Freitag, 13. Januar 2012

Brasko und die Enführung des Bundespräsidenten


V


„Wo bin ich?“
„In der Schwarzwaldklinik, Mr. Brasko. Schön, dass Sie wieder bei uns sind. Sie lagen fast 6 Wochen im künstlichen Koma. Nach diesem verheerenden Unfall ...“
„Schwarzwaldklinik? Ist das ein Witz? Und Sie sind Prof. Brinkmann, oder wie? Und dann – was für ein Unfall?“ Brasko konnte sich an nichts erinnern. Da war nur ein großes schwarzes Loch. Er starrte auf den Arzt neben seinem Krankenbett, der ihm merkwürdig bekannt vorkam. Ein schlaksiger Typ in weißem Kittel und mit einem Nasenfahrrad. Hinter ihm stand eine Krankenschwester. Nicht übel das Gefährt, dachte Brasko. Der Arzt sollte mal etwas zur Seite treten, damit er ein besseres Blickfeld auf diese Schönheit hätte.
„Sie liegen in einer Spezialklinik. Ihre gesamte rechte Schulter musste erneuert werden. Sie hatten einen grausigen Skiunfall“, und zur Schwester gewandt sagte der Arzt: „Schwester Bettina, kümmern Sie sich bitte um unseren Patienten, damit er wieder ein wenig Orientierung gewinnt. Schließlich verschlief er eine ganze Zeit.“
„Natürlich Herr Doktor,“
Der Arzt lächelte gutmütig, als er in das verdutzte Gesicht seines Patienten blickte.
„Ein partieller Gedächtnisverlust ist nicht ungewöhnlich bei solchen Traumata. Und wahrscheinlich wird das Gedächtnis auch nicht vollständig zurückkehren. Schwester Bettina wird alle Ihre Fragen beantworten, Mr. Brasko. Und nun entschuldigen Sie mich bitte.“
Der Arzt wendete auf dem Absatz und verließ wehenden Kittels das Zimmer.
„Das war Oberarzt W.“, sagte Schwester Bettina, „ein Spezialist für plastische Chirurgie. Er rettete Ihr Leben und Ihre Schulter.“
„Aber ich kann überhaupt nicht Ski fahren“, stammelte Brasko.
Schwester Bettina schaute ihn mitleidig an. „Es wird eine Weile dauern, bis Sie sich wieder zurecht finden. Soll ich jemanden aus Ihrem Freundeskreis informieren?“
Auch diese recht hübsche Schwester Bettina kam Brasko merkwürdig bekannt vor. Eine Menge Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. Aber auf die meisten würde die Krankenschwester auch keine Antworten haben. Er war müde und durcheinander. Schmerzlich wurde ihm bewusst, dass ihn eigentlich niemand vermisste. Er lebte schon lange Zeit beinahe wie ein Einsiedler, - unterhielt lediglich Gelegenheitsbekanntschaften.
„Welches Datum haben wir eigentlich?“
„Den 16. Februar 2012, Mr. Brasko.“
„Und, habe ich was verpasst?“
„Wie meinen Sie das?“
„Ich weiß nicht ...“, Brasko schaute sich in dem Krankenzimmer um. Er lag in einem Zweibettzimmer. Das andere Bett war leer.
Schwester Bettina bemerkte seinen Blick und sagte: „Wir werden Sie bald verlegen, nun, da Sie wach sind. Dann werden Sie Gesellschaft haben.“
Brasko lächelte plötzlich. „Sie können doch jemanden informieren, Schwester Bettina.“
„Aha! Und wen?“
„Die Freni aus Cottbus ...“

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