Samstag, 12. Oktober 2013

Ankunft


Ich gebe zu, dass ich ab und zu den weiblichen Part in meinem Leben vermisse. Besonders bei solchen Reisen. Es ist einfach schöner, diesen Scheiß gemeinsam zu erleben. Und zur Not kann man sich nachts auf einem fremden, knarrenden Hotelzimmerbett die Seele aus dem Leib ficken; oder sich streiten und wieder versöhnen, zum Beispiel bei zwei Halben Bier und einer Portion Weißwürste.
Schon reichlich erschöpft erreichte ich die Pension am Hauptbahnhof. An der Rezeption saß die Sorte fette Frau, die gemütlich und gleichzeitig temperamentvoll ist, sozusagen das pralle Leben. Das Zimmer war zum Schlafen ausreichend, hatte ein Waschbecken und einen Fernseher. Dusche und Toilette auf dem Flur. Es war später Nachmittag. Ich legte nur mein Zeug ab und zog los. Ich tauchte ein in den irren Menschenstrom der Großstadt. Der Tag war grau, und die ganze Szenerie hämmerte lärmend und mit tausenden visuellen Eindrücken auf mich ein. Auf dem Weg zwischen Stachus und Marienplatz lud mich die Augustiner Bierhalle zur ersten Rast ein. Also: weg von der Allerweltsfußgängerzone hinein in die gemütliche Bierseligkeit. An das helle Geschnatter der vielen Menschen gewöhnte ich mich nach einer Weile. Mit zwei Halben und einem Zanderfilet mit Butterkartoffeln zelebrierte ich meine Ankunft in München – sofern man das für sich alleine sagen kann. Als ich wieder auf die Straße trat, begrüßte mich die illuminierte Stadt. Ich orientierte mich an den zwei Türmen der Frauenkirche, die an ihren Enden wie Möpse aussehen. Jedenfalls stellte ich diesen Vergleich an. Schnell fühlte ich mich wieder als Ameise, und die Stadt, die um mich tobte, war ein gigantischer Ameisenhügel, über den ich mich wunderte, der mich neugierig machte aber zugleich ermüdete und anwiderte. Es wimmelte von Menschen - jung und alt, reich und arm, jeglicher Nationalität, hastend und schleichend … Wie ich es Anfangs sagte, all dies wäre zu Zweit leichter zu verdauen gewesen. Ich kam an diesem Abend nicht mehr weit. Ich hatte teuflische Schmerzen beim Gehen in der Hüfte, rechtsseitig, die in den Oberschenkel ausstrahlten. Seit Monaten kommen und gehen diese Schmerzen wie ein Phantom. Auch in diesem Fall fehlt mir wahrscheinlich der Arschtritt der besseren Hälfte, die mich schon längst zum Orthopäden gescheucht hätte. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass ich mich als Single nicht ständig rechtfertigen muss. Falls die Schmerzen überhand nehmen, werde ich schon zum Arzt gehen. Fuck! Ich humpelte also zur nächsten U-Bahnstation und fuhr zurück zum Hauptbahnhof. Bereits kurz nach 20 Uhr streckte ich mich auf dem Bett meines Zimmers aus und schaltete das TV ein. Auf irgendeinem Kanal lief was über Ufos und Aliens.

München

Ausgewählte Impressionen




Karlstor - hinein ins Getümmel




Blick aufs Rathaus




am Viktualienmarkt




ohne Worte




vorbei am Haus der Kunst




Wellenreiter




an der Isar - Blick auf den Friedensengel




ohne Worte




im Hofbräuhaus - ein interessanter, junger Mann am Nebentisch




durch die Innenstadt zurück zum Bahnhof

ein literarisches Tagebuch

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