Sonntag, 23. Dezember 2012

Einsamer Feierabend




Ich blickte zu den zwei Übernächtigten gegenüber. Der junge Mann war gerade aufgewacht. Seine Freundin lag ihm zu Füßen noch auf dem Boden und schlief. Kurze Zeit später sah ich sie lustig und Arm in Arm ihrer Wege gehen.



Ich saß am Bahnhof und schaute wahrscheinlich dumm und müde aus der Wäsche. Erst trank ich einen Kaffee, der so heiß war, dass ich zehn Minuten warten musste, weil ich mir Zunge und Gaumen nicht verbrennen wollte. Danach schlenderte ich durch die Bahnhofshalle, beobachtete die Reisenden und Übernächtigten, ging im Bahnhofsbuchladen Gucken und kaufte ein paar Kleinigkeiten in der Drogerie ein. Schließlich drängte mich die Müdigkeit, den Nachhauseweg fortzusetzen. Es war gegen Halb Neun Uhr am Morgen. Halb Sieben hatte ich Feierabend vom Nachtdienst gehabt. Da an Sonn- und Feiertagen morgens keine Busse in Richtung meines Bettes fahren, machte ich diesen Schlenker über den Hauptbahnhof. Aus normalerweise zwanzig Minuten Heimweg wird dann eine Odyssee von gut drei Stunden.
Das Blöde an den Nachtwachen ist, dass ich mich zwar auf den Feierabend freue, ihn aber nie wirklich als Feierabend genießen kann. Es ist immer ein einsamer Feierabend.

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