Samstag, 24. Mai 2014

TV-Tipp:

"Insider", 21 Uhr 45, Einsfestival

Mir reicht`s


Der Auflösungsvertrag ist unterschrieben. Eine halbe Stunde mit viel Blabla von Seiten der Leitung, welche Schwierigkeiten sie nun habe, meine Stelle zu besetzen. Zu meinem Wunschtermin klappte es nicht - was mir fast klar war. Ich werde noch ein paar Monate im Nachtdienst ausharren müssen.
Der Morgen hatte mit Regen begonnen. Als ich vom Altenheim mit dem Auflösungsvertrag im Sack Richtung Bushaltestelle schritt, kam die Sonne durch die Wolken. Ich fühlte mich etwas leichter. Nun musste ich nur noch im Lotto gewinnen. Symbolisch hatte ich vorgestern einen Schein ausgefüllt und auch abgegeben. Man weiß ja nie. Wahrscheinlich verhält es sich beim Lotto wie bei der Liebe: Das Wunder passiert, wenn man nicht damit rechnet oder nicht dran denkt. Insofern ist es taktisch unklug, was ich gerade mache.
In dem Landgasthof gegenüber der Bushaltestelle trank ich ein Bier und starrte in Gedanken vor mich hin. Mein Bus ging erst in einer halben Stunde. Die Kollegen, die von meiner Entscheidung wussten, reagierten verständnisvoll – natürlich mit der schmalzigen Einleitung, wie sehr sie meinen Schritt bedauerten. Ich will nicht ungerecht sein, das ein oder andere Bedauern ist sicher ehrlich. Auch mir fällt es nicht ganz leicht, Abschied zu nehmen. Schließlich war das Altenheim in den letzten neunzehn Jahren fast so was wie mein zweites Zuhause. Dort hatte ich zeitweise die meisten menschlichen Kontakte. Nein, ich werde das Altenheim nicht wirklich vermissen. Wirklich nicht. Pflegenotstand war für mich nicht nur ein Schlagwort sondern berufliche Realität. Und das ist alles andere als spaßig. Seit insgesamt achtundzwanzig Jahren arbeite ich in der Pflege, und es reicht … Mir reicht`s! Es passt auf keine Kuhhaut, was ich alles erlebte. Man macht sich automatisch mitschuldig an den Missständen. Seit ich die öffentlichen Diskussionen darüber verfolge, wird alles unter den Teppich gekehrt. In gewisser Weise wurde die Pflege mit den Jahren sogar unmenschlicher, weil das Drumherum - die Dokumentation, das Qualitätsmanagement, die tausenden Dienstbesprechungen, das Schönreden – mehr zählen als die Zeit, die man mit den Alten verbringt. Man kann es verkürzt auf die Formel bringen „Mehr Schein als Sein“. Nun ist das allgemein nichts ungewöhnliches. In allen möglichen Bereichen von Politik und Wirtschaft und auch im privaten Leben lügt man sich in die Tasche. Aber in der Pflege ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, zwischen Anspruch und Realität, schon seit vielen Jahren unerhört groß … unerträglich groß, möchte ich monieren.
Mir reicht`s!
Ich trank mein Bier aus und ging über die Straße zur Bushaltestelle. Ich blinzelte in die Sonne. Etwas Wehmut war doch dabei. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Ohne Risiko geschehen keine Veränderungen. Der innere Kampf muss ausgehalten werden. Einmal keine Marionette sein sondern selbstbewusst handeln! Die Sicherheit für die Freiheit aufgeben!
Und dann ist da ja noch der Lottoschein ...

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