Samstag, 6. Mai 2017

Alles nicht so einfach


„Wir verlassen jetzt San Francisco und fahren nach Monterey, immer am Pazifik entlang. Ich habe Sonnenbrand“, stand in der Mail, die mir R & W die Tage schrieben. Ich gönne ihnen die USA-Reise von Herzen. Schön, wenn man sich im Leben den ein oder anderen Traum erfüllt, bevor es zu spät ist. R & W gehören nicht mehr zu den jüngsten.
Erst vor wenigen Monaten war ich in die Lektüre von „On The Road“ vertieft. Die Bilder daraus sind mir noch vor Augen. Jack Kerouac, sein Freund Neil Cassady und die ganze verrückte Bande…, - freilich, das waren damals andere Zeiten. Aber auch heute lockt noch das Abenteuer des „Unterwegs seins“, eng verbunden mit dem Gefühl der Freiheit. Dazu dieses riesige und unglaubliche Land Amerika. Ich stelle mir R & Ws Fahrt die Westküste entlang fantastisch vor. Wie weit differieren wohl Vorstellung und Wirklichkeit? Was sah ich nicht alles an Filmen, die dort spielen, oder las Geschichten und Romane, die von dort erzählen. Die Namen der Städte klingen wie Versprechen: San Francisco, Monterey, Los Angeles, San Diego… Der amerikanische Traum hätte nirgendwo anders zum Mythos werden können.
Ich wünsche R & W eine gute Reise, dass sie wohlbehalten ihr Ziel erreichen, die Landschaften genießen, Land und Leute, das Flair der Ortschaften und Städte in sich aufsaugen. Es zählt nur das Hier und Jetzt.
Wie gern würde ich jetzt träumend auf den Pazifik blicken…
Stattdessen hocke ich inmitten des Berliner Häusermeers, ohne Horizont, unter einem eintönig grauen Wolkendach. Berlin ist längst entzaubert und (öder) Alltag. Mein Herz wie eingefroren. Zäh fließen die Säfte des Frühlings. Träge schlurfe ich ins Wochenende, kratze mich am Hintern und denke, dass viel zu viel gedacht und geredet wird. Die Seele kriecht am Boden, erdrückt von der Wirklichkeit der Steuererklärungen und GEZ-Gebühren, erschlagen von tumber Werbung und fadenscheinigen Angeboten, erschöpft vom stumpfen Arbeitsalltag und dem Moloch der Stadt, erledigt von Selbstmitleid, Depressionen, schlechtem Essen und Drogen…
Es ist Mai, und ich warte auf die Sonne wie auf eine DHL Paketsendung. Wie`s aussieht, muss ich sie selbst abholen - und stehe dann Schlange mitten unter den anderen tausenden Wartenden in einer übrig gebliebenen Postfiliale auf den Fidschi-Inseln.

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Netter Vorschlag, liebe...
Netter Vorschlag, liebe Nadine, aber das macht er bestimmt...
iGing - 25. Feb, 20:42
Viel Glück dabei....
Viel Glück dabei. Wie wäre es denn mit einer...
NBerlin - 25. Feb, 18:56
Diese Handvoll lieber...
Diese Handvoll lieber Menschen muss ich mir erst noch...
bonanzaMARGOT - 25. Feb, 17:50
Ein anderes Wort für...
Ein anderes Wort für Illusionen... Träume. Mein...
bonanzaMARGOT - 25. Feb, 17:48
Die Einsamkeit im Altenheim...
Die Einsamkeit im Altenheim habe ich auch als extrem...
NBerlin - 25. Feb, 17:17
Als Altenpfleger erlebte...
Als Altenpfleger erlebte ich Einsamkeit in sehr extremen...
bonanzaMARGOT - 25. Feb, 17:10

Archiv

Mai 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 5 
 9 
11
12
15
16
19
22
29
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Herz zurück
Wie immer geht`s mit dem Verlust Schneller als mit...
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 18, 10:35
Ich fand eine Liebe auf dem Grund eines Sees. Der See war still...
Ich fand eine Liebe auf dem Grund eines Sees. Der See...
bonanzaMARGOT - 24. Feb. 18, 13:59
Soweit
Die Zukunft bestimmt die Gegenwart Die Vergangenheit...
bonanzaMARGOT - 24. Feb. 18, 12:30
Alles Gescheite mag schon siebenmal gedacht worden sein. Aber...
Alles Gescheite mag schon siebenmal gedacht worden...
bonanzaMARGOT - 03. Feb. 18, 08:17

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3818 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 25. Feb, 20:42