Mittwoch, 6. August 2014

Hoffentlich hinkt der Vergleich nicht zu sehr


Ein Blog zu führen ist ein bisschen wie Nachtwache allein. Wertschätzung darf man nicht erwarten. Ich bin über jede kleine Aufmerksamkeit froh. Was nachts abläuft, bleibt unsichtbar. Ebenso kommt es mir vor, wenn ich Beiträge in mein Blog stelle. Vielleicht schreibe ich zu viel von der Nachtseite des Lebens. Ich kämpfe mich durch die endlose Nacht, und wenn am Morgen die Kollegen zum Frühdienst erscheinen, ist es, als ob die Welt wechselt. Manchmal glaube ich selbst unsichtbar zu sein. Ich löse mich vor den Augen der Kollegen auf wie die Nacht selbst.
Nein, ich will mich nicht beklagen. Die Welt ist nun mal so. Der Autofahrer schimpft über unachtsame Fußgänger, und wenn er aus dem Auto steigt und selbst zum Fußgänger wird, schimpft er über unachtsame Autofahrer. Objektiv sind meine Sympathien immer bei den Schwächeren. Und das sind die Fußgänger im Verkehr oder die Nachtwachen im Altenheim. Ich gehe von dem moralisch naiven Ansatz aus, dass der Stärkere gefälligst auf den Schwächeren Rücksicht nehmen sollte. Der Nachtdienst nimmt meist eine Außenseiterposition in den Heimen ein. Er ist unbeliebt. Ich meine nicht die Personen sondern den Dienst selbst. Gerade wenn man ihn alleine leisten muss.
Aber ich wollte gar nicht über die Problematik des Nachtdienstes schreiben. Die ist hirnnreichlich bekannt, finde ich. Ha ha, „hirnreichlich“, ich verschrieb mich und gebar dabei dieses köstliche Wort.
Es war der Gedanke, dass ein Blog führen in mancher Hinsicht mit der Nachtwache allein vergleichbar ist. Die eigene Gedankenwelt ist anderen, fremden Menschen schwer zu vermitteln. Sowieso kann man sie in den Beiträgen nur anreißen. Oft bin ich enttäuscht von der geringen Resonanz. Daran gewöhne ich mich nie wirklich. Ebenso am Morgen, wenn der Frühdienst kommt, und ich hatte eine anstrengende Nacht und warte auf ein bisschen Mitgefühl oder ein paar freundliche Worte – meist gehe ich leer aus. Die Kollegen sehen ungern zurück in meine Nacht, sie sehen nur den Tag, den sie vor sich haben. Die Nachtwachen sind nicht nur in der Nacht alleine …

TV-Tipp:

"Die endlose Nacht", 23 Uhr 15, RBB




Mittwochs-Weisheit


Zeit ist das größte Kapital - aber auch der größte Dünnschiss.

Wir kommen nicht dazu, das Leben zu begreifen - aber die Angst müssen wir aushalten.


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Zuletzt aktualisiert: 27. Mai, 11:05