Freitag, 6. September 2013

TV-Tipp:

"Deutschland - Österreich", 20 Uhr 15, ZDF
(Hoffentlich kriegen die Ösis richtig was auf die Mütze!)

Ein Schlafsack voll Erinnerungen


Heute mache ich mich endlich daran, einen neuen Schlafsack zu kaufen. Der alte hatte sich während meiner letzten Fahrradreise begonnen aufzulösen. Ich bettete ihn danach sanft in der Mülltonne. Er erwies mir gute Dienste. Seit 1981 – Wahnsinn! Ich kaufte ihn vor meinem ersten Südfrankreich-Trip. Ritchie, ein Klassenkamerad und Kumpel, war bereits 18 und hatte einen gelben R4. Erst fuhren wir nach Paris, weil er mir unbedingt die Rue Saint Denis zeigen wollte. Nach der Besichtigung der Nutten schliefen wir in einer Telefonzelle und warteten darauf, dass die Metro wieder öffnete, um zurück zu unserem Auto zu kommen. Ich erinnere mich nur noch schemenhaft. Zuerst kauften wir uns in Paris Baskenmützen. Als wir Richtung Süden weiterfuhren, setzten wir sie auf und sangen französisches Liedgut, das uns unser Französischlehrer beigebracht hatte:
„Trois jeunes tambours s'en revenaient de guerre
Trois jeunes tambours s'en revenaient de guerre
Et ri et ran, ran pa ta plan.
S'en revenaient de guerre!“

Und anderes mehr, das mir nicht mehr in den Sinn kommt.
An der Rhone schlugen wir unser Zelt auf. Wir hatten es nicht eilig. Zwei junge deutsche Frauen, nicht wesentlich älter als wir, zelteten neben uns. Eine dünne und eine feiste – adäquat zu mir und Ritchie. Wir verbrachten den Abend zusammen unter freiem Himmel bei Stephan Sulke Musik. Die Dünne war Sulke-Fan. Wir tranken ordentlich Rotwein. Noch heute erinnere ich mich an den merkwürdigen Geschmack beim Knutschen mit der Dünnen. Ritchie verschwand mit der Feisten in der Dunkelheit.
Als wir am nächsten Morgen aufwachten, waren die beiden jungen Frauen bereits abgereist.
Mit schwerem Kopf aber gutgelaunt machten auch wir uns wieder auf den Weg.
Noch aufgeregt erzählten wir uns während der Fahrt unsere Erlebnisse. Mehr als Knutschen und Fummeln war aber nicht.
Wir fuhren ausschließlich Route Nationale, weil wir die Autobahn-Maut sparen wollten. Unsere Schüler-Geldbörsen waren nicht gerade dick. Nun konnten wir es kaum noch erwarten, ans Meer zu kommen. Vorbei an Orange, Avignon, Arles, erreichten wir schließlich bei Saintes-Maries-de-la-Mer die Küste. Hinter jeder Häuserreihe vermuteten wir das Meer. Schließlich waren wir da. Ohne sich umzuziehen rannte Ritchie über den Strand zum Wasser. Ich folgte ihm. Wir lachten wie behämmert und spritzten uns gegenseitig nass. Es war ein heißer Tag. Die Sonne stand bereits tief ...

Heute werde ich mir einen neuen Schlafsack kaufen, der hoffentlich ebenso lange halten wird wie der alte. Wie viele Erinnerungen in einem solchen Ding stecken, überlege ich mir. Was passierte nicht alles seit damals.

ein literarisches Tagebuch

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