Samstag, 28. Januar 2012

Kurzer Ausflug ins Ich


Immer wieder stolpere ich beim Nachdenken über das Phänomen des Bewusstseins. Dabei kriege ich das Gefühl nicht los, dass es unanständig ist, sich selbst gewahr zu werden: Als hätte man ein verbotenes Zimmer betreten. Ist erst mal die Tür aufgestoßen, kriegt man sie nicht mehr so leicht wieder zu. Was ist das für ein gruseliges Zimmer? Das bin doch nur ich, oder? Besonders weit gucken kann man darin nicht. Ich sehe auf meine Hände und meinen Körper, ich erkenne mich im Spiegel. Da sind meine Gedanken und Gefühle – diffuse geistige Erscheinungen, die an die Oberfläche drängen. Da sind Ängste und Sehnsüchte - und jede Menge Fragen, auf die niemand wirklich eine Antwort weiß. Aber ich kann nicht aufhören zu fragen …, und schon wieder habe ich das unbestimmte Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Macht es einen Sinn, nach etwas zu suchen, was der Verstand nicht begreifen kann? Ist das nicht gar dem eigentlichen natürlichen Lebensauftrag abträglich? Warum nicht einfach gedankenlos funktionieren, wie Gott oder die Natur es für uns vorgesehen haben? Wieso stießen wir Menschen diese verbotene Tür auf?!
Oder ist das Bewusstsein am Ende nur eine Schimäre? Also, wenn es ein Hirngespinst ist, dann ist es ein verflixt gutes. Ich finde den Weg nicht aus ihm heraus.
Oder steht unser Bewusstsein erst ganz am Anfang? Ich meine, dass wir uns in dieses geheimnisvolle Zimmer nur richtig hinein trauen müssen, statt auf der Schwelle zu verharren. Vielleicht gibt es einen Weg, diese Dunkelheit zu verstehen. Irgendwer sagt, dass dies gefährlich sei. Ja, ich weiß, und außerdem verboten. Aber wie soll ich das Dasein verstehen, wenn ich den Schritt nicht wage? Meine Lebenszeit läuft langsam ab. Die Tür wird sich eines Tages wieder schließen. Egal auf welcher Seite ich dann stehe, alles Fragen wird dann gegenstandslos sein.
Ich will mehr über das Ich erfahren, - mein Ich und das Ich überhaupt. Hat die Welt ein Ich? Hat Gott ein Ich? Ist das Ich ein Gefängnis? Ist es nur ein Trugbild? Reißt es mich in zwei Teile? Ist es des Menschen Fluch? Oder bedeutet das Ich die Spitze der Erkenntnisfähigkeit, wenn wir uns nur trauen? Oder ist es ein Labyrinth, in dem wir uns hoffnungslos verlaufen würden?
Ich weiß nicht, ob ich richtig liege, aber ich glaube, dass der Weg in eine menschlichere und friedlichere Welt nur über eine intensive und offene Auseinandersetzung mit dem Ich-Komplex führt. Wir müssen uns viel mehr unser selbst bewusst werden, anstatt im Materialismus zu baden.
Ich glaube an ein gemeinsames Ich der Menschen. Ich glaube an die empathische Verbundenheit aller Menschen und aller Kreaturen im Universum. Trotz aller individueller Unterschiede gibt es einen Raum, in dem wir zu einem ganzheitlichen Bewusstsein zusammenwachsen. Wir werden mit der Anlage geboren, den Schritt zu wagen … Die Tür steht offen.
Aber noch stehen wir unter Schock.







Kohle/Kreide, 500 x 700, 1994


(Inspiriert wurde ich zu dem Bild von zwei Papageien, die eine Zeit lang auf dem Minigolfplatz gehalten wurden. Ich ging da oft ein Bier trinken, nachdem ich im benachbarten Waldschwimmbad schwimmen gewesen war. Und an lauen Sommerabenden saß ich mit meiner damaligen Freundin dort in feucht-fröhlicher Runde. Die Papageienkäfige standen nicht weit von unseren Plätzen.)

ein literarisches Tagebuch

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