Mittwoch, 28. Dezember 2011

Ein bitter-süßes Arrangement


Manche Menschen können einen nicht mehr enttäuschen, weil man gar nichts anderes von ihnen erwartet. Das ist zwar (irgendwie) traurig, aber auf der anderen Seite schont es die Nerven. Ich ärgere mich vielleicht zwei- oder dreimal wegen derselben dämlichen Sache, aber danach greift eine Art Abstumpfung.
Es geht uns nicht nur mit Menschen so. Auch gegenüber z.B. Katastrophenmeldungen stumpft man ab. Nein halt! Mehr noch als auf die Wiederholung kommt`s auf die Distanz zum Geschehen an. Über Weihnachten kann ich mich jedes Jahr erneut aufregen, weil ich es nicht ganz für mich ausblenden kann. Wäre Weihnachten ein doofes Fest, was nur in China gefeiert würde, wäre es mir piep-egal. Also, ich ärgere mich leichter über einen Arbeitskollegen als über eine bescheuerte Foren-Administratorin, die weit weg wohnt – und sowieso nicht, wenn ich nichts anderes mehr von ihr erwarte, - wie anfangs erwähnt. Leider wird man, was negative menschliche Eigenschaften angeht, seltenst positiv überrascht. Ich müsste mir einen Strick nehmen, wohnten alle Menschen, die mich im Laufe meines Lebens ankotzten, in meiner Straße. Ich meine die richtig ätzenden Zeitgenossen, bei deren Anblick ich bereits Magengrummeln kriege. Umgekehrt wird es wohl auch einigen gehen, wenn sie mich sehen.
Am liebsten sind mir die vielen Menschen, die ich nicht kenne. Von denen darf ich noch das Beste denken. Obwohl es Figuren gibt, deren bloßer Anblick mich schaudern lässt. Das muss aber nichts heißen. Ich kenne Menschen, auf die ich anfangs große Stücke gab, und die sich peu à peu als die größten Arschlöcher entpuppten – bedauerlicherweise! Man will es lange nicht wahrhaben, weil man vom Anfangseindruck geprägt ist, aber eines Tages ist man doch fertig damit. Gut so! Man kann sich dann nur noch über sich selbst ärgern, dass man so lange brauchte, um die betreffende Person endgültig ad acta zu legen, - bzw. dass man sich täuschen ließ.
Fast alle glauben wir, dass wir eine halbwegs gute Menschenkenntnis besitzen. Doch Pustekuchen! Wir sehen eben nur das, was wir sehen wollen. Für mich habe ich festgestellt, dass die Auswahl an Zeitgenossen, die ich dauerhaft einigermaßen angenehm finden könnte, relativ gering ausfällt. Wenn ich nicht vereinsamen will, muss ich dahingehend Kompromisse eingehen. Nur dummerweise kann ich nicht abschätzen, ob sich die Kompromisse dauerhaft in der Praxis durchhalten lassen.
Fazit: Alles wird bleiben, wie es ist. Wir kommen um menschliche Enttäuschungen nicht drumherum. Die Kunst ist es, sich mit (für einen) negativen Erscheinungen zu arrangieren. Ganz wurscht, ob Mensch, Sache oder Tradition. Wobei dieses Arrangement nicht Kritiklosigkeit bedeutet. Zur Seelenhygiene braucht es auch, dass man ab und zu ganz deftig Farbe bekennt, seine Meinung sagt! Wir sollten jedoch danach wieder gelassen zur Tagesordnung übergehen, und den Mist Mist sein lassen. Anders hätte ich z.B. die Arbeit in der Altenpflege über so viele Jahre hinweg nicht durchgehalten. Ich gebe zu, ein wenig Abstumpfung ist auch dabei …,was nicht Gleichgültigkeit bedeutet! Keine einfache Sache – dieses Arrangement, wie ich es meine. Dabei ehrlich bleiben, sich nicht verbiegen lassen. Sisyphus lässt grüßen.
Perfekt ist es nicht. Perfekt bin ich nicht. Es tut mir leid, dass ich für einige Mitmenschen eine Enttäuschung oder ein Ärgernis darstelle. Böswilligkeit und Gemeinheit versuche ich aus meinem Handeln weitgehendst zu eliminieren. Manchmal fehlt es mir an diplomatischem Geschick, und manchmal gehen auch die Nerven mit mir durch. Man möge es mir bitte nachsehen.

ein literarisches Tagebuch

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