Montag, 14. Oktober 2013

TV-Tipp:

"Woyzeck", 22 Uhr 40, ARTE

Und Tschüß!


Eine fette Erkältung kündigte sich bereits in München an – weiß ich heute rückblickend.
Nachdem ich ausgecheckt hatte, verschluckte mich die Großstadt erneut. In der Augustiner Bierhalle las ich in Bukowskis „Das weingetränkte Notizbuch“, was nicht gerade der Aufmunterung diente. Immerhin hörte es derweil auf zu regnen. Ich schlappte nochmals durch die Altstadt. Mein Zug fuhr erst am Nachmittag. Das Hofbräuhaus bildete eine angemessene Abschiedskulisse. Am Vortag hatte ich mich wegen der Touristenmassen nicht hinein gewagt. Vielleicht lag es an der früheren Tageszeit - als ich eintrat, fand ich schnell einen Platz. Am Nachbartisch saß ein interessanter, junger Mann, der eifrig in sein Notizbuch schrieb. Er sah aus wie ein Indianer, war ganz in Schwarz gekleidet und hatte lange, schwarze Haare. Wahrscheinlich ein Südamerikaner. Vor ihm stand ein Halber dunkles Bier. Seine Erscheinung fesselte mich. Sie stach heraus aus der Masse der Bierseligen und Touristen. Zwischendurch blickte er in die Runde und lächelte süffisant. Dann beugte er sich wieder über seine Notizen. Es wurde Mittag, und immer mehr Menschen strömten hinter meinem Rücken ins Hofbräuhaus. Es zog gewaltig vom Eingang her. Noch war es etwas zu früh, um mich auf den Weg zum Hauptbahnhof zu machen.

Mein Zug war der EC von Klagenfurt kommend. Wie zu erwarten, war er bis auf den letzten Platz belegt. Gut, dass ich reserviert hatte. Wie oft war ich im letzten Jahr mit diesem EC zwischen Heidelberg und Villach hin und her gependelt … acht Stunden einfache Fahrzeit. Nun hatte ich nur drei Stunden vor mir und hielt es kaum aus. Als ich das Terrain meines Heimatbahnhofs erreichte, seufzte ich erleichtert auf. Auch dort wimmelte es von Menschen, aber die Vertrautheit der Umgebung gab mir Sicherheit und ein Zuhause-Gefühl. Im Bahnhofsrestaurant begoss ich an der Bar meine Rückkehr. Ein junger Musiker spielte auf einem Flügel Jazzmelodien. Die Töne, das Ambiente, die Gäste und die Bedienungen hinter der Bar drangen zu mir wie durch Watte. Ich fühlte mich ungeheuer schlapp. Trotzdem bereute ich meinen München-Trip nicht. Gar nichts war zu bereuen, auch wenn vieles auf der Strecke blieb.




ich schlappte nochmals durch die Altstadt

(Die Türme der Münchner Frauenkirche sehen im Gesamten doch eher wie Zwillings-Penisse aus ...)

ein literarisches Tagebuch

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