das Gefühl, die gesamte Welt wäre beseelt und brüchig wie Glas ..."

https://www.youtube.com/watch?v=iT-62DaoNEo

Nur wer Kälte kennt, kann auch Wärme schätzen. Du schaffst das schon! (-;

Elke

bonanzaMARGOT - 07. Sep. 15, 20:56

danke, elke.
steppenhund - 08. Sep. 15, 10:27

Bitte schau auf mein Blog

wegen weiterer Kontaktaufnahme

bonanzaMARGOT - 08. Sep. 15, 18:07

jep.
Lange-Weile - 09. Sep. 15, 09:47

Wehmut, der Begleiter einerer Ereuerung

Hallo Bo.,

mit der Umschulung hast du die alten Zeiten endgültig hinter dir gelassen. Das macht auch etwas traurig, weil damit auch ein Lebensabschnitt unwiederbringlich abgeschlossen wurde. Damit gibt es auch kein Zurück ins alte Leben mehr. Selbst wenn du wieder in das alte Leben zurück kehren würdest. Das alte Leben wäre nicht mehr das alte Leben, weil du dich in den vergangen Monaten gewandelt hast. Die wichtigste Veränderung im Leben vollzieht sich innerlich. Sie wird nur von äußeren Umständen unterstützt.

Das ist auch so etwas , wie sterben.. es stirbt z.B. eine alte Gewohnheit. Die alte Welt stürzt unwiederbringlich ein.

Du bist jetzt keine Nachteule mehr, die auf Grund der zahlreichen Nachtschichten in eine unerklärliche Traurigkeit versinkt. Du gehörst jetzt zu den frühen Vögeln, die die Morgensonne auf den Weg zur Arbeit - wenn ich die Schule mal so nennen darf - genießen kann und dir Energie für den Tag gibt und was ganz wichtig ist, du musst dich abends nicht mehr aufraffen, um zum Nachtdienst zu gehen. Das ist ein weiterer positiver Effekt der Veränderungen.

Und ein weiterer positiver Effekt ist die Zweisamkeit. Die Tatsache, dass du abends nach getaner Arbeit auf dich jemand wartet oder du auf jemanden warten kannst. Das ist noch ein Haufen Glück obendrauf.;-)

Wie schön, dass du die Chance zur Veränderung damals erkannt und auch genutzt hast. Wie viele Menschen erkennen oder nutzen ihre Chance zur Erneuerung des eigenen Lebens nicht und halten an etwas fest, was ihr Leben in eine Starre führt.

LG La We


bonanzaMARGOT - 09. Sep. 15, 19:04

hallo lawe

mir kommt es nicht unbedingt so vor, als ob es ein altes und ein neues leben gäbe. ich war schon immer offen für neue impulse. leider fehlte es mir an energie oder ehrgeiz (interesse), gewisse dinge beruflich und privat umszusetzen. doch zwischendurch erhalte ich einen schub; und wenn dann die umstände günstig sind, bewege sogar ich mich.
was seit 2013 in meinem leben geschah, ist immens - jedenfalls für meine verhältnisse. wenn ich allerdings anderen menschen so zuhöre, was in deren leben passiert, kommt mir mein leben wie eine sanfte brise vor. du glaubst nicht, was meine klassenkameradinnen alles bei ihrer vorstellung erzählten...
du hast recht: ein zurück gibt es nicht. das ist allgemein so im leben - und ich bin ganz froh drum.
bin ich traurig? nein! ich hatte in meiner alten heimat keine bezugspunkte mehr. und der gewohnheitswechsel ist zwar nicht ganz leicht, aber ich kriege das, glaube ich, ganz gut hin. bisher zumindest.
ich denke dabei oft an meine fahrradreisen, wo ich, als ich losfuhr, zwar ein ziel hatte, aber auch nicht genau wusste, wie ich genau dorthin komme, bzw. wie ich die ganzen hürden bewältigen kann. befinde ich mich dann auf der strecke, ergibt sich das meiste wie von selbst (natürlich unter einiger anstrengung). und ich kam an meinem ziel an, was ich gar nicht recht glauben konnte. tja.
eine starre gab es in meinem leben nie. allerdings einige verweilpunkte. ich bin nun (halbwegs) bereit für das letzte drittel meines lebens, wenn mich der sensenmann nicht vorher holt.
mit dem tod komme ich noch nicht klar. aber auch das wird sich (zwangsläufig) ergeben.

danke lawe - solange wir leben, finde ich es immens wichtig, dass wir menschen uns moralisch und menschlich unterstützen.

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