Samstag, 9. August 2014

TV-Tipp:

"Jesus liebt mich", 20 Uhr 15, ZDFneo

Von merkwürdigen Tieren ...


Was es nicht alles gibt: Menschen, die sich für das Überleben nach Revolution, Krieg oder Naturkatastrophe einrichten - sie sind ausschließlich damit beschäftigt. Und andere nennen sich Reichsbürger und zweifeln die Legitimität der deutschen Regierung, Gerichtsbarkeit und Behörden an. Es sollen inzwischen Tausende sein.
Ich kann es nicht fassen und wälze mich am frühen Morgen unruhig in meinem Bett hin und her. Auf einem anderen Doku-Kanal zeigen sie merkwürdige Tiere, z.B. einen Anglerfisch der Tiefsee: das wesentlich kleinere Männchen hängt wie ein Parasit am Unterleib des Weibchens und ernährt sich von dessen Blut. Oder Feuerameisen, die auf Elektrogeräte abfahren. Ich schalte hin und her zwischen den merkwürdigen Menschen und den merkwürdigen Tieren. Ich mag noch nicht aufstehen, aber nochmal richtig einschlafen kann ich auch nicht. Dann döse ich doch noch mal weg und komme bei einer Kochsendung wieder zu mir. Endlich stehe ich auf - weil ich Kochsendungen nicht lange aushalte, zumal wenn Dämlichkeiten wie Larissa und Verona dabei mitmachen, und ich ihnen beim Gurkenschneiden zuschauen soll.
Mir ist flau. Am Abend muss ich in den Nachtdienst. Der Tag ist trübe. Die Kreuzspinne vor meinem Fenster schaukelt im Wind. Auch ein merkwürdiges Tierchen. Es kommt ganz ohne Staat, Arbeitgeber und Rente aus. Dabei sitzt es wie ich auch nur den ganzen Tag herum.
Vor meiner Zeit als Rentner habe ich mehr Angst als vor einem Krieg oder dem Weltuntergang. Mir fällt der eine Typ aus der Dokumentation ein, wie er eine Armbrust präsentierte und meinte, dass er die im Ernstfall gegen Plünderer einsetzen wolle. Seine Frau steht neben ihm, sie ist genauso durchgeknallt. Gemeinsam planen sie Seminare für das unabhängige Überleben im Ernstfall. Und sie werden tatsächlich Zulauf haben und damit Geld verdienen, mit dem sie ihren Bunker ausbauen und noch mehr Nahrungsmittel horten können, etc.. Vielleicht sollte ich bei ihnen auch ein Seminar besuchen in Hinsicht auf meine Rente … Eigentlich bin ich kein besonders ängstlicher Typ, aber die auf mich zukommende Altersarmut ist ein harter Brocken. Auf der anderen Seite, es sind noch gut 15 Jahre. Möglicherweise passieren vorher irgendwelche Revolutionen, Kriege oder Naturkatastrophen, die alles auf den Kopf stellen. Man muss nur an die ganzen Asteroiden denken, die da draußen herumschwirren. Über die Gefahren aus dem Weltall kommen auch jede Menge Dokumentationen zu den unmöglichsten Zeiten im TV. Z.B. könnten wir auch durch eine Supernova-Explosion ausgelöscht werden. All das verinnerliche ich im Halbschlaf. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass mich der Krebs irgendwann dahinrafft.
Es ist schön, wenn man den Tag mit solchen Überlegungen beginnt. Noch lebe ich, und mir geht es gut. Ich drehe den Kopf zur Kreuzspinne hin, die stoisch im Netz sitzt und wartet. Wenn ich`s recht bedenke, sitze ich ja hier vorm Computer auch in einer Art Netz und warte – fragt sich nur auf was.

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