Mittwoch, 20. Februar 2013

Gute Nacht


Wieder eine Nacht geschafft! Ich hangel mich von Tag zu Tag, von Nacht zu Nacht. Dabei könnte ich kotzen. Ich verdarb mir den Magen. Nicht vom Essen. Von einem Mensch. Menschen können einem ganz schön auf den Magen schlagen. Dabei gibt es schwerere und leichtere Fälle. Diesmal erwischte es mich mittelschwer bis schwer, würde ich sagen. Es ist schon einige Jahre her, dass mir allein schon beim Gedanken an einen speziellen Menschen die Galle hochkommt. Jedes Wort, das dieses Individuum absondert, bewirkt bei mir tatsächlich körperliches Unwohlsein und Brechreiz, dabei, man stelle sich das vor, liebte ich es! Ich liebte es sogar sehr.
Zum Vergleich: Meine Mutter machte damals, ich war Teenager, einen köstlichen Reissalat mit Mayonnaise, Gurke und Ei. Der wurde erst richtig gut, wenn er einen Tag stand. Ein solcher Salat muss erst ein Weilchen ziehen, bis er seinen Geschmack entfaltet, sagte meine Mutter. Ich konnte gar nicht genug davon kriegen. Doch dann kam das dicke Ende. Ich kotzte alles wieder aus und fühlte mich unbeschreiblich elend. So elend, als hätte ich `ne Alkoholvergiftung. Ich hatte mir gründlich den Magen verdorben. Seitdem kann man mich mit Reissalat jagen. Dabei war er ein echtes Lieblingsessen gewesen.
Ähnlich kann man sich das mit einem Menschen vorstellen. Was man eigentlich liebte, verwandelt sich in Gift. Widerlich. Ekelhaft. Wenn ich nur die Gedanken an diesen Menschen abstellen könnte. Würg. Ich hätte mir lieber den Magen an einer Meeresfrüchte-Pizza oder an einer Pferdefleisch-Lasagne verdorben. Nach ein, zwei Tagen geht es einem wieder besser, und die Angelegenheit ist gegessen – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei Menschen gestaltet sich die Genesung langwieriger. Das Problem ist, Menschen kann man nicht einfach auskotzen. Man muss warten, bis sie sich im Kopf, in der Erinnerung verflüchtigt haben; bis sie unter ferner liefen abgebucht sind.
Hätte ich damals gewusst, dass der Reissalat verseucht ist, hätte ich ihn freilich nie genossen. Tja, und so ging es mir mit besagtem Individuum. Die Verseuchung sieht man einem Menschen meist nicht an. Man riecht sie auch nicht. Und das Verflixte ist, umso lieber man den Menschen hat, desto elender geht es einem danach. Auch die Liebe lässt sich schlecht auskotzen. Ich fühle mich echt beschissen. Scheußlich.
...
Die Augendeckel werden schwer. Ich haue mich in die Koje. Vorsichtshalber stelle ich mir eine Schüssel an den Bettrand.

ein literarisches Tagebuch

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