Montag, 2. Mai 2011

Die Nachricht des Tages


Da komme ich vom Nachtdienst nach Hause, schalte die Glotze ein und glaube meinen Ohren nicht zu trauen: Amerikas Staatsfeind Nr. 1, der Topterrorist Osama Bin Laden tot!? Sie erwischten ihn in Pakistan. Kopfschuss. Filmreif. (In zwei Jahren kommt es in die Kinos.)
Die Amis feiern zu Tausenden in Washington und vor Ground Zero. Unwirklich das Ganze. Wer dachte noch daran, dass sie ihn kriegen? Nach 10 Jahren ... Sie hätten ihn besser lebend gefangen. Nun ist er in den islamistischen Märtyrerhimmel eingegangen, und seine Anhänger haben ein wunderbares Rachemotiv. Mal sehen, was für perverse Anschläge sie sich ausdenken. Eine Atombombe? Giftgas? Ein tödlicher Virus?
Nun, der Gerechtigkeit ist Genüge getan. Präsident Obamas Rede. Die vom 11. September traumatisierte us-amerikanische Volksseele hat sich von einer Last befreit. Die Guten haben gewonnen. Sie kamen mit Hubschraubern. Spezialeinsatz. Neue Helden. Hollywood.
Mir steckt der Nachtdienst noch in den Gliedern. Alles wirbelt durcheinander in meinem Kopf. Nun hörte ich, dass der Leichnam Bin Ladens bereits auf See bestattet wurde (?) Warum denn das? Vielleicht alles eine Inszenierung? Aber wieso? Sein Sohn soll auch getötet worden sein. Die Nachricht ist für mich kein Anlaß zur Freude. Die Besorgnis überwiegt. Und: Wie entwickelt sich der Brandherd Nordafrika? Wie geht es mit Libyen weiter? Mit Gaddhafi? Angeblich verlor er einen seiner Söhne bei einem Luftangriff der NATO. Die libyschen Rebellen feierten dessen Tod ähnlich wie heute die Amerikaner die Tötung Osama Bin Ladens. (Zufall?)
Was kann man glauben? Was glauben die Menschen? Psychologische Kriegsführung?
Es bleibt Verwirrung und ein gruseliges Gefühl. Das Geschehen weit weg, aber auch auf unheimliche Weise nah. Der Wahnsinn ist so unsichtbar wie die radioaktive Verstrahlung. Der Frühling läßt sich nichts anmerken. Die kleinstädtische Biedermeierlichkeit unberührt.

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