Donnerstag, 10. November 2011

Jahrmarkt des Todes


Meine Mutter und ich reihten uns bei denen ein, die freiwillig in den Tod gehen wollten. Alles war gut vorbereitet. Wir sollten für einen guten Zweck sterben, indem wir unsere Organe zur Verfügung stellten und all unsere Habseligkeiten, welche sie auf einem Flohmarkt feil boten. Ich weiß nicht, warum ich mich dafür entschied – wahrscheinlich aus Solidarität zu meiner Mutter. Jedenfalls zelebrierten man groß unseren Abschied. Einige von uns zogen sich schon aus und ließen sich bereitwillig wegführen. Schließlich auch meine Mutter – während es mir immer mulmiger zumute wurde. Ich sollte in wenigen Minuten sterben. Ich würde unwiderruflich tot sein! Nein, ich trat aus der Reihe. Es war erlaubt, sich anders zu entscheiden. Trotzdem war ich, glaube ich, der einzige und fühlte mich feige. Ich schlenderte durch den Flohmarkt, der sich immer mehr mit Besuchern füllte, während man abseits die Menschen tötete und ausnahm. Es war grausam, aber niemand achtete darauf. Ich sah, wie ein Mann, dem sie bereits die Augen entfernt hatten, von der Bahre sprang. Die Schwestern fingen ihn schnell wieder ein.
Das Gedränge wurde immer dichter. Die Menschen rissen die Dinge der Toten an sich. Auch ich blieb an manchen Ständen stehen und betrachtete die schönen alten Sachen. Beinahe hätte ich etwas gekauft. Doch dann dachte ich an meine Mutter, und ich musste weinen. Die Tränen liefen mir nur so runter …
Und da wachte ich auf.

ein literarisches Tagebuch

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