Sonntag, 16. September 2007

Memplex

Diese Theorie geistert mir u.a. durch den Kopf:

http://www.bertramkoehler.de/memetik.htm

Mein Wort zum Sonntag


Sind wir nicht von Anbeginn unseres Lebens auf Sonntage konditioniert?
Das Zeitmuster der Woche prägte sich bereits früh in unser Bewusstsein ein.
Es wird als natürlich hingenommen, dabei ist es vollständig künstlich, willkürlich.
Der Mensch tut sich gemeinhin schwer, solche Muster und Traditionen zu durchbrechen. Von Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, wird selbstverständlich erwartet, dass sie ihr Leben gegenläufig einrichten - der Verdienstausgleich fällt gemessen an den sozialen und gesundheitlichen Einbußen jedoch gering aus. Warum kriegt es unsere Gesellschaft nicht hin, diesen meist dienstleistenden Professionen eine größere Wertschätzung entgegenzubringen?
Warum werden immer noch Menschen in diesen Berufen geradezu verschlissen?
Menschen, die unheimlich viel für die Sozietät leisten - ähnlich wie beim Stand der Hausfrauen, der noch beschissener dran ist, skandieren die Apologeten unseres Gemeinwesens, dass solche Dienste so weit wie möglich ehrenamtlich oder im Fall der Hausfrauen sogar a priori gratis zu leisten sind - aber wäre es in einer modernen Gesellschaft, welche für sich in Anspruch nimmt, die Würde des Menschen und seine Gleichbehandlung zu achten, welche sich für ihr soziales Netz rühmt, nicht ein unbedingtes Muss, ausreichend finanzielle Mittel für eine menschenwürdige Versorgung der Schwächsten unter uns zur Verfügung zu stellen?
Für Eurofighter und Soldaten in Afghanistan zahlen wir doch auch Steuern. Wo ist das Geld für die Menschen, die mitten unter uns scheinbar "auf dem Mars" leben? Im Zuge des allgemeinen Privatisierungsrauschs sollen die sich wohl selbst finanzieren? Oder noch absurder: Die Pflege hilfsbedürftiger Menschen soll gewinnbringend sein.
Wie lange will man den Spagat, ausgehend von den Erkenntnissen in den Pflegewissenschaften und der Gerontologie einerseits gegenüber einer blauäugigen Politik und immer noch zu geringen gesellschaftlichen Aufmerksamkeit andererseits, noch aushalten? Zumal inzwischen jedermann weiß, dass die Bevölkerungsentwicklung auf einen "Staat der Alten" hinausläuft.
Ehrlich, mich kotzt das alles an!
Ich arbeite ganz unten am Menschen - doch von allen Seiten gibt es nur Druck oder Achselzucken.

Warum können wir nicht einfach gängige Muster, politische Konventionen und Traditionen für eine menschlichere Gesellschaft durchbrechen? Warum tun wir uns derart schwer, wenn es um das Vermeiden von Pflegenotständen geht? Die befahrenen Straßen unserer Republik bessern wir beinahe jedes Jahr aus - warum schaffen wir das nicht dort, wo die Menschen am Ende (ihres Lebens) stehen? Warum sind wir nicht in der Lage, allen Menschen, unabhängig von ihrem sozialen Status, einen würdevollen Lebensabend und ein würdevolles Sterben zu ermöglichen?
Unsere Kinder müssen wir dahingehend erziehen, dass sie humanes Denken und Handeln verinnerlichen. Sie werden uns eines Tages pflegen. Das Beste wäre - diese Worte sind hauptsächlich an die Mächtigen und Reichen unter uns gerichtet - wir gingen schon heute mit gutem Beispiel voran.
Sagen, was Sache ist, und nicht drumrumschwätzen.

...


Sonntage bedeuten mir nichts mehr.





Vom Dachboden geholt







Aus der Lektüre "Schöne neue Welt", Ende 1. Kapitel, gefischt:



" ... und darin", warf der Direktor salbungsvoll ein, "liegt das Geheimnis der Tugend: Tue gern, was du tun mußt ..."


"Die Normung Intellektueller kann mit Erfolg erst dann begonnen werden, wenn die Fetusse ihre Schwänze verloren haben ..."



ein literarisches Tagebuch

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