Samstag, 7. Oktober 2017

Sonntagskind


Ich könnte mit dem Heute zufrieden sein. Materiell gesehen bin ich satt. Nach allem, was in meinem Leben passierte, darf ich mich glücklich schätzen, dass ich heute (für meine Verhältnisse) gut dastehe. Ein Wunder, dass ich noch hier bin, ehrgeizlos wie ich bin – Tunichtgut, Tagträumer, faule Ratte, hoffnungsloser Trinker und Weltabgekehrter.
Womit habe ich eine liebende hübsche Frau verdient? Wie kam ich zu der Wohnung in der Mitte Berlins? Wie zu dem Job, der mir wieder ein sicheres Einkommen sichert? Warum bin ich nach den vielen Alkoholexzessen nicht schon längst am Arsch?
Ich bin ein echtes Sonntagskind. Am dritten Advent 1962 in die Welt berufen. Eigentlich hatte ich gar keinen Bock, aber der Arzt gab meiner Mutter Spritzen, damit die Wehen einsetzten. Er wollte rechtzeitig in seinen Winterurlaub starten (erzählte mir meine Mutter). Die Folge war, dass die Milch, die meine Mutter im Überfluss hatte, abgepumpt und weggeschüttet werden musste. Wegen der Spritzen war sie schlecht. So wurde ich zum Flaschenkind - und bin es heute noch.
Nein, meinen Alkoholismus will ich damit nicht entschuldigen. Blödsinn. Für alles, was ich in meinem Leben verbrockte, trage ich allein die Verantwortung. Die Umstände des Lebens kann man sich gerade als Kind nicht aussuchen. Sicher lief viel falsch. Wie in anderen Familien auch. Familiengeschichten sind eine Sache für sich…
Irgendwann hat man es geschafft und sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen. Und von diesem Zeitpunkt an sagt man sich, dass man damit leben muss, was passierte, und für sein Leben selbstverantwortlich ist. Das leuchtet doch ein, oder?
Wenn ich unzufrieden bin, liegt es allein an mir. Und ich habe verdammt noch mal keinen Grund, unzufrieden zu sein. Wozu hechte ich einer imaginären Freiheit hinterher, die ich nie erreichen kann?
Woher kommt der verfluchte Drang, von allem davonlaufen zu müssen? Ist die Welt so schlecht?

ein literarisches Tagebuch

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