Donnerstag, 8. März 2018

Das Band der Liebe


Wie unfassbar stark kann das Band der Liebe sein… Ich denke an meine verstorbenen Eltern. Fünf Jahre gingen seit ihrem Tod ins Land. Wie sehr muss er sie geliebt haben… Augenblicklich steigen mir die Tränen in die Augen. Ich sehe ihn in seiner letzten Lebensphase vor mir, als die Demenz ihn noch nicht völlig von seiner Umwelt getrennt hatte. Ich erinnere mich an die Zeiten, als er nächtelang am Bett seiner nervenkranken Frau ausharrte… Er hätte ohne sie nicht leben können. Sie vielleicht schon ohne ihn. Aber sie war zu krank, - viel zu lange krank. Ich hätte meiner Mutter damals gewünscht, noch mal ganz neu durchzustarten. Sie war eine intelligente Frau mit vielen Interessen. Sie war ungeheuer feinfühlig. Sie war ehrgeizig. Sie war in meinen Augen eine Blume, die sich in der Verbindung mit meinem Vater nie richtig entfalten und ausleben konnte. Ich weiß nicht, wie viel fehlte, um meine Mutter auf eine andere Bahn zu bringen. Immer wieder siegte die Krankheit. Eigentlich lebten meine Eltern zu dritt. Die Krankheit wich bis zum Schluss nicht von ihrer Seite. Sie war die unsichtbare bestimmende Kraft hinter allem.
Ich flüchtete derweil in ein anderes Leben. Ich entwickelte meine ganz eigene Krankheit. Ist es nicht so, dass wir oft nur von einem Teufel zu einem anderen wechseln? Niemand kann einem bei dem Kampf gegen diese Teufel helfen. Als Bild fällt mir ein von Efeu umschlungener Baum ein. Der Efeu nimmt nach und nach Besitz von den Lebenskräften des Baumes… Trotzdem sehe ich in diesem Bild auch noch die Kräfte der Liebe wirken. Meine Eltern sind der Beweis. Ich sehe sie am anderen Ufer stehen, wo sie den ganzen Mist von sich abschütteln konnten, und mir gütig zuwinken…

ein literarisches Tagebuch

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