Samstag, 14. Februar 2015

Ein Hauch von Frühling


Wir leugnen schon mal unsere Gefühle oder verdrängen, unterdrücken sie. Man kann nicht in jeder Situation seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Es gibt genug Chaos auf der Welt, drum sind wir um eine gewisse Ordnung bemüht. Leider machen wir dabei die Rechnung ohne den Wirt – oder besser gesagt: ohne unser Unterbewusstsein...

Man spürt schon lange vorher, wenn man fertig mit einer Sache ist, aber will es nicht (unbedingt) wahrhaben. Es kann vorkommen, dass man jahrelang ein totes Pferd reitet. Ein totes Pferd bringt einen keinen Zentimeter voran – da kann man sich noch so abmühen. Mir ging es seit ein paar Jahren an meinem Arbeitsplatz so: ich wusste, dass ich damit durch war, nur sah ich keine andere Perspektive. Parallel dazu verlor ich zunehmend die Bindung zu dem Ort, an dem ich wohne. Ich fühle, dass meine Zeit hier abläuft. Genaugenommen geht ein ganzer Lebensabschnitt zu Ende.
Vor einem Jahr wartete ich wie nach jedem deutschen Winter sehnsüchtig auf den Frühling und plante für den März einen kurzen Mallorca-Urlaub – sozusagen als Vorgeschmack. Ich wollte meiner einsamen Seele ein paar Sonnenstrahlen schenken. Ich wusste nicht, dass dieser Kurzurlaub ganz neue Fakten für mein Leben schaffen würde. Und diese Fakten erleichterten mir das Absteigen von dem toten Pferd, auf dem ich noch saß. Natürlich weiß ich, dass man sich zu gern im Nachhinein alles gefällig zusammenbastelt. Mit Geschichten ist das so: man kann sie erst aufschreiben, wenn sie bereits passierten.
„Erzähle mir nichts vom Pferd“ - sagt eine alte Redensart. Ich würde mir diese Geschichte selbst nicht glauben. Doch sie passierte, und ich befinde mich mittendrin. Ich warte nicht mit Details auf, denn die deutsche Spießer-Seele würde sagen: Wie kann man sich darauf einlassen? Ich mag diese Stimme in meinem Kopf nicht. Die Vernunft ist schön und gut, aber wenn es um kreative Prozesse im Leben geht, sollte man sie ausblenden. Nein, nie ganz – das wollte ich damit nicht sagen. Ich dimme die mahnende Stimme der Vernunft nur auf ein erträgliches Maß herunter.
Der Liebe wird angedichtet, dass sie eine rosarote Brille trägt. Das mag so sein. Ich liebe sie - die Frau, die auf Mallorca in mein Leben trat! Jedenfalls sitze ich nicht mehr auf einem toten Pferd... tz tz tz

Seit zwei Tagen liegt ein Hauch von Frühling in der Luft. Eine Zeit des Übergangs. Wir planen eine Zukunft in Berlin. Schritt für Schritt. Alles ist gut, wenn wir nur zusammen sind.

ein literarisches Tagebuch

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