Freitag, 8. September 2017

The Rum Diary


„Glücklich“, murmelte ich und versuchte aus dem Wort schlau zu werden. Es ist eines dieser Wörter, so wie Liebe, die ich nie richtig verstanden habe. Die meisten Leute, die mit Sprache zu tun haben und damit ihr Geld verdienen, haben kein großes Vertrauen in diese Wörter. Ich bin da keine Ausnahme – besonders, wenn es die ganz großen Wörter wie Glücklich und Liebe und Ehrlich und Stark sind. Sie sind schwer zu fassen im Vergleich zu den kleinen präzisen Wörtern wie Penner, Billig oder Falsch. Weil sie dürr sind und leicht festzupinnen, fühle ich mich bei ihnen zuhause. Um den großen Wörtern trauen zu können, müsste man Priester sein oder vielleicht verrückt.



Ich saß noch lange Zeit da und dachte über viele Dinge nach. Hauptsächlich beschäftigte mich der Gedanke, dass meine seltsamen und nicht zu bändigenden Instinkte mich erledigen könnten, bevor ich überhaupt die Chance hatte, reich zu werden. Egal wie sehr ich all diese Dinge haben wollte, für die ich Geld brauchte, es gab irgendeine teuflische Strömung, die mich in eine andere Richtung trieb – Richtung Anarchie und Armut und Wahnsinn. Diese schier rasend machende Illusion, dass man ein anständiges Leben führen kann, ohne sich wie ein Judas zu verkaufen.
Schließlich betrank ich mich und ging zu Bett…



Zwei Auszüge aus "The Rum Diary" von Hunter S. Thompson

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