Donnerstag, 11. Oktober 2007

Ein wonniger Donnerstag

Ich sehe immer noch bescheuert aus. Spätestens beim rasieren komme ich um den Blick in den Spiegel nicht herum. Manchmal frage ich mich, wie es die anderen Menschen aushalten, bis an ihr Lebensende ihr Spiegelbild zu ertragen. Einige können sich gar nicht satt daran sehen. Mit meinen Unterarmen und Händen bin ich ganz zufrieden - gut so - denn die habe ich beim Tippen ständig vor Augen.
Aber dann gibt`s da mein Gesicht, aus dem ich rausgucke. Okay, alle Menschen tragen Gesichter, das relativiert es wieder ein wenig. Was denkt zb. die Fleischereifachverkäuferin, wenn sie mir die Buletten über die Theke reicht? Denkt sie: "Die Buletten passen gut zu seinem Gesicht"? Oder denkt sie: "Was für ein adretter, junger Mann"?
Nein, ich habe keinen Minderwertigkeitskomplex. Den verbietet mir mein Verstand. Aus den Reaktionen meiner Mitmenschen lese ich ab, dass ich nicht so häßlich sein kann, wie ich mich manchmal fühle. Wahrscheinlich habe ich einfach zu hohe Ansprüche.
Ihr wollt mein Gesicht sehen?
Ich bin doch nicht plemplem! Eure Reaktionen wären doch jetzt verfälscht. Es ist äußerst unklug den Publikumsjoker zu nehmen, nachdem man eine Einschätzung äußerte. Mein Gott, ich stelle mir vor, ich säße Günther Jauch bei "Wer wird Millionär" gegenüber; und Millionen von Menschen würden im TV mein Gesicht sehen ... . Ich würde sterben!
Ehrlich. Selbst der Umstand, dass Günther Jauch auch bescheuert aussieht, könnte mich nicht davon abhalten.
Spätestens bei der 500 Euro Frage kippte ich vom Stuhl - und Jauch würde ständig sagen: "Was hat er denn? Was hat er denn? Mein Gott, was hat er denn?! ..."

Um`s rasieren werde ich nicht rumkommen, denn ich verlasse nie unrasiert das Haus. Eigentlich ein wonniger Donnerstag heute. Es wäre schade, wenn ich ihn bei Jefferson Airplane zuhause verschlonze. Die sind schon gut, die Jefferson Airplane. Also, den ganzen Mut zusammennehmen, und mich das eine Mal am Tag dem Spiegel stellen ...

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