Freitag, 5. Juli 2013

Status: Konnte nicht zugestellt werden


Man kann dem Leben nicht trauen. Überall lauern Fallstricke. Es gibt Tage, an denen einem das dummerweise bewusst wird. Dann scheint der Boden unter den Füßen nachzugeben, über den man sonst relativ selbstsicher wandelt. Diffuse Ängste engen den Brustraum ein – das Herz klopft …
Ich wälzte mich im Bett hin und her und versuchte einzuschlafen. Eigentlich gab es nicht wirklich einen Grund zur Besorgnis. Aber eine innere Unruhe und Furcht, die ich nicht abschütteln konnte, hatten mich erfasst. Die Einsamkeit verdichtete sich zur Verzweiflung. Schließlich fiel ich doch in den befreienden Schlaf. Es ist irre: Der kleine Bruder des Todes schenkte mir Ruhe. Als ich am Morgen erwachte, hatte sich meine Beklemmung gelöst. Also beinahe, nicht wirklich ganz.
Ein Fiesling hatte im Traum den Bus entführt, in dem ich saß. Plötzlich hatte er eine Frau in den Schwitzkasten genommen und fuchtelte mit einer Pistole herum. Ich dachte darüber nach, ihn zu überwältigen und ging vorsichtig auf ihn zu. Als er mich sah, ließ der Fiesling von der Frau ab und kam zu mir, nahm mich, ohne etwas zu sagen, in den Arm, drückte mich, und hielt mir dabei die Pistole an den Kopf, lachte. Mein Mut hatte mich verlassen, mir schlug das Herz bis zum Hals. Ich fühlte mich klein und hilflos. Der Busfahrer hatte längst durch einen Blick in den Innenspiegel gesehen, was im Fahrgastraum vor sich ging und die Polizei informiert. Der Bus fuhr nicht mehr auf der üblichen Route und passierte einige Absperrungen. Plötzlich hielten wir. Die Bustür öffnete sich einen Spalt. Der Fiesling war für einen Moment abgelenkt. Ich machte mich von ihm los und drückte mich durch den Spalt. Ich hatte Todesangst und rannte über die Straße. Da fiel mir ein, dass meine Tasche noch auf meinem Platz im Bus lag. Als ich mich umdrehte, glaubte ich zu sehen, dass mir der Fiesling folgte. Wo ist die Polizei? dachte ich noch, und wachte auf. Ich kam mir feige vor, weil ich geflohen war.
Der helle Tag verdrängte den Traum schnell. Ich kramte ihn erst jetzt wieder hervor. Die Stunden des Tages addieren sich. Ich warte auf eine Warensendung. Der DHL-Paketausfahrer fährt das Päckchen seit drei Tagen spazieren. Per Sendungsverfolgung bekomme ich den Status der Lieferung mitgeteilt. Heute lud er es zum dritten Mal in seinen Wagen. Und am Abend werde ich wahrscheinlich wieder lesen: Die Sendung konnte heute nicht zugestellt werden.
Verdammt, warum gibt er es nicht einfach an der Postfiliale wie sonst ab und wirft mir einen Abholschein in den Briefkasten?! Was ist das jetzt schon wieder für ein Albtraum?

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