Mittwoch, 22. Februar 2017

Infekt


Ich wartete auf sie seit letztem Spätjahr. Als O. vor ein paar Tagen damit anfing, wusste ich, dass meine Zeit gekommen war. Nun husten und niesen wir im Duett. O. sollte das Gröbste bereits hinter sich haben, wenn sie nicht in die Verlängerung geht; und ich steuere auf den Zenit zu.
Als männliches Wesen leide ich selbstverständlich sehr ausgeprägt – schon deswegen, weil ich niemanden in seinem stereotypen Denken enttäuschen will. Ich fühle mich wie ein leibhaftiges Schleimmonster. Der Papierkorb ist gefüllt mit Tempotaschentüchern. Zur Linderung stehen die üblichen Mittelchen griffbereit. Die ersten Tage, bis sich der Infekt manifestiert hat, finde ich persönlich am schlimmsten. Da ich keine Mandeln mehr habe, kriege ich meist das ganze Paket: es beginnt mit Schnupfen und befällt dann Rachen und Bronchien. Ich feuere mein Immunsystem an, als wäre ich ein Trainer: „Jungs, wir liegen zurück, aber das Wort Niederlage kennen wir nicht! Ich weiß, dass ihr euren Job gut macht! Weiter so! Nicht nachlassen!“
Fresszellen, Killerzellen und T-Zellen antworten unisono: „Jawohl Trainer, mache dir keine Sorgen. Ist bloß `ne beschissene Erkältung. Die hat null Chance. Nimm dir einen prima Lesestoff vom Bücherregal und lege dich lang. In zwei-drei Tagen ist der Bär geschält.“
Die Jungs haben recht. Aber ich will mich nicht den ganzen Tag im Bett rumfläzen und Bukowski lesen. Bin jetzt schon den dritten Tag zuhause. Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf. Gut, dass sich mein Arbeitsbeginn verzögerte. Ich kann mich in Ruhe auskurieren. Mit Mitte Fünfzig geht man besser kein Risiko mehr ein. Vor zwei Jahren verschleppte ich eine Erkältung, die ich aus Gran Canaria mitgebracht hatte. Wochenlang ärgerte ich mich mit einer Bronchitis herum. Man wird eben nicht jünger. Wenn die Dinge älter werden, benötigen sie ein Mehr an Pflege. Ich fühle mich ziemlich pflegebedürftig… mit meiner Matschbirne. Sollte mal Fieber messen. Immerhin bin ich solange von meinen depressiven Verstimmungen geheilt. Die physische Erkrankung hat der seelischen kurzfristig den Rang abgelaufen. Husten Sie sich die Depression von der Seele! Rotzen Sie sich ihr Unglücklich Sein aus dem Leib! Haaaaatschiiiiiii!!!
Ich lege mich besser hin.

ein literarisches Tagebuch

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